Symposien Sonntag

Änderungen im Programmablauf vorbehalten.

 
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Raum Paris 12:00 - 13:30 04.10.2015
Symposium So17
Ophthalmohistorisches Symposium – Symposium der Julius-Hirschberg Gesellschaft
Vorsitzende/r: Frank Krogmann (Thüngersheim)

In diesem Symposium werden Kenntnisse aus der Geschichte der Augenheilkunde - grundlagenbasiert und interdisziplinär vermittelt.
Referent/in: Christian Karl Brinkmann (Bonn)
1926 beschrieben die beiden Bonner Augenärzte Prof. Dr. Paul Junius und Prof. Dr. Hermann Kuhnt erstmals das Endstadium der exsudativen Form der AMD in der Monographie „Die scheibenförmige Entartung der Netzhautmitte“. Der Vortrag gibt einen historischen Überblick über Junius und Kuhnt im Kontext der Entwicklung der Bonner Universitäts-Augenklinik. Diese sieht das Wirken der beiden renommierten Forscher als Aufgabe, die wissenschaftliche Tradition vor allem im Bereich der degenerativen Makulaveränderungen fortzusetzen.
Referent/in: Gudrun C. Y. Haberl (Bad Säckingen)
Sushruta ein indischer Chirurg 6000 vor Christus ist bekannt für seine bahnbrechenden Neuerungen seiner Zeit. Auch in der Augenheilkunde hatte er Erfahrungen gesammelt. Er soll in der damaligen Zeit schon eine „extrakapsuläre Kataraktoperation“ durchgeführt haben. Es wird sein Werk und sein Einfluss auf die spätere Entwicklung der Augenheilkunde beleuchtet.
Referent/in: Guido Kluxen (Wermelskirchen)
Die infektiösen Erblindungsursachen von vor 100 Jahren haben sich verändert. Die meisten Erkrankungen haben ihren Schrecken verloren und sind teilweise fast verschwunden. Die Pocken sind offiziell ausgerottet, und das Trachom wird jetzt nach Jahrtausenden mit hoher Prävalenz immer seltener. Die mittlerweile bedeutungslos gewordenen okulären Infektionen könnte man scheinbar heute vergessen. Gründe, sich an einige Krankheitsbilder zu erinnern bestehen, weil ihre Erreger bei opportunistischen Krankheiten und in potentiellen biologischen Waffen wieder auftauchen könnten.
Referent/in: Efstathios Papadopoulos (Sulzbach (Saar))
Das Krankheitsbild des Strabismus und seine Therapie war für längere Zeit ein Rätsel. Wie wurde Strabismus in der Antike und im Mittelalter therapiert und wann wurden die Fundamente der modernen Therapie gelegt?
Referent/in: Dieter Schmidt (Freiburg)
Hintergrund: Die Einführung einer Ersatztherapie bei Mukopolysaccharidosen (seit Ende des 20. Jahrhunderts) stellt eine medizinhistorisch bedeutende Entwickung dar. Die Anhäufung der Gkykosaminoglykane (GAGs) in unterschiedlichen Organen führt zur Multisystemerkrankung im frühen Kindesalter. Die Augen weisen Hornhauttrübungen, Glaukom, Hypermetropie, Netzhautschäden und Sehnervenveränderungen auf. Lysosomale Erkrankungen sprechen auf eine Enzymersatztherapie an. Es stellt sich die Frage der Rückbildung eingetretener Augenschäden. Methode: Auswertung neuester Literaturberichte Ergebnisse: Mukopolysaccharidosen, eine heterogene Gruppe von lysosomalen Speicherkrankheiten, treten als Folge eines fehlerhaften Stoffwechsels der GAGs auf. Die MPS I- Erkrankung entsteht durch das fehlerhafte oder fehlende lysosomale Enzym alpha-L-Iduronidase. Patienten mit diesem genetischen Defekt sterben bei Nichtbehandlung zwischen der ersten und vierten Lebensdekade (Wraith 2005). Zur Behandlung wurde als Ersatztherapie alpha-L-Iduronidase eingeführt. Es hatte sich eine Verbesserung der Veränderungen des Herzens und der Muskeln gezeigt. Augenschäden blieben bei Kindern durch eine Ersatztherapie stabil bzw. der zu erwartende progressive Krankheitsverlauf konnte in seiner Ausprägung aufgehalten werden (Pitz et al. 2007, 2009). Wraith (2005) berichtete über eine Verminderung der Photophobie und eine Visusbesserung einiger Patienten. McGill et al. (2010) fanden jedoch, dass Hornhauttrübungen bei Kindern mit einem MPS VI-Syndrom unter der Therapie weiterhin bestanden hatten. Die Beobachtung einer fehlenden Besserung der Augenveränderungen kann durch ein zu spätes Einsetzen der Behandlung erklärt werden. Entscheidend ist der Langzeitverlauf. Es wird empfohlen, mit der Behandlung zum frühesten Zeitpunkt zu beginnen (Ganesh et al 2013). Schlussfolgerung: Von großer medizinhistorischer Bedeutung ist die Einführung einer Enzymersatztherapie bei Mukopolysaccharidosen (seit Ende des 20. Jahrhundets) anzusehen. Einzelbeobachtungen ergaben deutliche Besserungen im Krankheitsverlauf von Allgemeinveränderungen. Eine Reduktion der Augenveränderungen kann bei frühzeitigem Therapiebeginn erwartet werden.
Referent/in: Martin Wenzel (Trier)
Das Fernrohr war eine Erfindung von Brillenmachern, die ohne Berechnung den vergrößernden Effekt von zwei Linsen erkannt haben. Myope, Hyperope und akkomodierende Menschen erhalten mit einer schwachen Konvexlinse oft bessere vergrößerte Bilder als mit zweilinsigen Fernrohren. So ist davon auszugehen, dass Adam Elsheimer seine berühmte "Die Flucht nach Ägypten" 1609 als Myoper malte und mit einer schwachen Konvexlinse mehr astronomische Details erkennen konnten, als S. Marius, T. Harriot oder G. Gallilei mit ihren ersten Fernrohren.