Symposien Sonntag

Änderungen im Programmablauf vorbehalten.

 
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Raum Paris 08:30 - 10:00 04.10.2015
Symposium So06
Kinderaugenheilkunde: Refraktionsentwicklung, Screening und neue Ansätze zur Amblyopietherapie
Vorsitzende/r: Wolf Lagrèze (Freiburg), Christina Beisse (Heidelberg)

Dieses Symposium informiert über aktuelle Studien zur Minderung der Myopieprogression, über die Möglichkeiten zur Aufdeckung von Refraktionsfehlern im Rahmen von Screeningprogrammen und beleuchtet neue Methoden der Amblyopietherapie kritisch.
Referent/in: Wolf Lagrèze (Freiburg)
In den letzten Jahren sind eine Vielzahl interessanter Studien zur Progression und zu Risikofaktoren der Myopie publiziert worden. Folgende Faktoren und sich daraus ableitende Maßnahmen zur Progressionsminderung werden diskutiert: Einfluss des Sonnenlichts, Einfluss von Naharbeit, Hemmung des Acethylcholinrezeptors durch topisches Atropin sowie neu augenoptische Strategien.
Referent/in: Martin Nentwich (Vaterstetten)
Referent/in: Frank Schaeffel (Tübingen)
Der grösste Anteil (90%) der Myopien ist visuell ausgelöst, hochkorreliert mit dem Ausbildungsstand („physiologische oder Schulmyopie“). Welche visuellen Stimuli erzeugen Myopie? (1) Defokussierung - die Retina steuert an jedem Punkt im Bulbus das Wachstum der darunterliegenden Sklera, um Defokussierung langfristig zu minimieren. Da aber die Akkommodation durch die Fovea gesteuert wird, die Emmetropisierung mehr durch die periphere Retina, gibt es komplexe und noch wenig untersuchte Wechselwirkungen, (2) Licht - unsere Emmetropisierung ist optimiert für Tageslicht (>20,000 lux). Dopamin ist ein Augenwachstumshemmer, und bei dauernder Bürobeleuchtung (500 lux) liegt der retinale Dopaminspiegel zu nieder.
Referent/in: Maria Fronius (Frankfurt)
Aufgrund klinischer Erfahrungen und Untersuchungen an Tiermodellen galt lange das Alter von 6-7 Jahren als Grenze der Therapierbarkeit der Amblyopie, obwohl immer wieder Visusbesserungen bei älteren Patienten beobachtet wurden. Durch elektronische Erfassung der Okklusionszeiten konnten wir erstmalig die abnehmende Effizienz der Okklusionstherapie zwischen 5 und 16 Jahren quantifizieren und damit Einblick in die nachlassende Plastizität des Sehsystems gewinnen. Alternative Therapiemethoden stellen heute lange etablierte Ansichten zu den Altersgrenzen in Frage.
Referent/in: Christina Beisse (Heidelberg)
Die Okklusionsbehandlung ist der Goldstandard der Amblyopietherapie. Computerstimulationsprogramme, welche im Hintergrund ein bestimmtes Stimulationsmuster (driftendes Sinusgitter) ablaufen lassen, sollen einen rascheren und effektiveren Visusanstieg hervorrufen als die alleinige Okklusionsbehandlung. Der sinnesphysiologische Hintergrund ist unklar, postuliert wird eine Grundsynchronisierung neuronaler Aktivität der amblyopen Sehbahn. Die bislang unzureichende Studienlage ist widersprüchlich und beschriebene Therapieerfolge können nicht von Compliance-Effekten abgegrenzt werden.
Referent/in: Michael Bach (Freiburg)
Seit wenigen Jahren gibt es ein neues Konzept zur Amblyopietherapie: Mit “virtual reality”-Verfahren werden den beiden Augen getrennte Bilder dargeboten. Diese beiden Bilder können identisch oder partiell sein (im letzten Fall führt erst Fusion zum vollen Bildeindruck), für das Führungsauge wird der Kontrast reduziert. Als Bildquelle werden Filme oder Computerspiele etc. verwendet. Mit dieser neuen, plausiblen und motivierenden Methode werden gute Erfolge berichtet. Ich werde die aktuellsten Ergebnisse auf dem diesjährigen “Vision Sciences Society”-Kongress verfolgen und hier weitergeben.