Symposien Samstag

Änderungen im Programmablauf vorbehalten.

 
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Raum Paris 08:00 - 09:30 03.10.2015
Symposium Sa07
Alte Menschen im Straßenverkehr – Symposium der DOG-Verkehrskommission
Vorsitzende/r: Bernhard Lachenmayr (München), Frank H. W. Tost (Greifswald)

Unsere Bevölkerung altert zunehmend, was dazu führt, dass immer mehr ältere Mitmenschen aktiv und passiv am Straßenverkehr teilnehmen. Die mit dem Alter sich einstellenden Veränderungen des Sehvermögens, der Reaktionsfähigkeit und auch der Mobilität stellen uns vor erhebliche Probleme der Sicherheit für den Einzelnen im Straßenverkehr und für die Allgemeinheit. Erschwerend kommt hinzu, dass mit dem Alter vermehrt Erkrankungen mit Einschränkung der kognitiven Fähigkeiten auftreten.
Referent/in: Bernhard Lachenmayr (München)
Mit zunehmenden Alter entwickeln sich in steigender Häufigkeit Störungen des Sehvermögens, zum einen durch die physiologische Alterung des Kraftfahrers, zum anderen durch die ansteigende Häufigkeit von krankhaften Augenveränderungen, die zu funktionellen Defiziten führen. Die wichtigsten Sehfunktionen sind Sehschärfe, Gesichtsfeld, Dämmerungssehvermögen und Blendempfindlichkeit, Farbensehen sowie Stereosehen. Einschränkungen der Tagessehschärfe können durch umsichtige Fahrweise und Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit in vielen Fällen kompensiert werden. Nicht kompensiert werden können Defekte im binokularen Gesichtsfeld ebensowenig wie gravierende Einschränkungen von Dämmerungssehvermögen und Blendempfindlichkeit. Gerade bei Störungen des nächtlichen Sehvermögens sollte in vielen Fällen auf die Teilnahme am Straßenverkehr verzichtet werden. Farbsinnstörungen sind kritisch im Bereich der gestörten Rotwahrnehmung (Protanopie und Protanomalie). Hier besteht keine Kompensationsmöglichkeit außer durch umsichtiges Fahren unter schlechten Sichtverhältnissen. Einschränkungen des beidäugigen Sehens, speziell des Stereosehens können durch eine hinreichende Fahrkarenz von wenigstens 3 Monaten kompensiert werden, bis sich das visuelle System an die akut eingetretene Einäugigkeit gewöhnt hat.
Referent/in: Georg Rudinger (Bonn)
Diskussionen über ältere Menschen im Straßenverkehr fokussieren auf die älteren Kraftfahrer und deren angeblich großes Gefahrenpotenzial für die allgemeine Verkehrssicherheit und sind nicht frei von diskriminierenden Tendenzen. Die meisten Älteren wissen jedoch um altersgebundene Einbußen und passen aufgrund langjähriger Fahrpraxis das Fahrverhalten durch Kompensationsstrategien an die persönlichen Voraussetzungen an. Ältere fahren nicht schlechter als Jüngere, sie fahren anders. So widerlegen auch die Statistiken, dass ältere Fahrer ein generelles Gefahrenpotenzial für die Verkehrssicherheit darstellen. Ein gesonderter Handlungsbedarf für restriktive Maßnahmen ausschließlich für alle älteren Kraftfahrer ist so nicht begründbar. Beratungs- und Trainings-Maßnahmen sollten dazu führen, daß altersbedingte Defizite selbst erkannt und akzeptiert(!) werden – Gefahren- und Risikopotentiale identifizieren! - und daß die eigenen Kompetenzen realistisch eingeschätzt werden - Sicherheitspotentiale aktivieren und stärken!
Referent/in: Wolfgang Schubert (Berlin)
Referent/in: Udo Hennighausen (Heide)
Im Vortrag sollen in erster Linie Fragen zur individuellen Information ("Aufklärung") von betroffenen Patienten mit visuellen Handicaps (Beeinträchtigungen, "Behinderungen") behandelt werden, insbesondere: Rechtliche Aspekte der Information durch die/ den behandelnde/ n Ärztin/ Arzt. Notwendigkeit einer für die Patientin/ den Patienten verständlichen Information. Strategien zum praktischen Vorgehen bei der "Überbringung schlechter Nachrichten". Juristische Fragen bei etwaiger "Dissonanz" zwischen Arzt und Patient bzgl. der Relevanz des bestehenden visuellen Handicaps.
Referent/in: Helmut Wilhelm (Tübingen)
Es ist sehr schwierig eine Visus- oder Gesichtsfeldgrenze zu bestimmen, ab der eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr mit einem nicht führerscheinpflichtigen Fahrzeug möglich ist. Es spricht einiges dafür, dass ab einer Sehschärfe von 0,2 und einem Gesichtsfeld-Radius von 30° die Teilnahme am Straßenverkehr als Radfahrer mit normalem Unfallrisiko vorstellbar ist. Hier müssen aber auch andere Funktionen wie Kontrastsehen und kognitive Fähigkeiten beachtet werden.
Referent/in: Matthias Graw (München)
Zur Klärung der Frage, ob im höheren Alter andere Verletzungsmuster vorliegen als bei jüngeren Personen, wurden alle durch Polytrauma bei Straßenverkehrsunfall am Unfallort Verstorbenen, die 2004 bis 2005 im Institut für Rechtsmedizin obduziert worden waren, hinsichtlich ihrer Verletzungen und Verletzungsschwere untersucht. Tendenziell sind Ältere (65+) weniger schwer verletzt (MAIS, ISS), bei ihnen sind weniger Körperregionen schwer verletzt; der Thorax ist die führende Verletzungsregion.