Symposien Donnerstag

Änderungen im Programmablauf vorbehalten.

 
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Raum Paris 09:45 - 11:15 01.10.2015
Symposium Do12
Kaum etwas verändert das Gesicht der Menschheit und der Augenheilkunde mehr als … Migration!
Vorsitzende/r: Martin Rohrbach (Tübingen), Martin Spitzer (Tübingen)

Migration ist auch für die Augenheilkunde von sehr großer Bedeutung. Sie reißt Lücken in die Versorgung, und sie schließt diese. Migration nähert Kulturen an und bringt neue Ideen, aber auch (Sprach-) Probleme. Vor diesem Hintergrund sollen verschiedene Aspekte der (augen-) ärztlichen Migration beleuchtet werden. Dabei werden sowohl „ophthalmologische Emigranten“ als auch „ophthalmologische Immigranten“ zu Wort kommen.
Referent/in: Martin Rohrbach (Tübingen)
Zu den treibenden Kräften in der Ophthalmologie gehören seit jeher nicht nur medizinische und technische, sondern ganz wesentlich auch gesellschaftliche Entwicklungen. Dabei spielt die von Transport- und Kommunikationswesen ganz wesentlich beförderte Migration eine entscheidende Rolle. Insbesondere in den letzten 2-3 Jahrzehnten sind "Ärzte-", "Schwestern-" und "Patientenströme" entstanden, die das Gesicht vor allem der Krankenhäuser und damit auch der Augenkliniken in Deutschland nachhaltig verändert haben. Immigration bedeutet aber auch Emigration und damit zunehmende Probleme in den Herkunftsländern.
Referent/in: Heinrich Heimann (Liverpool)
Referent/in: Torsten Schlote (Basel)
Deutschland zu verlassen war nicht der primäre Gedanke, ich habe eine hervorragende Ausbildung genossen und wäre gerne geblieben. Meine Suche nach einer langfristigen Perspektive für mich und meine Familie begann in Deutschland. Diese Suche erwies sich als schwieriger Lernprozess (wirtschaftliche Kenntnisse, Abrechnungs- und Vertragswesen). Dabei wurde mir im Kontakt mit operativen Grosspraxen / Kliniken bewusst, wie fremd mir die deutsche Augenheilkunde ausserhalb der Universität war. Schliesslich habe ich mich für ein Angebot an einer grossen Privatklinik in der Schweiz entschieden, ein Engagement ohne eigene finanzielle Verpflichtung. Auch wenn sich diese Stelle nur als Zwischenstation erwiesen hat, war es eine grundlegende Zäsur in der eigenen Entwicklung. Mein Fazit : Weggehen aus Deutschland muss niemand, es braucht aber: langfristige Überlegungen zur Karriere, kompetente und ehrliche Beratung, wirtschaftliche Ausbildung, Fairness unter älteren und jüngeren Kollegen.
Referent/in: Bogomil Voykov (Tübingen)
Die Entscheidung in einem anderen Land zu leben und arbeiten ist nicht einfach und wird von vielen Faktoren bestimmt. Eine nicht unwesentliche Rolle dabei spielen Schicksal und Zufälle.
Referent/in: Markus Schulze Schwering (Trier)
Ziel war es, durch passagere Emigration die lokale Ausbildung von malawischen Ärzten zum Facharzt für Augenheilkunde unter Wahrung des Subsidiaritätsprinzips zu fördern. Dies ist mit einer vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und der Else-Kröner-Fresenius Stiftung finanzierten Universitätspartnerschaft gelungen. Kurzzeit- und Langzeitdozenten leisteten ihren Beitrag. Die Aufnahme in Malawi ist herzlich, man soll jedoch Gast bleiben. Nach zehn Jahren Universitätspartnerschaft wäre ein malawischer Wille wünschenswert, die Facharztausbildung auf eigene personelle und finanzielle Füße stellen zu wollen.
Referent/in: Martin Rohrbach (Tübingen)
Zum Zeitpunkt von Adolf Hitlers "Machtergreifung" am 30. Januar 1933 lebten etwa 190 jüdische Augenärztinnen und Augenärzte auf dem Gebiet des Deutschen Reichs. 65% von ihnen emigrierten, 14% kamen in einem Gefängnis, Ghetto oder KZ ums Leben, 3% begingen Selbstmord. Nur 3 der emigrierten Fachkollegen kehrten nach dem 2. Weltkrieg nach Deutschland zurück. Die Auswirkungen von Verfolgung und Vertreibung auf die zivile Versorgung und die ophthalmologische Wissenschaft während der NS-Zeit dürften erheblich gewesen sein und bis heute nachwirken.