Postersitzungen, Samstag, 3.10.2015

 
Foyer Estrel 13:15 - 14:15 03.10.2015
Postersitzung PSa08
Refraktive Chirurgie Refractive Surgery
Vorsitzende/r: Michael C. Knorz (Mannheim), Martin Leitritz (Tübingen)

Referent/in: Bettina Thomas (Heidelberg)
Fragestellung: Analyse der präoperativen Arbeitsabläufe und des Patienten Komforts für Untersuchungen an einem digitalen Image Guidance System, welches für die intraoperative Premium-Intraokularlinsen Ausrichtung genutzt wird. Methodik: Prospektive, monozentrische, offene, Ethik-Kommission kontrollierte Studie an augengesunden Probanden mit dem Verion Image Guided System (Alcon). Alle Probanden wurden an einem Auge mit dem Verion sowie zum Vergleich mit Standard Laser Interferenzbiometrie und kornealer Topographie untersucht. Während der Untersuchung wurde die benötigte Zeit für die Untersuchungen gemessen und im Anschluss anhand eines Fragebogens der subjektive Patienten Komfort bezüglich Gesamteindruck der Untersuchung, Blendung, Lagerung des Kopfes und Untersuchungsdauer erfragt. Ergebnisse: Bisher wurden im Rahmen einer laufenden Studie die Daten von 65 Patienten, mittleres Alter 42 ± 17 Jahre, ausgewertet. Die Verion-Messung dauerte im Mittel 54,0 ± 28,9 Sekunden und die Untersuchung insgesamt wurde von den Probanden auf einer Skala von 0 bis 10 mit 0,97 ± 1,02 eingestuft (0 = nicht unangenehm, 10 = sehr unangenehm). Des Weiteren wurde die Blendung mit 2,41 ± 2,09, die Lagerung des Kopfes mit 0,56 ± 0,79 und die Dauer der Untersuchung mit 0,88 ± 1,32 bewertet. Die Arbeitsabläufe und der Patienten Komfort war mit den anderen Geräten vergleichbar. Schlussfolgerungen: Digitale Image Guidance Systeme können im Rahmen der Katarakt- oder refraktiven Linsenchirurgie die Premium-IOL Implantation erleichtern, da keine präoperative korneale Markierung erforderlich ist. Die präoperativen Messungen sind ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche und akkurate intraoperative IOL Ausrichtung. Die Arbeitsabläufe und der Patienten Komfort wurden beim Verion Image Guided System als sehr hoch eingestuft und waren mit anderen Standard Geräten zur präoperativen Diagnostik vergleichbar.
Referent/in: Maryna Shchadnykh (Kharkiv)
Introduction: after LASIK patients often experience temporary problems with accommodation. Objectives: to study the functional performance of accommodative apparatus in myopes at different periods after laser in situ keratomileusis compared with the preoperative data. Methods: The study was conducted on the basis of the Ophthalmic Branch of Kharkiv State Klinical Hospital and Department of Ophthalmology Kharkiv National Medical University. In research took part 62 patients in the age from 21 to 35 years old with weak and moderate myopia. Patients had a refractive, axial and mixed myopia. Those with manifest tropia, previous squint surgery, amblyopia, or absent or impaired binocularity were excluded. All patients were determined visual acuity at distance and near, refraction, accommodative reserves, amplitude of accommodation (AA), the accommodative convergence per unit of accommodation (AC/A) ratio at the pre - and postoperative period.Results: In the postoperative period there was a statistically significant increase in accommodative reserves, AA and reduction of AK/A index. The maximum shift in accommodative performance was in patients with refractive myopia, which are not used additional correction for near, less in patients with axial and mixed myopia, without reading glasses usage, minimal changes were observed in patients who used contact lenses. Within 1 year in 50 patients accommodative function was accordinally to theшк age. In 4 patients, the rates were less than 50% of middle-age data. Conclusions: The best conditions for postoperative accommodative function recovery have patients with refractive myopia who wear contact lenses, those refractive myops with glasses need more time for restoration and patients with axial and mixed myopia have the least favorable conditions.
Referent/in: Wolfgang Johann Mayer (München)
Hintergrund: Für die Korrektur der Ammetropie mittels refraktiver Lentikelextraktion (SMILE) kommt im Vergleich zur LASIK nur der Femtosekundenlaser zum Einsatz. Es wird dadurch eine geringere Wundreakiton des Stromabettes postuliert. Ziel dieser Studie ist der Vergleich der Ultrastruktur und der Wundreaktion nach SMILE Behandlung und nach LASIK im humanen in-vitro Modell. Methodik: In dieser experimentellen Studie wurden achtzehn humane Hornhäute mit einer maximalen Organkulturdauer von 21 Tagen eingeschlossen. In Gruppe 1 (10 Hornhäute) wurde ein SMILE Verfahren für zwei Refraktionskorrekturen (-5,0 dpt und -2,50 dpt) durchgeführt, Gruppe 2 (8 Hornhäute) erhielt eine LASIK Behandlung mit gleicher Refraktionskorrektur. Die Laserparameter wurden den jeweiligen operativen Standardbehandlungen entnommen und nicht modifiziert. Alle Hornhäute wurden postoperativ nach 48-72h chemisch fixiert und immunhistochemisch sowie mittels Transmissionselektronenmikroskopie nach strukturellen Veränderungen und nach zelluärer stromaler Reaktion unter Anwendung spezifischer Marker (Ki67, Fibronectin, TUNEL, HLA-DR, CD11b und TGF beta 1) analysiert. Ergebnis: Die ultrastrukturelle Analyse ergab in beiden Behandlungsstrategien eine gut erhaltene stromale Gewebearchitektur. Die SMILE Gruppe zeigte aufgrund der manuellen Lentikelextraktion ein teils ausgefranstes, zackiges Stromaprofil. Wir beobachteten keinen signifikanten Unterschied in einer postoperativen entzündlichen oder apoptotischen Reaktion nach SMILE und LASIK (p> 0,05), jedoch eine etwas stärkere Ablagerung extrazellulärer Matrix in der LASIK-Gruppe. Ferner korreliert in beiden Behandlungsgruppen die Wundheilungsreaktion mit dem Grad der Refraktionskorrektur. Schlussfolgerung: Die in-vitro-Untersuchung der menschlichen Hornhaut zeigt nach SMILE Behandlung mehr morphologische Veränderungen im stromalen Wundbett im Vergleich zur LASIK, jedoch eine geringere postoperative Zellreaktion.
Referent/in: Michael Alexander Petrak (Marburg)
Fragestellung: Knorz und Vossmerbäumer wiesen im Tiermodel für Flaps mit invertierten Side-Cuts eine signifikant größere Stabilität gegenüber einem Flap mit nicht invertiertem Side-Cut sowie einem mittels Mikrokeratom erzeugten Flap nach. Im Rahmen der vorliegenden Studie wurde das Auftreten sog. Mikrostriae nach fs-Lasik und die Abhängigkeit von verschiedenen prä-, peri- und postoperativen Parametern sowie insbesondere der Einfluss eines invertierten Side-Cut auf die Häufigkeit von Mikrostriae untersucht. Methodik: 86 Augen von 43 Patienten nach fs-Lasik, bei denen jeweils ein Auge mittels invertiertem Side-Cut behandelt wurde, sind mittels SD-OCT und Spaltlampenbiomikroskopie in Retroillumination nachuntersucht worden. Die Häufigkeit von Mikrostriae im OCT sowie in Retroillumination wurde mit prä-, peri- und posterativen Paramentern wie der Höhe des Hornhautabtrags, dem Sphärischen Equivalent der Korrektur, der Hornhautpachymetrie vor OP, der Reststromadicke, dem Patientenalter und Geschlecht sowie insbesondere der Konfiguration des Side-Cuts korreliert und mittels Regressionsanalyse untersucht. Ergebnis: Mittels SD-OCT erkennbare Mikrostriae fanden sich bei 43 der 86 untersuchten Augen (50%). Univariat bestand jeweils ein Zusammenhang zwischen der Anzahl der insgesamt in einer Hornhaut gemessenen Mikrostriae und dem sphärischem Äquivalent der korrigierten Refraktion (p < 0,001) sowie dem Hornhautabtrag mittels Excimerlaser (p < 0,001). Der Anteil der Fälle mit Microstriae im OCT betrug bei einem Sidecut-Winkel von 120° 48,8 % (21 von 43) und bei einem Sidecut-Winkel von 65° 51,2 % (22 von 43). In einem McNemar-Test mit Kontinuitätskorrektur ergibt sich ein p-Wert von 1. Schlussfolgerung: Im Rahmen dieser Studie konnte kein Einfluss eines invertierten Side-Cut auf das Auftreten postoperativer Mikrostriae nachgewiesen werden.
Referent/in: Moatasem El-Husseiny (Homburg/Saar)
Hintergrund und Ziele: Beurteilung der Visusergebnisse nach Implantation des KAMRA-Inlays (Acufocus, Inc., Irvine, CA) im Vergleich von phaken und pseudophaken Patienten. Patienten und Methoden: Zwanzig presbyope Patienten zwischen 47 und 63 (durchschnittliches Alter 54,0 ± 5,6 (MW ± STD)) Jahren wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Gruppe 1 (13 phake Patienten) und Gruppe 2 (7 pseudophake Patienten). Bei Gruppe 1 wurde simultan mit der Implantation eines KAMRA-Inlays in das nicht-dominante Auge von hyperopen und emmetropen Patienten eine LASIK durchgeführt. Bei Gruppe 2 erfolgte 6 Wochen nach Kataraktoperation oder refraktivem Linsenaustausch mit Implantation einer monofokalen Intraokularlinse (IOL) die Implantation eines KAMRA-Inlays in das nicht-dominante Auge. Der unkorrigierte monokulare Fern- (UDVA), Intermediär- (UIVA) und Nahvisus (UNVA) sowie das Ergebnis eines subjektiven Patientenfragebogens hinsichtlich der Zufriedenheit wurden vor und nach den operativen Eingriffen zwischen den zwei Gruppen verglichen. Ergebnisse: Alle zwanzig Patienten standen für die Untersuchung 6 Monte nach dem operativen Eingriff zur Verfügung. Bei beiden Gruppen wurde ein mittlerer UDVA von 20/20 erreicht; bei Gruppe 1 kam es zu einer Verbesserung um 3 Zeilen, bei Gruppe 2 um 6 Zeilen. Bei Gruppe 1 lag ein mittlerer UIVA von J2 mit einer Verbesserung um 8 Zeilen vor. Bei Gruppe 2 lag dieser bei J1 und es kam zu einer Verbesserung um 8 Zeilen. Bei Gruppe 1 lag ein mittlerer UNVA von J2 mit einer Verbesserung um 6 Zeilen vor. Bei Gruppe 2 lag dieser bei J1 und es kam zu einer Verbesserung um 7 Zeilen. Zwölf Patienten (92%) der Gruppe 1 und 7 Patienten (100%) der Gruppe 2 gaben an, mit dem KAMRA-Inlay zufrieden zu sein. Schlussfolgerung: In beiden Gruppen führte die Implantation des KAMRA-Inlays zu einer Verbesserung des unkorrigierten Nah-, Intermediär- und Fernvisus. Obwohl die Ergebnisse der beiden Gruppen vergleichbar waren, lag bei Gruppe 2 die höhere Patientenzufriedenheit vor. Das KAMRA-Inlay scheint eine wirksame und sichere Methode zur Korrektur von Presbyopie sowohl bei phaken als auch pseudophaken Patienten zu sein.
Referent/in: Alexander Schuster (Mainz)
Fragestellung: Das Ziel dieser Studie ist es, die postoperative Position der phaken Hinterkammerlinse Visian® ICL™ V4C mit centraFLOW™ (STAAR Surgical, Nidau, Schweiz) zu evaluieren und zu untersuchen, ob der Versatz des zentralen Lochs zur Zirkulation des Kammerwassers mit störenden visuellen Phänomenen zusammenhängt. Methodik: Diese Studie untersuchte retrospektiv eine konsekutive Fallserie von Patienten mit implantierten phaken Hinterkammerlinsen. Die Position der implantierten Linse wurde bestimmt durch die Messung der Zentrierung der zentralen Öffnung in Bezug auf Pupille und Limbus. Zu diesem Zweck wurden Vorderabschnittsbilder mittels ImageJ Software (NIH, Bethesda, MD) ausgewertet. Die Lage des Limbus und der Pupille wurde über die Messung ihrer elliptischen Position bestimmt, wohingegen die Position der zentralen Öffnung der phaken Hinterkammerlinse durch eine kreisförmige Messung bestimmt wurde. Alle Patienten wurden gebeten wahrgenommene Halos zu berichten und abzustufen. Statistische Analysen wurden mit SPSS 21 (Chicago, IL) durchgeführt. Ergebnisse: Wir schlossen 10 Augen von 5 Patienten in die Studie ein. Die mittlere präoperative myope Refraktion war -6,66±2,20 Dioptrien sphärisches Äquivalent, die postoperative Refraktion war -0,24±0,44 Dioptrien. Wir fanden einen statistisch signifikanten temporalen Versatz der zentralen Öffnung der phaken Hinterkammerlinse relativ zur Pupillenmitte (p< 0,05). Der mittlere temporale Versatz war 0,13±0,066mm und reichte von 0,05 bis 0,27 mm. Es gab keinen statistisch signifikanten Unterschied in der vertikalen Position zum Zentrum der Pupille, jedoch in Bezug auf den Limbus (p< 0.05) mit einem geringen Versatz nach inferior (0.09±0.04mm). Die ICLs waren horizontal zentriert in Bezug auf den Limbus. Es zeigte sich eine Korrelation zwischen subjektiv störender Wahrnehmung von Halos und dem temporalen Versatz der phaken Hinterkammerlinse zur Pupillenmitte. Schlussfolgerung: Wegen der geringen nasalen Dezentrierung der Pupille in Bezug auf den cornealen Apex weist bei perfekter Zentrierung des Implantats die zentrale Öffnung eine geringe Exzentrizität in Bezug auf die Pupille auf. Dies könnte ein Grund für die wahrgenommenen visuellen Phänomene nach ICL-Implantation sein. Es erscheint sinnvoll, diesen Zusammenhang näher zu untersuchen.
Referent/in: Harry Domack (Schweinfurt)
Hintergrund: Welche Ergebnisse zeigen sich nach beidseitiger Versorgung mit bifokaler und trifokaler rotationssymmetrischer IOL nach 2 Jahren, welche Unterschiede ergeben sich ? Methodik: in einer prospektiven Studie wurden 2 vergleichbare Gruppen von Patienten einerseits binokular mit der trifokalen IOL ZEISS LISA tri 839MP und anderseits mit der bifokalen ZEISS LISA 809 M versorgt. Fern-, Intermediär- und Nahvisus, Blendungs und Dämmerungssehen wurden nach 6 Wo sowie nach 6,12 und 24 Monaten bestimmt. Außerdem wurde eine Befragung über die subjektiv empfundenen Störungen und die Zufriedenheit durchgeführt. Ergebnisse: Die trifokale IOL zeigte eine statistisch signifikante erhöhte Zufriedenheit, einen besseren Intermediärvius und ein deutlich besseres Nacht- und Dämmerungsehen. Damit einher geht eine gute Computerbildschirmtauglichkeit. Schlußfolgerung: Nach unseren Ergebnissen ist bei der Versorgung mit multifokalen Intraokularlinsen die LISA tri gegenüber der bifokalen LISA zu bevorzugen.
Referent/in: Ekkehard Fabian (Rosenheim)
Fragestellung: Für den refraktiven Linsenaustausch (RLA)- und die Katarakt-Chirurgie kann eine weitgehende Brillenunabhängigkeit Zielvorgabe des Patientenwunsches sein. Die pseudophake Monovision und mehrfokale bzw. trifokale intraokulare Linsen werden in Bezug auf das refraktive Ergebnis und die Patientenzufriedenheit untersucht. Jeweilige Nachbeobachtungszeit mindestens 18, maximal 30 Monate. Methodik: in zwei nichtrandomisierten, retrospektiven Fallkontrollierten Studien wurden 52 Patienten (Monovision) und 30 Patienten (Trifokale IOL) nach Katarakt- bzw. Linsen-Chirurgie Untersucht. Monovisions-Gruppe mit Anisometropie von -1,00 bis -2,50, trifokale IOL Gruppe mit Zielrefraktion ± 0 dpt. Präoperative Zielrefraktion, postoperative Refraktion, sphärisches Äquivalent, Visus prä-und post-operativ, Brillentrageverhalten und Patientenzufriedenheit wurden ermittelt. Ergebnis: Monovision: Anisometropie von -1,64 (±0,68) dpt (Kataraktgruppe) bzw. -1,75 (±0,64) dpt (RLA) wurden beschwerdefrei akzeptiert. Hoher unkorrigierter Fernvisus (0,94 (±0,15) und unkorrigierter Nahvisus 0,94 (±0,17); 38,5 % tragen nie und 50 % sehr selten eine Brille, sehr hohe Patientenzufriedenheit mit 9,27 (±0,13) auf einer 1-10 Skala. 86,5 % würden die OP wieder durchführen lassen. Trifokale IOL: Zielrefraktion Ferne: 0,22 (±0,53) dpt, sphärische Äquivlaten 0,10 dpt; Visus unkorrigiert binokular: Ferne 1,06 (min 0,8,max 1,2); intermediär 0,79 (min 0,6, max 1,0); Nähe 1,09 (min 0,8, max 1,2), 58,8 % tragen nie 29,4 % tragen selten eine Brille, sehr hohe Patientenzufriedenheit mit 9,47 auf einer 1-10 Skala. 100 % würden die OP wieder durchführen lassen. Schlussfolgerung: Beide Methoden zeigen eine hohe postoperative Genauigkeit der Zielrefraktion und eine sehr hohe Patientenzufriedenheit. Die Brillenunabhängigkeit von 88,5 % (Monovision) und 88,2 % (trifokale IOL) ist vergleichbar, bei der trifokalen IOL wird seltener eine Lesebrille genutzt. Für beide Methoden gilt ein hoher Aufwand der Aufklärung und Individualisierung. Mit der Monovision besteht eine kostengünstige Methode zur Verfügung.
Referent/in: Ramin Khoramnia (Heidelberg)
Fragestellung: Die Luxation von phaken, irisfixierten Intraokularlinsen (IOL) ist eine seltene Komplikation. Wir berichten über die licht- und rasterelektronenmikroskopisch erhobenen Befunde bei spontan luxierten IOL vom Typ Artisan/Verisyse und Artiflex/Veriflex (Ophtec/AMO, Niederlande/USA). Methodik: In unserem Labor wurden IOL vom Typ Artisan/Verisyse und Artiflex/Veriflex, die aufgrund einer spontanen Luxation mit einhergehender Visusminderung entfernt wurden, licht- und rasterelektronenmikroskopisch untersucht. Ergebnis: Lichtmikroskopisch zeigte sich bei allen betroffenen IOL eine Deformation im Bereich der Haptiken. Rasterelektronenmikroskopisch ließen sich Mikrorisse im Material nachweisen. Diese Materialdefekte führten zu einer Lockerung der Irisklaue, so dass eine sichere Fixation im Irisgewebe nicht mehr gewährleistet war. Es ist zu vermuten, dass die Schäden im Material auf eine ungeeignete Implantationstechnik zurückzuführen sind. Schlussfolgerung: Die spontane Luxation von phaken, irisfixierten IOL ist eine seltene Komplikation. Bei luxierten IOL mit deformierten Haptiken stellt die Entfernung der IOL die einzig sinnvolle therapeutische Option dar. Bei einer erneuten Enklavation derselben IOL wäre aufgrund der unzureichenden Fixation mit einer weiteren Luxation zu rechnen. Zur Vermeidung einer spontanen Luxation von phaken, irisfixierten IOL ist die Anwendung der korrekten Implantationstechnik von entscheidender Bedeutung.
Referent/in: Urs Voßmerbäumer (Mainz)
Fragestellung: Retropupillare Implantation iris-fixierter Verisyse® IOL stellt eine Standardprozedur als primäre oder sekundäre Operation zur Korrektur der Aphakie dar. Typischerweise wird die Enklavation indirekt an der Spaltlampe evaluiert. Das Ziel unserer Studie ist es, zu evaluieren, ob Spektral-Domain Optische Kohärenztomographie (SD-OCT) ein geeignetes Diagnostikinstrument zur Analyse der Enklavationsqualität in der Iris darstellt. Methodik: 30 Augen von 30 konsekutiven Patienten wurden in die Studie eingeschlossen. Alle stellten sich mit Luxation oder Subluxation primärer pseudophaker kapselsackgestützter Intraokularlinsen (IOL) aufgrund von Zonulolyse vor. Die primäre IOL wurde explantiert und die resultierende Aphakie wurde mit retropupillarer Fixation einer irisgestützten IOL (Verisyse® aphakia VRSM54, AMO Inc.) korrigiert. Am 2 postoperativen Tag wurde die Verankerung des Implantats in der Iris in standardisiertem Untersuchungsprotokoll mit SD-OCT (Spectralis® OCT, Heidelberg Engineering) untersucht. Die Darstellbarkeit und Positionsanalyse wurde evaluiert. Ergebnis: In allen Fällen konnte eine retropupillare Fixation der Verisyse®-IOL erfolgen. Bei 52 Haptikpaaren war es möglich, die Haptiken durch die Iris hindurch fokussiert darzustellen. Pigmentierung der Iris und periphere Plazierung der Enklavation waren limitierende Faktoren für die Sichtbarmachung. Die PMMA Haptiken ließen sich longitudinal und transversal visualisieren und Versatz der Haptik-Branchen >50µm konnte in 50 Haptikpaaren demonstriert werden. Die Geometrie und die Tiefe der Enklavation ließen sich quantitativ analysieren. Die Enklavationsmuster unterschieden sich bei Augen mit primär intakter Iris und solchen mit präexistierenden Irisdefekten. Schlussfolgerung: Vorderabschnitts SD-OCT ist ein geeignetes diagnostisches Instrument zur Beurteilung der Enklavation der Haptiken auf der posterioren Seite der Iris und im Irisgewebe. Daraus lassen sich neuartige Aufschlüsse gewinnen über den intrastromalen Verlauf und den Greifpunkt der Branchen im Irispigmentepithel und –stroma. Insbesondere für Situationen mit Pseudophako- und Iridodonesis kann dies wertvoll sein, um sichere Enklavation zu verifizieren und eventuelle Risiken der Subluxation zu erkennen.