Postersitzungen, Samstag, 3.10.2015

 
Foyer Estrel 13:15 - 14:15 03.10.2015
Postersitzung PSa02
Kornea / Konjunktiva: Kasuistiken Cornea / Conjunctiva: Case Studies
Vorsitzende/r: Gerd Geerling (Düsseldorf), Manfred Zierhut (Tübingen)

Referent/in: Mustafa Cumhur Vardarli (Zwickau)
Hintergrund: Bei der Kontaktallergie handelt es sich um eine Immunreaktion vom Typ IVb, die als spezifische Antwort von Lymphozyten auf ein von außen wirkendes Antigen ausgelöst wird und zunächst mit Hautirritationen, selten jedoch auch lebensbedrohlichen Immunreaktionen vergesellschaftet sein kann. Der Fall: Eine 34-jährige Patientin stellte sich mit beidseits ausgeprägtem Lidödem und akuter Konjunktivitis in unserer Klinik vor. Anamnestisch gab die Patientin an, bei beginnender Augenrötung eigenständig Kamillenteeumschläge angewendet zu haben. Bei ausbleibender Besserung habe sie sich beim ambulanten augenärztlichen Notdienst vorgestellt, worauf hin Ofloxacin-Tropfen sowie Fenistil-Tabletten verordnet wurden. Trotz regelrechter Anwendung und Aussetzten der Kamillenteeumschläge kam es zu einer Exazerbation, so daß sich die Patientin an unsere Notfallambulanz wandte. Bei der Aufnahmeuntersuchung zeigte sich eine Visusreduktion rechts auf 0,5 und links auf 0,3 Außerdem bestanden beidseits ein kräftiger Blepharospasmus, ein massives Lidödem und eine ausgeprägte Epiphora. Die Bindehaut war hyperämisch, massiv chemotisch verändert. Intraokular zeigten sich reizfreie und altersentsprechend regelrechte Verhältnisse. Therapie und Verlauf: Der chronische Verlauf trotz Therapie und Absetzen der Umschläge ließen eine Immunreaktion auf Kamille unwahrscheinlich erscheinen. Eine genaue Anamnese ergab schließlich, dass sich die Patientin noch vor der Eigentherapie einer kosmetischen Behandlung mit Wimpernfärbung unterzogen hatte. Bei dringendem Verdacht auf eine kontaktallergische Reaktion durch das im Haarfärbemittel enthaltene p-Phenylendiamin (PPD) behandelten wir lokal mit antibiotischen, antiallergischen sowie antiinflammatorischen Augentropfen. Systemisch erhielt die Patientin Dimetinden, Diclofenac und Prednisolon in absteigender Dosierung. Im Verlauf der Therapie verbesserte sich der Befund zunehmend. PPD ist ein Ausgangs - und Zwischenprodukt bei der Herstellung von Farbstoffen und gehört zu häufigsten Industrienoxen mit allergisierender Potenz. Bei Friseuren wird eine Sensibilisierungsrate von 40-50% beobachtet. Schlussfolgerung: Bei allergischen Reaktionen am Auge können verschiedenste Antigene und unterschiedliche Immunmechanismen beteiligt sein. Folglich sollte möglichst auf eine genaue Anamnese geachtet werden, um eine kausale und nachhaltige Therapie zu ermöglichen.
Referent/in: Mark Saeger (Kiel)
Fragestellung: Paecilomyces lilacinus ist ein ubiquitär vorkommender saprophobischer filamentöser Pilz, der hauptsächlich im Boden, absterbenden Pflanzen, Nematoden und Haaren vorkommt. Infektionen des Menschen betreffen meist immunschwache Patienten, sind aber auch bei Immunkompetenten beschrieben worden. Am häufigsten manifestiert sich der Erreger in Form einer Keratitis. Methode: Fallvorstellung einer Keratitis mit anschließender Endophthalmitis, verursacht durch die Schimmelpilz-Spezies Paecilomyces lilacinus. Ergebnisse: Eine 27 jährige Patientin wurde mit Endophthalmitis nach Kontaktlinsen assoziierter Keratitis in unserer Klinik vorgestellt. Die Infektion erfolgte wahrscheinlich im Pferdestall. Mit Hilfe der kulturellen Mikrobiologie konnte Paecilomyces lilacinus nachgewiesen werden. Im Antimykogramm wurden mittlere Hemmkonzentrationen unter 1µg/ml für Caspofungin, Voriconazol, Posaconazol, Terbinafin und mit 32 µg/ml für Amphotericin B und Itroconazol festgestellt. Untersuchungen auf Bakterien, Akanthamöben und Viren waren negativ. Im Verlauf lokal eingesetzte Medikamente waren: Amphotericin B, Voriconazol, Miconazol, Natamycin, Ofloxacin, Tobramaxin, Polyspectran, Dexamethason, PHMB, Brolene. Systemisch wurden eingesetzt: Voriconazol, Caspofungin, Posaconazol, Valaciclovir, Imipenem, Cefotaxim. Operativ wurden 3x eine perforierende Keratoplastik á chaud, 12x eine Vorderkammer Spülung mit Voriconazol, davon 5x zusätzlich mit Amphotericin B, 1x eine Vorderkammer Spülung mit Amphotericin B, 1x eine subkonjunktivale Gabe von Dexagentamicin, 2x eine Hornhautfadennachlegung und eine Linsenabsaugung durchgeführt. Während der Behandlung zeigten sich wiederholt nahezu reizfreie Intervalle, die jedoch im Verlauf von Tagen bis Wochen in erneuten massiven Entzündungsreaktionen endeten. Trotz maximaler medikamentöser und operativer Therapie entwickelte sich eine Panophthalmie. Aufgrund der Gefahr einer hämatogenen Streuung wurde eine Enukleation durchgeführt. Schlussfolgerung: Paecilomyces lilacinus ist eine selten humanpathogene Schimmelpilz-Spezies, die aufgrund ihrer Resistenzen und schweren Verläufe eine besondere Bedrohung darstellen kann. Bei persistierender Entzündung sollte eine Kombination verschiedener antimykotischer Wirkstoffe eingesetzt und eine frühe operative Therapie begonnen werden. Die medikamentöse Therapie sollte bei ausgeprägten Infektionen auch nach deutlicher Befundbesserung 6 Monate fortgesetzt werden, um die Rezidivgefahr zu minimieren.
Referent/in: Luisa Thederan (Würzburg)
Hintergrund: Keratitis nach Laser-in-situ-Keratomileusis (LASIK) kann verschiedene Ursachen haben: akute mikrobielle Infektion, sterile Interface-Entzündung (diffuse lamelläre Keratitis, DLK), periphere entzündliche Infiltrate (Staphylokokken-assoziierte Randinfiltrate), oder die Reaktivierung einer viralen Infektion. Das Interface zwischen Flap und Stroma kann auch Jahre später typische Befunde maskieren und so die Differenzierung der Ursachen erschweren. Fall: Eine 41-jährige Patientin, Z.n. komplikationsloser myoper LASIK vor 9 Jahren, wurde überwiesen wegen einseitiger Visuminderung und Blendempfindung. Bisher war keine Keratitis vorausgegangen. Limbusnah am temporalen Flaprand zeigte sich eine Erosio mit umgebendem Infiltrat und stromalem Begleitödem (ohne Endotheliitis, ohne DLK). Im Konjunktivalabstrich wurden koagulase-negative Staphylokokken nachgewiesen, es war mit Moxifloxacin Augentropfen anbehandelt worden. Nach initialer Besserung persistierten Erosio und Infiltrate, die Therapie wurde um lokale Steroide und hyaluronsäurehaltige Tränenersatzmittel erweitert. Bei ausbleibendem Epithelschluss erfolgte eine Amnionmembran-Deckung sowie eine erweiterte Diagnostik nach intraoperativem Scraping. Hier konnte Varizella-Zoster-Virus (VZV)-DNA nachgewiesen werden. Unter Einleitung einer systemischen und lokalen Ganciclovirtherapie sowie Dexamethason lokal kam es zu einem vollständigen Rückgang der Beschweren und einer kompletten Visusrehabilitation. Schlussfolgerung: Fehldiagnosen bei Keratitis nach LASIK verzögern die Therapie. Eine bakterielle Infektion kann unbehandelt zur Flap-Einschmelzung führen und erfordert eine sofortige Therapie. Bei ausbleibendem Therapieerfolg muss an seltene Ursachen gedacht werden: Eine VZV-Keratitis als Erstinfektion ist nach LASIK bisher nicht beschrieben worden. Sie kann ohne die typischen Zoster-Effloreszenzen auftreten und eine bakterielle Keratitis vortäuschen.
Referent/in: Christian Girbardt (Leipzig)
Hintergrund: Akanthamöben gehören zu den häufigsten Verursachern einer mikrobiellen Keratitis bei Trägern orthokeratologischer Kontaktlinsen. Der Therapiebeginn ist oft durch eine verspätete Diagnosestellung verzögert. Methodik: Falldarstellung einer 45jährige Patientin, die bereits langjährige Trägerin orthokeratologischer Kontaktlinsen war und nach einem kürzlich erfolgten Wechsel des Linsentyps eine einseitige Keratitis entwickelte. Ergebnis: Bei der Erstvorstellung in unserer Klinik bestand bereits ein klassisches Ringinfiltrat, so dass unter hochgradigem klinischen Verdacht auf das Vorliegen einer Akanthamöben-Keratitis sofort mit der spezifischen Therapie begonnen werden konnte. Der Verdacht bestätigte sich im Verlauf durch die positive Akanthamöben-PCR. Unter Brolene, PHMB und Gentamicin kam es zur Regredienz des Infiltrats und deutlichen Visusbesserung. Schlussfolgerung: Im vorliegenden Fall trat die Infektion nach zunächst jahrelangem problemlosen Tragen bei einem Wechsel des Kontaktlinsentyps auf. Eine Aufklärung über die notwendigen Hygienemaßnahmen ist daher nicht nur zu Beginn einer Orthokeratologie-Therapie wichtig, sondern sollte im Verlauf regelmäßig wiederholt werden. Entscheidend für eine gute Heilungsaussicht ist eine frühzeitige Therapie, die bei hinreichendem klinischen Verdacht bereits vor dem Vorliegen eines mikrobiellen Nachweises begonnen werden sollte.
Referent/in: Juliana Barbara Wons (Mellrichstadt)
Hintergrund: Follikuläre Konjunktivitiden können auch bei immungesunden Patienten durch eine Infektion mit Chlamydophila felis (Cp. felis) bedingt sein. Fallbericht: Eine 29jährige Patientin stellte sich mit einer seit sechs Wochen bestehenden Rötung am linken Auge vor. Das Auge sei am Morgen verklebt. Eine Sehminderung bestünde nicht. Auf Nachfragen nach Haustierhaltung erwähnte die Patientin, dass sie eine Katze habe. Ergebnisse: Der bestkorrigierte Visus (BCVA) an beiden Augen betrug 1,0. Klinisch zeigte sich am linken mehr als am rechten Auge eine ausgeprägte follikuläre Konjunktivitis im Bereich der Conjunctiva tarsi des Ober- und Unterlides mit mäßiger Injektion und wässriger Sekretion. Es zeigte sich kein Hinweis auf eine vernarbende Komponente. Ein Bindehautausstrich ergab einen negativen PCR-Befund für Chlamydia trachomatis, jedoch einen positiven Befund für Chlamydia species, als Screening für weitere Chlamydienarten. Aufgrund der positiven Tieranamnese erfolgte eine gezielte Sequenzanalyse welche einen positiven Befund für Cp.felis aufwies, eine Chlamydienart welche bei Katzen eine Rhinokonjunktivitis hervorruft. Der Erreger lässt sich in bis zu 30% der Fälle bei Katzen mit chronischer Konjunktivitis nachweisen. Der Tierarzt, führte einen Bindehaut- und Rachenabstrich bei der Katze durch, welcher ebenfalls einen positiven Befund auf Cp.felis zeigte. Demnach scheint die Katze der Patientin die Infektionsquelle darzustellen und durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion eine Übertragung möglich. Eine lokale Therapie mit Azithromycin und Dexamethason Augentropfen und eine systemische Therapie mit Doxycyclin (100mg 2xtgl. für 14 Tage) zeigte eine Befundbesserung. Nach Absetzen der Therapie kam es erneut zu einem konjunktivalen Reizzustand mit Follikeln. Die Augen waren am Morgen wiederholt verklebt. Es erfolgte ein erneuter systemischer Therapiezyklus mit Doxycyclin (100mg 2x tgl. für 14 Tage), wodurch es zu einem vollständigen Rückgang der follikulären Konjunktivitis mit Beschwerdefreiheit auch im Verlauf kam. Schlussfolgerung: Chlamydien rufen neben humanen Infektionen auch bei einer Vielzahl an Tierarten Erkrankungen hervor. Sie werden seit den 90er Jahren in die Gattungen Chlamydia und Chlamydophila unterteilt. Bei Patienten mit einer chronischen follikulären Konjunktivitis sollte an eine mögliche Infektionsquelle durch ein Heimtier gedacht werden. Ein vorsichtiger Umgang mit infizierten Tieren ist anzuraten.
Referent/in: Alexander Schilimow (Hannover)
Eine neurotrophe Keratopathie ist degenerative Erkrankung mit Verlust der Hornhautinnervation, die zur spontanen epithelialen Aufbrüchen und Wundheilungsstörung führt. Die Therapie ist Stadien abhängig und beinhaltet Tränenersatzmitteltherapie, Hornhautstichelung, Abrasio der Hornhaut, Ansatz der therapeutischen Kontaktlinsen, Amnionmembrandeckung und Tarsorrhaphie. Die neue Therapie mit NGF (nerve growth factor) scheint in klinischen Studien erfolgsversprechend zu sein. Eine medikamentöse Oberlidptosis mit Botulinumtoxin kann eine alternative Therapie zur Tarsorrhaphie darstellen. Wir möchten eine Patientin vorstellen, die infolge einer peripheren Neuropathie unbekannter Genese an einer neurotrophen Keratopathie litt und innerhalb von vier Monaten in unserer Behandlung befand. Innerhalb dieser Zeit erfolgten mehrfache Abrasiones des Hornhautepithels mit Ansatz der therapeutischen Kontaktlinse, Hornhautstichelung und Transplantation der Amnionmembran unter einer intensiven hornhautpflegenden Therapie mit Tränenersatzmitteln. Diese therapeutischen Ansätze brachten leider nur einen kurzfristigen Erfolg, so dass nach der kurzen Zeit immer wieder zum Rezidiv eines Epitheldefektes kam. Die Therapie mit NGF im Rahmen einer Studie lehnte die Patientin ab. Wir entschieden uns aufgrund der besseren Kontrollmöglichkeit sowie der Möglichkeit der Fortführung ergänzender Therapie mit Tränenersatzmittel im nächsten Schritt für eine Botulinumtoxininjektion zwecks protektiver Oberlidptosis. Innerhalb von nächsten zwei Monaten kam es zum langsamen Epithelverschluss, der sich auch in einer monatlichen Nachkontrolle stabil erwies. Schlussfolgernd ließ sich in diesem Fall einer schweren, rezidivierenden Epithelstörung infolge neurotropher Keratopathie protektive Oberlidptosis als eine effektive therapeutische Maßnahme beweisen. Somit kann Injektion des Botulinumtoxins, falls keine Notfallindikation der perforierenden Keratoplastik besteht, auch trotz multipler vorangegangenen Therapien unterschiedlichster Art versucht werden um eine stabile Hornhautsituation zu erreichen. Aber auch eine frühe Anwendung ist zu diskutieren. Zu den weiteren Vorteilen dieser Behandlungsmethode im Vergleich zur Tarsorrhaphie gehören minimale Invasität und Möglichkeit der Kontrollen an der Spaltlampe sowie das Fortsetzen der topischen Therapie.
Referent/in: Arne Viestenz (Homburg)
Hintergrund: Die Epithelinvasion nach Intraokularchirurgie ist eine schwerwiegende Komplikation, die unerkannt oder falsch behandelt zur Erblindung führen kann. Wir berichten über den seltenen Fall einer durch Hornhautdekompensation maskierten zystischen Epithelinvasion. Patient und Methode: Eine 78-jährige Patientin stellte sich mit Schmerzen und Sehverschlechterung am linken Auge vor. 34 Jahre zuvor war R/L die Katarakt-Operation mit Implantation einer Vorderkammerlinse durchgeführt worden. Am LA bestand eine periphere Iridektomie bei 12 Uhr sowie eine Irisstroma-Atrophie in der oberen Hemisphäre. Durch die Hornhautdekompensation (zentrale Hornhautdicke > 1 mm) war eine Vorderkammerlinse nur schemenhaft erkennbar, echographisch lag die Netzhaut an. Der Visus betrug HBW.Aufgrund einer Hornhaut-Endothel-Epitheldekompensation erfolgte links eine perforierende Keratoplastik (PKP). Intraoperativ zeigte sich retroiridal eine große zystische Veränderung von 11:30 bis 3 Uhr. Diese gute abgegrenzte Epithelimplantationszyste wurde nicht punktiert oder exzidiert. Die Struktur verlegte den Kammerwinkel von 11:30 bis 3 Uhr. Es erfolgte die Explantation der Vorderkammerlinse mit Hornhaut-Transplantation mittels Einzelknüpfnähten (7,0 mm Durchmesser). Ergebnisse: Nach einem Jahr wurden alle Hornhautfäden entfernt. Der Visus stieg am LA auf Lesetafel an, die Epithelimplantationszyste blieb unverändert. Eine Zystenexzision in toto wurde von der Patientin abgelehnt. Schlussfolgerungen: Seltene Ursache einer Hornhautdekompensation kann nach Trauma oder kompliziertem intraokularen Eingriff eine Epithelinvasion in die Vorderkammer sein. Die Therapie der Wahl ist die Blockexzision mit tektonischer Korneoskleralplastik nach Naumann, da die Epithelimplantationszyste Kammerwinkel, Iris und Trabekelmaschenwerk überwuchert. Um bei reduziertem Einblick die Operation exakt planen zu können, ist die präoperative Ultraschallbiomikroskopie empfehlenswert. Bei Größenzunahme des Befundes ist die Exzision der Zyste in toto anzustreben. Eine Zysteneröffnung sollte vermieden werden, um einer diffusen Epithelaussaat vorzubeugen.
Referent/in: Miltiadis Fiorentzis (Homburg/Saar)
Fragestellung: Die Epithelimplantation ist eine seltene postoperative oder posttraumatische Komplikation, welche auch noch nach mehreren Jahren auftreten kann. Im vorliegenden Fall weist die latente diffuse Ausdehnung einer Epithelimplantationszyste nach inkompletter Entfernung auf die Etablierung der Blockexzision als Therapie der Wahl zur Vermeidung weiterer Komplikationen hin. Methodik: Ein 41-jähriger Mann wurde aufgrund einer traumatischen vaskularisierten Hornhautnarbe mit der Frage der Keratoplastik am linken Auge vorgestellt. Der Visus des Patienten betrug Handbewegung am linken Auge. Der Patient litt an einer perforierenden Hornhautverletzung vor 22 Jahren. Bei Hornhaut-Endothel-Epithel-Dekompensation (HEED) war der Einblick in die Vorderkammer nicht möglich. Während der perforierenden Keratoplastik wurde die Verdachtsdiagnose auf eine Epithelimplantationszyste gestellt, die inkomplett exzidiert wurde. Ergebnisse: Postoperativ kam es zu einem Visusanstieg bis auf 0,1 am linken Auge, der allmählich nach 6 Monaten sank. Weiterhin resultierte aus der Eröffnung der Epithelimplantationszyste ein sekundäres therapieresistentes partielles Winkelblockglaukom. Schlussfolgerungen: Die exakte Pathogenese der Epithelinvasion der Vorderkammer sowie das latente Auftreten Jahre nach dem traumatischen Ereignis sind weiterhin nicht endgültig geklärt. Verschiedene operative Methoden zur Behandlung der Epithelinvasion sind bereits beschrieben worden. Jedoch ist die Eröffnung der Zyste aufgrund der drohenden Umwandlung in eine diffuse Epithelinvasion und der sekundären Komplikationen bis zum Verlust des Auges kontraindiziert. Stattdessen sollte bei zystischer Epithelinvasion mit nachgewiesenem Größenwachstum und einer Ausdehnung im Kammerwinkel von weniger als 5 Stunden eine kurative Blockexzision in toto mit nachfolgender tektonischer Korneoskleralplastik erfolgen. Bei positiver Traumaanamnese und eingeschränkten Untersuchungsbedingungen soll eine Ultraschallbiomikroskopie zur frühzeitigen Erkennung einer Epithelimplantationszyste und dezidierter Operationsplannung erfolgen.
Referent/in: Fan Wang (Changchun)
Purpose: To evaluate the clinical outcome of drug therapeutic approach of defessrioxamine in blood staining cornea with a case report. Methods: A 45-year-old male was referred to our hospital for unilateral ocular complaints. The presenting symptoms was asymptomatically progressive brown cornea, following decreased vision in his right eye for six months duration. The patient’s family, medical history were noncontributory, but cataract surgery was performed in his childhood. On ocular examination, the UCVA was no light perception in the right eye, IOP was over 40 mmHg. The clinical signs include fine yellow granules in the posterior corneal stroma, yellow discoloration of the stroma. The rest intraocular structure could not be checked. Posterior segment showed vitreous hemorrhage detected with B-Scan ocular ultrasound. Diagnosed as corneal blood staining. The patient refused to accept penetrating keratoplasty and cosmetic contact lens therapy. Desferrioxamine was diluted to 10% solution, subconjunctival injection of 50mg was given every other day for 2 weeks, and prescribed desferrioxamine as eyedrops three times a day. Thereafter subconjunctival injection of 100mg every other 3 more weeks. Results: The apperance of eye was significantly improved, clearance of the blood staining began peripherally and progressed centrally. IOP elevation was also released. The patient was followed up to 6 months, IOP remained normal range, the rest part of eye had no any further progressive sign. Conclusions: Management in patient with remote blood staining of cornea can be difficult. It is reported that there is no significant difference in efficacy between surgical and medical removal. The combination of the eyedrops and subconjunctival injection method supposed to be useful for promoting the clearance of corneal blood staining. Alternative therapy is a beneficial choice for many cases that require penetrating keratoplasty. Further observation are required to determine the most-appropriate management. Financial Disclosure: The authors indicate no financial support or financial conflict of interest involved in design and conduct of study.
Referent/in: Samir Midlig (Ahaus)
Hintergrund: Ein Patient, welcher am rechten Auge (RA) auf Grund einer herpetischen kornealen Narbe einen deutlichen Astigmatismus und eine signifikante Visusminderung zeigte, stellte sich zur Mitbeurteilung vor. Methoden: Fallbericht. 72-jähriger Patient. Es erfolgten folgende Untersuchungen: Objektive Refraktion mit Topcon Autorefraktometer, Subjektive Refraktion und Messung des bestkorrigierten Visus mit Snellen-Optotypen, Intraokulardruckmessung (IOD) per Goldmann-Applanations-Tonometrie oder Non-Contact-Tonometrie, Spaltlampenbiomikroskopie, Spaltlampenfotographie, Pentacam-Tomographie. Nachbeobachtung 5 Monate. Ergebnisse: Augenanamnestisch besteht ein beidseitiges Glaukom mit Z.n. selektiver Lasertrabekuloplastik am RA 2009. Der Patient stellte sich im September 2014 mit einer Visusverschlechterung am RA auf Visus 0,4 vor. IOD beidseits normoton. Am RA zeigte sich eine herpetische Narbe mit neovaskulären Gefäßen im temporal-oberen Hornhaut-Quadranten. Das linke Auge (LA) war im Vorderabschnitt unauffällig. Die objektive Refraktion ergab Werte von +3,5 Dioptrien (dpt) sph. -6,5 dpt cyl. / 8°. Es erfolgte eine Spaltlampenfotographie und eine Pentacam. Der korneale Astigmatismus wurde in der Pentacam mit 3,6 dpt auf 0,4° angegeben. Die Krümmung an der Vorderfläche zeigte einen irregulären Astigmatismus im temporalen Randbereich, während zentral ein regulär wirkender Astigmatismus vorlag. Der Patient erhielt im November 2014 eine einmalige Gabe von 0,05 ml Bevacizumab (1,25mg) als intrakamerale Injektion. 6 Wochen später zeigte sich eine Verkleinerung der kornealen Narbe und eine Abnahme der Durchblutung der neovaskulären Gefäße. In der Pentacam verringerte sich der Astigmatismus auf 2,50 dpt. In der Darstellung der Krümmung der Vorderfläche zeigte sich nun ein parazentral irregulärer Astigmatismus. Die objektive wie subjektive Refraktion dagegen zeigten eine Regression des Astigmatismus auf -0,50 dpt bei 16°. Der Visus stieg am RA auf 0,8. Schlussfolgerungen: Dieser Fallbericht zeigt die signifikante Regression eines Astigmatismus bedingt durch eine herpetische korneale Narbe nach intrakameraler Bevacizumab-Injektion. Der vor der Injektion in der Pentacam als zentraler und regulär wirkend gesehene Astigmatismus zeigte sich doch erheblich von der kornealen Narbe beeinflusst, wie die Veränderung der Krümmungsdarstellung und die Regression des subjektiv angenommenen Astigmatismus zeigt.
Referent/in: Vera Wulff (Kiel)
Definition: Die Stammzellinsuffizienz des Limbus geht einher mit einem Ersatz des Hornhautepithels durch Einwachsen des Bindehautepithels sowie einem Zusammenbruch der Integrität der Hornhautoberfläche. Dies ist mit Gefäßneubildungen, chronischer Entzündung und Transparenzverlust der Hornhaut verbunden. Pathogenetisch liegen sowohl angeborene als auch – häufiger – erworbene Veränderungen zugrunde. Material und Methoden: Kasuistik mit Fotodokumentation und Verlaufskontrollen Vorgeschichte: Eine 14-jährige Patientin stellt sich mit seit drei Jahren bestehenden Sehproblemen beidseits vor. Ein Jahr zuvor war die Patientin unter dem Verdacht einer limbusbetonten Konjunktivitis vernalis mit Ketotifenfumarat und Dexamethason lokal behandelt worden. Trotz anfänglicher Besserung kam es nach 6 Monaten zu einer Vaskularisation der Hornhaut. Ursächlich wurde daraufhin eine Blepharokonjunktivitis vermutet und die Therapie um Lidkantenpflege und Ciclosporin A Augentropfen erweitert. Zusätzliches Flurbiprofen lokal und Doxyzyklin systemisch brachten nur vorübergehende Besserung. Vorerkrankungen wie eine Atopie oder rheumatische Grunderkrankung liegen nicht vor. Befunde: Der Visus beträgt rechts 1,2 und links 0,6. Es zeigen sich eine Bindehautinjektion und Hornhaut-vaskularisation links mehr als rechts sowie noduläre weißliche limbusnahe Hornhautinfiltrate. Die übrigen vorderen Augenabschnitte und der Fundusbefund sind unauffällig. Lokal wird mit Ciclosporin A und Dexamethason behandelt. Therapie und Verlauf: Unter dem Verdacht auf eine staphylokokkenassoziierte Randkeratitis erfolgt eine zusätzliche Lokaltherapie mit Tobramaxin und Ofloxacin. Der Visus steigt links auf 0,9 an und die Hornhautinfiltrate gehen zurück. Im Verlauf der folgenden Wochen schwanken sowohl Visus als auch Lokalbefund. Bei Verdacht auf Limbusinsuffizenz wird die Therapie um Bevacizumab Augentropfen erweitert. Hierunter sind die Hornhautvaskularisation sowie die Oberflächenunregelmäßigkeiten rückläufig. Diskussion: Der vorliegende Fall stellt einen hartnäckigen Verlauf einer Limbusinsuffizienz bei einer jungen Patientin dar und veranschaulicht die differentialdiagnostischen Herausforderungen dieses Krankheitsbildes.
Referent/in: Monika Sarnat-Kucharczyk (Katowice)
Purpose: To present diagnostic and therapeutic challenges that physician encounter in patient with bilateral corneal Fuchs dystrophy, keratoconus and glaucoma following unilateral keratoplasty. Methods: 10 years ago patient underwent cataract surgery with implantation of an intraocular lens (IOL) in the left eye (LE). The patient came to ophthalmology outpatient with LE corneal edema. The following tests were performed: pachymetric map, corneal confocal microscopy. Penetrating keratoplasty was done in the LE. Because of the visual field defects, elevated intraocular pressure (IOP) despite medical therapy, diode laser was performed. IOP stabilized. Nevertheless, the subject experienced the development of glaucomatous optic neuropathy. Results: Slit lamp examination showed in the right eye (RE) the presence of tension lines in corneal stroma, ´beaten-metal´ pattern of cornea guttata and cataract. In the LE numerous epithelial bullae were visible despite relatively small edema (minimal thickness - 577 μm) and posterior chamber IOL. Confocal microscopy of the RE revealed stromal folds, tensions lines and numerous endothelial guttae. Because of the corneal stroma clouding interpretation of the LE was difficult. Conclusions: Corneal thinning in keratoconus and associated thickening of the corneal stroma in Fuchs dystrophy can normalize pachymetry results. For this reason, the seriousness of these diseases can be neglected, and cause an unexpected vision loss after surgery. Routine tests before surgery, such as corneal topographic map and confocal or specular microscopy can prevent post operative complications. In addition to these diseases, disorders of the corneal thickness, its biomechanics cause false IOP measurement so elevated IOP may cause glaucoma progression.