Postersitzungen, Freitag, 2.10.2015

 
Foyer Estrel 13:15 - 14:15 02.10.2015
Postersitzung PFr10
Kunstlinse Artificial Lens
Vorsitzende/r: Jens Bühren (Frankfurt am Main), Burkhard Dick (Bochum)

Referent/in: Tamer Tandogan (Heidelberg)
Fragestellung: Optische Bank Analyse und Vergleich eingetrübter, explantierter versus neuer, klarer Oculentis Lentis-LS-502-1 Intraokularlinsen (IOL). Methodik: Optische Bank Analysen wurden in einer Labor-Studie mit dem OptiSpheric IOL Pro (Trioptics, Deutschland) durchgeführt. Dabei wurde die Modulation Transfer Funktion (MTF) von eingetrübten, explantierten Oculentis Lentis-LS-502-1 IOL (einstückiges Design, hydrophiles Acrylat mit Blaulichtfilter) mit der von neuen, klaren Pendants verglichen. Außerdem wurden die Werte für die MTF area (MTFA) berechnet. Ferner wurden die Kurven des Through Focus Scans (TFS) und der Line Spread Function (LSF) dokumentiert. Mithilfe der USAF (United States Air Force) target Analyse wurden die durch getrübte und klare IOL erzeugten Bilder dokumentiert und qualitativ verglichen. Ergebnis: Die klaren IOL zeigten insgesamt bessere MTF- und MTFA-Werte bei 50 lp/mm und 100 lp/mm als die eingetrübten, explantierten IOL. Das USAF-Bild war bei den klaren IOL qualitativ geringfügig besser. Schlussfolgerung: MTF- und MTFA-Werte waren bei den klaren IOL in allen Bereichen besser. Niedrigere MTF-Werte korrelierten mit der reduzierten Sehschärfe des Patienten nach der Eintrübung der IOL. Die Qualität des USAF-Bildes war bei den klaren IOL jedoch nur geringfügig besser als bei den eingetrübten.
Referent/in: Mona Bischoff (Homburg/Saar)
Hintergrund: Die Eintrübung oder Kalzifikation von Intraokularlinsen (IOL) wird in seltenen Fällen beschrieben, einige Modelle scheinen hierfür besonders prädisponiert zu sein. Fälle von Intraokularlinsen, welche sich nach Luft-Kontakt bei lamellärer Hornhauttransplantation trübten, wurden bislang kaum beschrieben. Patient und Operation: Eine 74-Jährige Frau stellte sich mit Fuchs´scher Hornhautendotheldystrophie und Cataracta provecta beidseits vor. Am linken Auge wurde eine New-Triple-Procedure, bestehend aus Katarakt-Extraktion, IOL-Implantation und hinterer lamellärer Hornhauttransplantation (DSAEK) durchgeführt. Die verwendete IOL war eine Rayner Superflex 620H aus hydrophilem Acrylat. Bei Transplantatdehiszenz erfolgte die mehrmalige Lufteingabe in die Vorderkammer. 12 Wochen nach der Operation zeigte sich eine Kalzifikation der IOL-Vorderfläche, genau im zentralen Bereich der Kapsulorhexis. Der bestkorrigierte Visus betrug 0,25. 10 Monate nach der New-Triple-Procedure wurde aufgrund der zunehmenden IOL-Eintrübung eine IOL-Explantation durchgeführt. Ergebnisse: In der explantierten IOL zeigten sich Kalzifikationen der Vorderfläche, die Rückfläche war klar. Mit der nun in den Sulcus ciliaris implantierten IOL (ZA9003 von AMO, hydrophobes Acrylat) erreichte die Patientin einen Visusanstieg auf 0,4 zwei Wochen nach IOL-Austausch. Schlussfolgerungen: Die Kalzifikation der hydrophilen IOL, die eine Hydratisierung zur Aufrechterhaltung ihrer Materialeigenschaften erfordert, scheint der Luftexposition im Rahmen der Re-Bubblings geschuldet. Daher sollte im Rahmen einer kombinierten Katarakt-Operation mit lamellärer posteriorer Hornhauttransplantation oder bei Patienten mit Hornhautendothelzellschaden, bei denen ggf. im Verlauf eine solche zu erwarten ist, besser eine Linse aus hydrophobem Acrylat oder Silikon gewählt werden.
Referent/in: Carolin Milojcic (Bonn)
Fragestellung: Die Kalzifikation hydrophiler Intraokularlinsen (IOL) stellt eine seltene Komplikation dar. Wir berichten über die licht- und rasterelektronenmikroskopisch erhobenen Befunde sowie die Röntgenspektroskopie und Untersuchungen an der optischen Bank bei einer IOL, die aufgrund einer Eintrübung zwei Jahre nach DMEK explantiert wurde. Methodik: Bei einer 76jährigen pseudophaken Patientin wurde bei Fuchs’scher Endotheldystrophie im Okt. 2012 eine DMEK mit zweimaligem Rebubbling im Rahmen der Nachsorge durchgeführt. Bei ausbleibendem Visusanstieg erhielt die Patientin im Jan. 2013 eine perforierende Keratoplastik Der postoperative Visus betrug 0,7 logMAR, fiel jedoch aufgrund einer zunehmenden Eintrübung der IOL progredient bis auf HBW ab, so dass im Nov. 2014 ein IOL-Wechsel stattfand. Die explantierte IOL wurde zunächst nativ mit einem Olympus BX50 Lichtmikroskop untersucht. Zusätzlich wurde die Abbildungsqualität mittels einer Untersuchung an der optischen Bank bestimmt. Anschließend wurde die explantierte IOL halbiert. Eine Hälfte wurde mit Alizarinrot und von Kossa gefärbt und lichtmikroskopisch untersucht, die andere Hälfte wurde im Rasterelektronenmikroskop analysiert. Die Zusammensetzung der Einlagerungen wurde mittels Röntgenspektroskopie untersucht. Ergebnisse: Makroskopisch konzentrieren sich die Eintrübungen der IOL nur auf den zentralen Bereich der Optik. In diesem Bereich hatte ein Kontakt zwischen Gasblase und IOL bestanden. Licht- und rasterelektronenmikroskopisch konnten bei der IOL unterhalb der Vorderfläche zahlreiche feine, granuläre, kristallähnliche Ablagerungen, die in einer zu der Oberfläche parallelen Linien angeordnet waren, nachgewiesen werden. Mittels energiedispersiver Röntgenspektroskopie konnte gezeigt werden, dass es sich bei dem eingelagerten Material um Calciumphosphat handelte. An der Rückfläche ließen sich keine Einlagerungen nachweisen. Schlussfolgerungen: Die Ursache für die Kalzifikation der hydrophilen IOL ist noch nicht eindeutig geklärt. Die Injektion von Gas/Luft in die Vorderkammer während einer DMEK scheint jedoch durch Veränderung der Linsenoberfläche, oder durch Veränderungen im Bereich der Blut-Kammerwasser-Schranke das Risiko einer IOL-Eintrübung zu erhöhen. Granuläre Ablagerungen unter der IOL-Vorderfläche können eine so starke Visusminderung bedingen, dass ein IOL-Austausch erforderlich ist.
Referent/in: Ramin Khoramnia (Heidelberg)
Fragestellung: Vergleich der optischen Qualität eines sphärischen und asphärischen Designs derselben hydrophilen Intraokularlinsen-Plattform an der optischen Bank. Methodik: 10 sphärische C-flex 570 C und 10 asphärische C-flex 970 C Intraokularlinsen (Rayner Intraocular Lenses Limited, UK) der Stärke 26 dpt wurden an der optischen Bank OptiSpheric (Trioptics, Deutschland) untersucht. Gemessen wurden u.a. die modulation transfer function (MTF) bei 50 lp/mm und 100 lp/mm sowie die Strehl Ratio jeweils bei einer 3 mm (photopisch) und 4,5 mm (mesopisch) Blendenöffnung. Ergebnis: Bei 50 lp/mm betrugen die MTF-Werte 0,713/0,805 (C-flex 570 C / C-flex 970 C) bei einer 3 mm und 0,294/0,591 bei einer 4,5 mm Blendenöffnung. Bei 100 lp/mm lagen die MTF-Werte bei 0,524/0,634 bei einer 3 mm und 0,198/0,344 bei einer 4,5 mm Blendenöffnung. Die Strehl Ratio betrug 0,806/0,925 bei einer 3 mm und 0,237/0,479 bei einer 4,5 mm Blendenöffnung. Schlussfolgerung: Die asphärische IOL erreichte bei beiden Blendenöffnungen höhere MTF-Werte. Die Unterschiede zwischen dem asphärischen und sphärischen Design waren unter mesopischen Bedingungen stärker ausgeprägt. Dies deutet darauf hin, dass Patienten, die größere Pupillen haben und/oder unter mesopischen Bedingungen arbeiten, stärker von einem asphärischen Linsendesign profitieren könnten.
Referent/in: Florian Kretz (Neckargemünd)
Fragestellung: Klinische Beurteilung einer bitorischen, trifokalen Intraokularlinse (tMIOL). Methoden: In einer prospektiven multizentrischen Studie wurden im Rahmen der Katarakt Operation bei Patienten mit präoperativem Astigmatismus größer gleich 0,75 dpt. die tMIOL Modelle (AT LISA toric multifocal MIOL, Carl Zeiss Meditech, Deutschland) implantiert. Die präoperative Biometrie wurde mit dem IOL-Master (V5.4, Carl Zeiss Meditech, Germany) durchgeführt. Subjektive Refraktion, korrigierte und unkorrigierte Sehschärfe, monokular und binokular [logMar] für Ferne, Intermediär und Nähe, sowie eine binokulare Defokus-Kurven Analyse wurden durchgeführt. Des Weiteren wurde die Rotationstabilität beurteilt. Ergebnisse: Drei Monate postoperativ lag der mediane UDVA bei 0,03 [logMAR] kombiniert mit einem medianem, UNVA von 0,1 bei gutem UIVA von ebenfalls 0,1. Durch binkokulare Fusion konnte ein statistisch signifikanter Visusanstieg in allen Abständen erzielt werden. Schlussfolgerung: Die bitorische, trifokale Multifokallinse zeigt direkt postoperativ gute Ergebnisse im Nah-, Intermediär- und Fernbereich. Die Patientenzufriedenheit ist durchweg hoch bei einer hohen Rate an Brillenunabhängigkeit.
Referent/in: Christoph von Sonnleithner (Berlin)
Fragestellung: Das Ziel der Studie war es die kornealen Aberrationen höherer Ordnung nach Phakoemulsifikation bei 3 verschiedenen Inzisionsgrößen zu untersuchen. Material und Methoden: Insgesamt wurden 109 Augen von 89 Patienten in diese monozentrische Studie eingeschlossen (mittleres Alter: 73,7 Jahre +/- 8.9). Nach Phakoemulsifikation wurde eine Intraokularlinse in den Kapselsack implantiert. Folgende Inzisionen wurden durchgeführt: 1,4 mm mit biaxialer Mikroinzisionschirurgie (20 Augen) gefolgt von der Implantation einer Incise MJ14T (Bausch & Lomb, Rochester, NY), 1,8 mm mit coaxialer Phakoemulsifikation und Implantation einer Akreos MI60 (27 Augen) und 2,2 mm coaxiale Phakoemulsifikation mit Implantation einer asphärischen Intraokularlinse (Tecnis ZCB00, Abbott Medical Optics, Santa Ana, CA / CT Asphina, Carl Zeiss Meditec, Jena, Germany / Hoya iSert 251, HOYA, Tokio, 62 Augen). Mittels iTrace-Aberrometrie wurde bei einer 5 mm Pupille präoperativ wie auch 1 Monat postoperativ eine Aberrometrie durchgeführt. Der t-Test wurde zur statistischen Analyse verwandt. Ergebnisse: In allen Gruppen konnten Aberrationen höherer Ordnung gemessen werden. Ein statistisch signifikanter Unterschied konnte nur in der 2,2 mm Gruppe nachgewiesen werden (p=0.014). In Bezug auf Coma, Sphärische Aberration und Trefoil, konnte in keiner der Gruppen ein statistisch signifikanter Unterschied nachgewiesen werden. Schlussfolgerungen: Die 2,2 mm Inzision scheint, im Vergleich zur 1,4 mm und 1,8 mm Inzision, den größten Effekt auf die totalen Aberrationen höherer Ordnung zu haben.
Referent/in: Christian Wertheimer (München)
Einleitung: Untersuchung zur Nachstarbildung in-vitro anhand der Linsenepithelzellen im humanen Kapselsackmodel bei konventioneller Katarakt-Operation mit Phakoemulsifikation (Phako) im Vergleich zu Femtosekundenlaser assistierten Operation (FLACS). Rahmenbedingungen: Zell- und molekularbiologisches Labor, Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität, München, Deutschland. Methoden: Die Entstehung des Nachstars im humanen Kapselsackmodell wurde an 18 humanen Augen von 9 menschlichen Spendern evaluiert. Alle Augen wurden im Labor nach den Vorgaben der Deklaration von Helsinki und nach Zustimmung der lokalen Ethikkommission präpariert. Drei Gruppen aus je sechs Kapselsäcken wurden gebildet, und jeweils mit einem der folgenden chirurgischen Methoden präpariert, FLACS, Phako und extrakapsuläre Kataraktextraktion (ECCE). Nach der Präparation wurden alle Kapselsäcke vorsichtig von den Zonularfasern abgetrennt, in Zellkultur gebracht und unter den gleichen Zellkulturbedingungen kultiviert. Das Zellwachstum der Linsenepithelzellen wurde unter dem Mikroskop beobachtet und fotodokumentiert. Die Zeit bis zur vollständigen Konfluenz des Kapselsacks wurde gemessen und graphisch aufgetragen. Ergebnisse: Die Präparation des Humanen Kapselsackmodells mit Hilfe des Femtolasers ist möglich und reproduzierbar. Es gab keinen statistisch signifikanten Unterschied in der Nachstarbildung in-vitro zwischen den drei verschiedenen Operationstechnicken (ECCE-Phaco p=0,6; ECCE-FLACS p=1,0; Phako-FLACS p=1,0). Zusammenfassung: Im humanen Kapselsack Modell gibt es keinen Unterschied im Nachstarwachstum zwischen den verschiedenen Operationstechniken. Weder die Phakoemulsifikation noch der Femtolaser hatten einen Vorteil. Die Verwendung von FLACS zur Präparation des menschlichen Kapselsackmodells könnte in Zukunft als Modell an Interesse gewinnen.
Referent/in: Thomas-Walter Pahlitzsch (Berlin)
Einleitung: Ziel dieser Studie ist es, die Alterationen der Vorderkammerverhältnisse inklusive der Laser Flare Photometrie nach Femtolaser assisted cataract surgery (FLACS) im Vergleich zu der Phacoemulsifikation zu analysieren. Patienten/Methoden: Es wurden n=70 Patienten in der FLACS Kohorte (Durchschnittsalter 67,2±8,9 Jahre) und n=40 Patienten für die Phakoemulsifikation als Kontrollgruppe (Durchschnittsalter 69,5±9,6 Jahre) eingeschlossen. Die Eingriffe wurden mittels LensX Alcon, USA und Alcon Infiniti Vision System, USA durchgeführt. Folgende Parameter wurden erhoben: Laser Flare Photometrie (KOWA FM 700, Japan), Vorderkammer (VK) Tiefe, VK Volumen, VK Winkel (Oculus Pentacam, Oculus Inc., Germany), axiale Länge, Pupillendurchmesser, Endothelzellzahl und die Pachymetrie wurden präoperativ, direkt nach dem Femtosekundenlaser-Eingriff und 1 Tag postoperativ durchgeführt. Beide Kohorten erhielten keine antiinflammatorische Therapie während der Messungen. Die statistische Analyse wurde mittels SPSS (SPSS version 19.0, SPSS, Inc.) (Mann-Whitney-U Test, Wilcoxon Test) durchgeführt. Ergebnisse: Zwischen FLACS und der Phako-Kontrollgruppe zeigte sich ein signifikanter Unterschied bezüglich der Achsenlänge (p=0,046), der Phako Zeit (p=0,009), der VK Tiefe (p< 0,001) und des VK Winkels (p = 0,016) 1 Tag postoperativ. In der FLACS Kohorte stellte sich die VK Tiefe (3,77 vs. 4,05) und der VK Winkel (35,56° vs. 37,63°) flacher gegenüber der Phako Gruppe 1 Tag postoperativ dar. Die zentrale und dünnste corneale Pachymetrie und die Endothelzellzahl zeigte keinen signifikanten Unterschied zwischen beiden Studienkohorten (p=0,165, p=0,291, p=0,979). Die Phako-Kohorte (n=40) demonstrierte einen nicht statistisch signifikanten Unterschied in der Flare Photometry von 15,80 Photonen/ms 1 Tag postoperativ gegenüber der FLACS Gruppe von 26,62 Photonen/ms (p=0,322). Diskussion: Zusammenfassend zeigte sich kein signifikant erhöhter Vorderkammerreizzustand durch die additiv zugeführte Laserenergie gegenüber der Routine Phakoemulsifikation. Weiter konnte keine Zunahme der zentralen und dünnsten Hornhautdicke und kein erhöhter Endothelzellverlust durch die Laserenergie demonstriert werden. In diesem Studienkollektiv wurde kein Anhalt für eine additive Schädigung durch den Einsatz des Femtosekundenlasers gesehen.