Postersitzungen, Freitag, 2.10.2015

 
Foyer Estrel 13:15 - 14:15 02.10.2015
Postersitzung PFr07
Tumoren: intraokular Tumors: intraocular
Vorsitzende/r: Nikolaos E. Bechrakis (Innsbruck), Helmut Höh (Neubrandenburg)

Referent/in: Silvia Bopp (Bremen)
Hintergrund: Aderhauthämangiome sind seltene, gutartige vaskuläre Hamartome der Choroidea die oft fehldiagnostiziert und dadurch falsch behandelt werden. Ziel dieser retrospektiven Datenerhebung war es, die Probleme von Diagnostik und Therapie beim Aderhauthämangiom zu identifizieren. Methodik: Über einen Zeitraum von 20 Jahren wurden bei 75.000 Patienten 19 Augen (=0,025%) detektiert, die an einem Aderhauthämangiom erkrankt waren. Untersucht wurden die Parameter: Überweisungsdiagnose, Zeitraum bis zur richtigen Diagnosestellung, Lokalisation und Größe der Läsion, Art und Häufigkeit der Behandlungen und der therapeutischer Erfolg, gemessen am Visus und den Nebenwirkungen. Das Follow-up betrug im Mittel 25,5 Monate. Ergebnis: Es wurden 11 unterschiedliche Überweisungsdiagnosen gestellt. Am häufigsten war eine exsudative AMD oder tumoröse Raumforderung vermutet worden. Der durchschnittliche Zeitraum bis zur richtigen Diagnose lag bei 4,8 Monaten. 18 Hämangiome hatten eine zentrale Lokalisation, 12x mit fovealer Beteiligung. Die Prominenz lag durchschnittlich bei 2,11mm, der größte Durchmesser betrug 3,43mm. 11x wurde mit einer primären PDT behandelt, 1x war eine zweite PDT erforderlich. 1x wurde, in der Annahme, es handelte sich um eine exzentrische CNV, eine PDT erst nach 2 erfolglosen Behandlungsversuchen mit Avastin durchgeführt. 2x wurde radioaktiv bestrahlt, in 5 Fällen war eine Behandlung bei stabiler Befundsituation nicht erforderlich. In 4 Augen konnte eine Visusverbesserung, in 8 Augen eine Stabilisierung erreicht werden, in 2 Fällen kam es trotz Behandlung zur Sehverschlechterung. Schlussfolgerung: Die Diagnose eines Aderhauthämangioms ist nicht trivial und bedarf oft einer umfangreichen Diagnostik. Eine ICG-Angiographie ist hilfreich, wichtiger für die richtige Interpretation ist aber die frühe arterielle Phase der Fluoreszeinangiographie. Die PDT beim Aderhauthämangiom ist trotz „off-label-use“ bei fehlender Zulassungstudie eine in der Literatur unumstrittene, wirksame und wenig invasive Therapieoption. Das größte Risiko besteht in einer chorioretinalen Atrophie durch Overtreatment bei mehrmaliger Anwendung. Die funktionellen Ergebnisse zeigten, dass auch Augen bei scheinbar schlechter Ausgangssituation mit fovealer Lokalisation des Hämangioms, initial schlechtem Visus bei subfovealer Exsudation und langer Anamnese bis zur richtigen Diagnose nicht zwangsläufig eine schlechtere Prognose haben als Augen mit gutem Ausgangsvisus und kurzer Anamnese.
Referent/in: Jens Heichel (Halle)
Hintergrund: Intraokuläre melanozytäre Tumore zählen zu den benignen Neoplasien und manifestieren sich häufig im Bereich des Nervus opticus. Methodik: Bei einem 59jährigen Patienten wurde der Zufallsbefund eines pigmentierten Tumors im Bereich der Papilla nervi optici des rechten Auges erhoben. Subjektiv bestanden keine Beschwerden. Anhand von Funktionsprüfungen (Visus, Gesichtsfeld, visuell-evozierte Potenziale(VEP)) sowie bildgebenden Verfahren (Fundusfoto, Spec­tral-domain(SD)-OCT) wurden der Befund und Verlauf dokumentiert. Ergebnisse: Die Veränderung zeigte ein stationäres Verhalten bezogen auf Funktion und Morphe. Der Visus des Patienten betrug beidseits bestkorrigiert 1,0. Am rechten Auge konnten diffuse absolute und relative Skotome sowie dazu korrelierend eine im Seitenvergleich bestehende Amplitudenreduktion im VEP nachgewiesen werden. Schlussfolgerung: Melanozytome des Nervus opticus können durch eine mögliche Kompression zu funktionellen Einschränkungen führen.
Referent/in: Luise Grajewski (Dessau)
Einleitung: Die Brachytherapie mit β- strahlenden Ruthenium- Applikatoren ist eine etablierte Behandlung für Patienten, die an einem Aderhautmelanom erkrankt sind. Diese Behandlungsmethode führen wir in unserer Klinik seit Januar 2011 durch. Patienten und Methoden: In die retrospektive Studie wurden insgesamt 104 Augen mit einem Aderhautmelanom eingeschlossen, welche mittels Ruthenium- Brachytherapie zwischen Januar 2011 und Dezember 2014 behandelt wurden. Es wurden die Regression sowie die mit der Brachytherapie verbundenen Nebenwirkungen ausgewertet. Eingeschlossen in die Studie wurden Patienten mit einer Nachbeobachtungszeit von mindestens 3 Monaten. Ergebnisse: Von den 104 Aderhautmelanomen zeigten neun eine zusätzliche Infiltration des Ziliarkörpers, 32 wiesen eine zentrale Lage auf und 59 Augen zeigten eine exsudative Netzhautablösung vor der Brachytherapie. Die mittlere Sklerakontaktdosis betrug 519 Gy, die mittlere Tumorspitzensdosis 105 Gy. Die mittlere Prominenz der Aderhautmelanome vor der Therapie lag bei 4,3 mm, 12 Monate nach Bestrahlung bei 2,2 mm. In drei Fällen war eine Verlagerung des Applikators erforderlich, da dieser die Tumorränder aufgrund des zu großen Durchmessers der Melanome nicht komplett umschloss. In acht Fällen zeigte sich ein erneutes Tumorwachstum, nachdem zunächst eine Regression zu sehen war. Insgesamt mussten vier Augen enukleiert werden. In sieben Fällen wurden Fernmetastasen festgestellt, zwei Augen zeigten eine Strahlenretinopathie. Fazit: Die Behandlung von Aderhautmelanomen mittels Ruthenium-Brachytherapie ergab eine lokale Tumorkontrollrate von 92,3%, ein Bulbuserhalt konnte in 96,2% erzielt werden.
Referent/in: Simon Leicht (München)
Einleitung: Die Cyberknifebehandlung des Aderhautmelanoms stellt eine Teletherapiemethode dar, die einzeitig ohne Fixierungsrahmen in Retrobulbäranästhesie durchgeführt werden kann. Bislang fehlen Daten zur Visusentwicklung nach dieser Therapie. Diese sollten mit einer neuen Analysesoftware zur retrospektiven Smart-Data-Analyse von Behandlungsdaten erhoben werden. Methoden: An unserer Klinik wurde im Sommer 2012 eine digitale Patientenakte auf Basis von i.s.h.med/SAP eingeführt. Diese ermöglicht nicht nur jederzeit den Zugriff auf die Unterlagen eines in der Ambulanz untersuchten Patienten, sondern stellt auch einen leicht zugänglichen Datenschatz für die retrospektive Behandlungsdatenanalyse dar. Für die vorliegende Arbeit wurden Daten von Aderhautmelanompatienten, die mit Cyberknife bestrahlt wurden, aus dieser Patientenakte in eine Forschungsdatenbank (Smart Eye Database) aufgenommen. Der Visusverlauf der Patienten von vor Bestrahlung bis zum letzten Kontrolltermin wurde abgefragt. Die Patienten wurden in Gruppen entsprechend ihres Visus vor Bestrahlung eingeteilt (Gruppe 1: Visus >=0,4; Gruppe 2: Visus ]0,4-0,1]; Gruppe 3: Visus ]0,1-lux]; Gruppe 4: Amaurose). Es erfolgte eine Kaplan-Meyer-Analyse hinsichtlich des Ereignisses „Gruppenübertritt im Verlauf nach Behandlung“. Ergebnisse: 99 Patienten wurden bislang in die Auswertung eingeschlossen. Der follow-up-Zeitraum betrug im Mittel 23,56 Monate. Vor Bestrahlung fanden sich in den jeweiligen Gruppen 50 (Gruppe 1), 26 (Gruppe 2), 21 (Gruppe 3) und zwei Patienten (Gruppe 4). Aus Gruppe 1 fielen 16 Patienten (32%) im follow-up unter die Visusschwelle von 0,4, 21 (42%) unter 0,1 und 7 (14%) entwickelten eine Amaurose. In Gruppe 2 fielen 17 Patienten (65%) unter Visus 0,1, drei entwickelten eine Amaurose (12%). In Gruppe 3 entwickelten zwei Patienten (10%) eine Amaurose. Zusammenfassung: Zweifelsohne steht bei der Behandlung von Aderhautmelanomen die Tumorkontrolle im Vordergrund. Die Cyberknifetherapie ermöglicht darüberhinaus einen längerfristigen Visuserhalt des erkrankten Auges. Mithilfe der Smart-Data-Analyse können dieser und weitere Verlaufsparameter von Aderhautmelanompatienten nach Cyberknifebestrahlung zeiteffizient evaluiert werden, was zukünftig für eine Optimierung der Versorgung dieser Patienten fruchtbar gemacht werden kann.
Referent/in: Alexander Böker (Berlin)
Fragestellung: Auswertung des Langzeitverlaufes von Patienten mit Aderhautmelanom nach Protonentherapie und anschließender Endoresektion des Tumors bezüglich der lokalen Tumorkontrolle und der Fernemtastasierungsrate in einer single-centre Studie Methodik: In der vorliegenden Arbeit wurden 209 Patienten mit Aderhautmelanomen untersucht. Es erfolgte eine Univariatenanalyse der lokalen Tumorkontrolle und des metastasefreien Überleben mit Hilfe von Kaplan-Meier Überlebenskurven. Cox-Regressionsanalysen für den initialen Tumordurchmesser, die Tumorprominenz, das Tumorvolumen und das Alter bei Behandlung wurden erstellt um jeweils unabhängige Risikofaktoren zu identifizieren. Ergebnis: Die 5 und 10 Jahres Lokalrezidivraten betrugen 2% und 3%. Die Untersuchung der möglichen Risikofaktoren zeigte hier keine Signifikanz. Die 5 und 10 Jahres Fernmetastasierungsraten betrugen 19% und 22%. Während das Patientenalter als Risikofaktor nicht signifikant war, zeigten sich eine Prominenz von ≥ 9,5 mm (p 0,021), ein Tumordurchmesser von ≥ 16 mm (p < 0,001) und ein Tumorvolumen ≥ 1000 mm³ (p < 0,001) als prognostisch ungünstige Risikofaktoren. Dies führte zu hazard ratios von jeweils 1,99, 3,88 und 3,35. Eine Enukleation war in 14 Fällen (6,7 %) notwendig und wurde durchschnittlich nach 31,6 Monaten (3,3 bis 86,5 Monaten) durchgeführt. Schlussfolgerung: Unsere Analyse zeigte, dass eine Protontherapie gefolgt durch eine Vitrektomie mit Endoresektion eine effektive und sichere Behandlungsmethode der prominenten Aderhautmelanome ist. Das Risiko der Fernmetastasen steigt signifikant bei Tumoren mit einer Prominenz über 9,5 mm und mit einem Basisdurchmesser über 16 mm. Ein Vergleich der Langzeitprognose der alleinigen Protonentherapie mit der kombinierter Protontherapie und Endoresektion ist derzeit im Fokus unserer weiteren Forschung.
Referent/in: Anja-Maria Davids (Berlin)
In einer retrospektiven Analyse evaluierten wir die Auswirkung der Protonenstrahlung auf die zentrale Sehfunktion und Netzhautdicke im Hinblick auf die Entwicklung einer Strahlenretino- und Makulopathie bei Patienten mit perimakulärem Aderhautmelanom. Methoden: Einschlusskriterien: initialer Visus ≥0,8; Abstand Tumorrand-Foveola < 6mm, Nachbeobachtungszeit nach Protonen ≥2 Jahre. Durchführung einer zentralen 12° Mikroperimetrie, die Sensitivitätsverluste in 3 konzentrischen Ringen um die Fovea erfasst; Vergleich der Befunde der Bestrahlungsseite mit denen der Gegenseite. Bestimmung des Fernvisus sowie der Netzhautdicke mittels SD-OCT auf der bestrahlten Seite und Vergleich mit der Gegenseite. Durch eine Funduskopie wurde das Vorliegen einer Strahlenretino- und Makulopathie beurteilt. Ergebnisse: Foveaabstand < 2mm: N=3, wobei alle eine Foveadosis erhielten und eine Strahlenretinopathie mit Makulopathie entwickelten. Der mittlere Visus lag bei 0,2+/- 0,13. Die mittlere Netzhautdicke war auf der Bestrahlungsseite reduziert (231,67µm+/- 23,76 vs 312µm+/-13,23). Es fand sich ein mittlerer Verlust der Makulasensitivität von 12,28±4,76dB. Foveaabstand 2-3mm: N=5. Bei den 3 Patienten ohne Strahlenretinopathie betrug der mittlere Visus 0,57+/-0,05. Bei der Netzhautdicke zeigte sich kein signifikanter Unterschied. 2 Patienten hatten eine Strahlenretinopathie mit Makulaödem. Der mittlere Visus betrug 0,47+/-0,15 und die mittlere Netzhautdicke war auf der Bestrahlungsseite dicker (512µm+/-1,4 vs. 398µm+/-9,9). Bei den Patienten mit Makulaödem fand sich ein mittlerer Sensitivitätsverlust von 9,86+/-5,86dB, bei den anderen kein Unterschied. Die mittlere initiale Tumorprominenz betrug bei den Patienten mit Makulaödem 4,0+/-1mm gegenüber 2,1+/-0,71mm bei denen ohne Makulaödem. Foveaabstand >3mm: N=8, wobei 4 Patienten keine Strahlenretinopathie hatten. Der mittlere Visus lag bei 0,91 +/-0,19; bei denen mit Strahlenretinopathie bei 0,56 +/0,16. Bezüglich der Netzhautdicke bestand kein signifikanter Unterschied, in der Mikroperimetrie geringfügige Abnahme der Makulasensitivität. Schlussfolgerung: Es zeigte sich, dass bei einem Foveaabstand zwischen 2 und 3 mm und einer initialen Tumorprominenz >3mm das Auftreten eines Makulaödems im Rahmen einer Strahlenretinopathie wahrscheinlicher wird. Der Schweregrad der radiogenen Makulopathie mit Beeinträchtigung des Fernvisus lässt sich in der Mikroperimetrie besser erfassen als mittels Fernvisus oder SD-OCT.
Referent/in: Ira Seibel (Berlin)
Einleitung: Die Visus limitierenden Faktoren nach einer Protonentherapie beim Aderhautmelanom und Aderhautziliarkörpermelanom sind die Strahlenretino- und Optikopathie. Diese können als strahlenbedingte Komplikationen nach jeder okulären Radiatio auftreten. Ziel dieser Studie ist es, die Inzidenz und prädisponierende Risikofaktoren herauszufinden. Methoden: Alle Patienten, die eine Protonentherapie beim Aderhaut- und Aderhautziliarkörpermelanom zwischen Mai 1998 und Dezember 2013 erhalten haben, wurden eingeschlossen. Ausschlusskriterien waren eine Nachbeobachtungszeit von unter 12 Monaten, eine durchgeführte Endoresektion, Endodrainage-Vitrektomie, die transsklerale Resektion oder die Re-Radiatio. Ergebnisse: 1085 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 61 Jahren (16-88 Jahren) davon 551 (50,8%) Männer und 534 (49,2%) Frauen, wurden eingeschlossen. Der mediane Follow-Up lag bei 48.1 Monaten (12-170.4 Monaten). 790 Patienten (72.8%) entwickelten nach durchschnittlich 18,9 Monaten (1,4-99,8 Monaten) eine Strahlenretinopathie und 472 (43.5%) nach durchschnittlich 19,8 Monaten (0,2-125,7 Monaten) eine Strahlenoptikopathie. Die multivarianten Analyse ergab einen zentral liegenden Tumor am hinteren Pol als prädisponierenden Faktor für die Entwicklung einer Strahlenretinopathie und einen an der Papille lokalisierten Tumor, mit einer hohen Papillendosis oder hohen Foveadosis einhergehend, für die Entwicklung einer Optikopathie. Schlussfolgerung: Eine Strahlenretinopathie entwickelt sich bei hohem vaskulären Schaden. Dieser entsteht anatomisch begründet besonders bei Bestrahlung des hinteren Pols. Die Strahlenoptikopathie hingegen resultiert aus einer direkten Einbeziehung der Papille; mit vermehrter Papillendosis steigt die Wahrscheinlichkeit einer Srahlenoptikopathie an.
Referent/in: André Kafka (München)
Hintergrund: Das Aderhautmelanom (AH-MM) ist der häufigste primäre, maligne, intraokulare Tumor. Es gibt mehrere erfolgreiche Therapien für den Primärtumor. Auch die frühe Therapie kann die Metastasierung nicht verhindern. Mehr als die Hälfte der AH-MM-Patienten zeigen eine hämatogene Ausbreitung auf die Leber und in andere Organe mit infauster Prognose. Im folgendem sollen in-vitro Selumetinib, Trametinib, Everolimus und Erlotinib und deren Wirkung auf das Zellüberleben und –proliferation an Zelllinien von AH-MM Metastasen bewertet werden. Methoden: Drei verschiedene Zelllinien von Metastasen des AH-MM (Lebermetastasen OMM 2.3, OMM 2.5 und subkutane Metastase OMM 1) wurden benutzt. Die einzelnen Pharmaka (Selumetinib, Trametinib, Everolimus und Erlotinib) wurden der Zellkultur in verschiedenen Konzentrationen zugegeben. Anhand des kolorimetrischen XTT–Tests wurden die Tumorzellproliferation und das Tumorzellüberleben untersucht. Die IC50 und die niedrigste zytotoxische Konzentration wurden bestimmt. Die zytotoxische Hemmung der Zellen wurde unter dem Mikroskop mit einem Höechstfarbstoff und Propidiumiodid bestätigt um metabolische Effekte im XTT-Test auszuschließen. Ergebnisse: Die niedrigste Konzentration, bei der Tumorzelltod auftrat, war 25µM für Selumetinib und 5µM für Trametinib. Beide Pharmaka inhibieren signifikant die Zellproliferation von metastasierten Aderhautmelanomzellen, mit IC50-Werten von 5nM (Selumetinib) und 6nM (Trametinib). Everolimus und Erlotinib unterdrückten lediglich die Zellproliferation (IC50: 65,5nM für Everolimus und 3,5µM für Erlotinib). Zusammenfassung: Diese Studie unterstreicht Ergebnisse neuerer Publikationen, die den signifikanten Effekt von Selumetinib und Trametinib auf die Zellproliferation metastasierter Aderhautmelanomzelllinien aufzeigen.
Referent/in: Merle Schrader (Tübingen)
Fragestellung: Die selektive intraarterielle Chemotherapie sowie die intravitreale Therapie mit Melphalan stellen die vorherrschende Bulbus erhaltende Therapie des Retinoblastoms mit großen Erfolgen in der Tumorkontrolle dar. Zu den lokalen Komplikationen zählen Alterationen des retinalen Pigmentepithels (RPE) und der choroidalen Perfusion. Vor diesem Hintergrund untersuchen wir den toxischen Effekt von Melphalan, Carboplatin und Topotecan als den aktuell eingesetzten Zytostatika auf RPE-Zellen im Zellkulturmodell. Methodik: Zellen der ARPE19-Zelllinie werden nach Erreichen einer Zelldichte von 90% über 24h mit ansteigenden Melphalan-Dosierungen inkubiert (4, 10, 20, 50, 100, 166, 200µg/ml) und der Effekt auf die Zellmorphologie mittels Phasenkontrastmikroskopie, die Proliferation über einen BrdU-Assay, die Zellviabilität mittels MTS-Test und die Apoptose über einen Caspase 3/7-Aktivitäts Assay in Versuchsreihen gemessen. Staurosporin sowie das Lösungsmittel dienen als Positiv- und Negativkontrolle. Analog erfolgten Versuche mit Carboplatin (40, 100, 200, 500, 1000, 1666, 2000µg/ml) und Topotecan (0.1, 0.5, 2, 4, 10, 33, 100µg/ml). Ergebnisse: Morphologisch war mit dem Anstieg der Zytostatika-Konzentrationen eine Zunahme von Lücken im Zellrasen der ARPE19-Zellen erkennbar. Kongruent hierzu war die Proliferationsrate abnehmend. Die Zellviabilität wurde ab einer Melphalan-Konzentration von 50 µg/ml, bzw. 500µg/ml Carboplatin vermindert. Nach Inkubation mit Topotecan zeigte sich eine gleichbleibende Minderung der Viabilität ab 0.5 µg/ml. Die Aktivität der Caspasen 3/7 erreichte ihr Maximum bei 100 µg/ml Melphalan und 10µg/ml Topotecan. Unter Carboplatin war keine signifikante Aktivitätssteigerung erkennbar. Schlussfolgerungen: In dem Zellkulturmodell weisen wir eine Abnahme der Zellproliferation und der Zellviabilität der RPE-Zellen nach Inkubation mit Melphalan über 24h nach. Zudem ist eine Zunahme der Apoptose als möglicher direkter toxischer Effekt des Zytostatikums erkennbar. Ein direkter toxischer Effekt von Melphalan in vivo nach intraarterieller oder intravitrealer Chemotherapie auf das retinale Pigmentepithel erscheint wahrscheinlich und kann die klinischen und angiographisch nachweisbaren RPE-Veränderungen erklären. Alternative zytostatische Medikamente, die im Bereich der Therapie eingesetzt werden, sollten neben der Evaluation hinsichtlich der Tumorkontrolle auch in vivo auf eine mögliche Toxizität des retinalen Pigmentepithels untersucht werden.
Referent/in: Carlo Krupp (Tübingen)
Background: Melphalan as a treatment for retinoblastoma has been applied intraarterially by catheterisation of the ophthalmic artery or intravitreally aiming to reduce systemic side effects of intravenous drug therapy. This study evaluates retinal toxicity of different melphalan concentrations measured by electroretinogram (ERG) in an isolated and perfused retinal whole mount culture. Methods: For functionality testing bovine retinas were prepared and perfused with an oxygen saturated standard solution and the ERG was recorded until stable b-wave or a-wave amplitudes were reached. Thereafter retinae were exposed to 80, 160 and 320 µg/ml of melphalan for 30 minutes. After exposition a washout for 3x5 minutes followed and ERG amplitude recovery was monitored for 60 minutes. To investigate the effects on photoreceptor function 1 mM asparate was added to supress the b-wave and obtain isolated a-waves. Results: While no toxic effects for a concentration of 80 µg/ml were observed, both b- and a-waves were significantly reduced directly after application of 160 (b-wave 43.8 %, p= 0.03, a-wave 28.2 %, p= 0.04) and 320 µg/ml (b-wave 20.0 %, p= 0.04, a-wave 35.8 %, p= 0.02). For 320 µg/ml this reduction remained significant at the end of the washout (b-wave 40.0 % p= 0.02, a-wave 26.4 %, p= 0.02). Conclusions: Epiretinal or intraretinal concentrations of 80 µg/ml melphalan do not cause toxic effects in this model. Higher concentrations than 160 µg/ml should be avoided.
Referent/in: Annette Zimpfer (Jena)
Introduction: In previous analysis only rare TERT mutations were found in choroidal melanoma suggesting alternative telomere lengthening mechanisms in uveal melanoma (UM). Loss of ATRX and DAXX protein expression, two proteins participating in chromatin remodelling, were previously linked with mutations in ATRX and DAXX, a feature seen in the alternative telomere lengthening pathway. We aimed to analyse ATRX and DAXX by immunohistochemistry using tissue microarrays of 80 UMs. Also, TERT mutations were determined in a subset of uveal melanomas. Methods: 80 UM of 46 male and 34 female patients (age range 34-92, median 66 years) were included in this study. ATRX and DAXX immunohistochemistry was performed and graded from 0 to 2 (no loss, partial loss in > 10%, total loss of protein expression). For TERT promoter mutation analysis, tumour tissue of 41 cases were micro dissected and Sanger sequencing was performed, comprising the promoter region around the hotspots at positions 1-124, 1-138/139 and 1-146, described for eye tumours in the Catalogue of somatic mutations in cancer (COSMIC; http://cancer.sanger.ac.uk/cancergenome/projects/cosmic/). Results: Partial and total loss of nuclear ATRX protein expression was seen in 10/60 (16.7%) and 33/60 (55.0%) of UM cases, respectively. Partial and total loss of nuclear DAXX protein expression was found in 6/46 (13.1%) and 23/46 (50%) of UM cases. By Sanger sequencing, 9/41 (22%) cases harboured a TERT mutation, among these only some at the hotspots, but all in a region from 1-72 to 1-182, affected in different tumours but not described for the eye in COSMIC. Technical problems encountered originated from strong melanin pigmentation or poor DNA quality, but sequencing results of the hotspot regions were available in all cases analyzed. Conclusions: In contrast to previous studies, the frequency of TERT promoter mutations seems to be higher in UM, possibly due to the detection of yet undescribed mutations. However, in > 50 % of the cases a total loss of ATRX and/or DAXX is observable, indicating that the alternative telomere lengthening pathway is more important in UM than the classical pathway.