Postersitzungen, Freitag, 2.10.2015

 
Foyer Estrel 13:15 - 14:15 02.10.2015
Postersitzung PFr01
Retina: AMD
Vorsitzende/r: Rainer Guthoff (Düsseldorf), Johann Roider (Kiel)

Referent/in: Frauke Jürgens (Münster)
Fragestellung: Das en-face OCT (SD-OCT mit flächiger Darstellung verschiedener segmentierter Analyseschichten) ermöglicht eine spezifische flächige Darstellung von Veränderungen der Makula, die sich in klar definierten anatomischen Schichten befinden. Bisher erfolgte eine Klassifizierung und „Quantifizierung“ der frühen AMD (Drusen) an Hand von Fundusphotos und der Klassifizierung von Drusencharakteristika im ETDRS-Grid. Dies ist allerdings für klinische Studien zur Beeinflussung von Drusen zu wenig sensitiv. Die vorliegende Studie testet die Möglichkeiten einer Quantifizierung der frühen AMD mit den neuen OCT-Verfahren. Methodik: Bei 20 Patienten mit einer unterschiedlich ausgeprägten frühen AMD (unterschiedliche Menge und Ausprägungen von Drusen) wurden en-face OCT Aufnahmen (Optovue) erstellt. Diese wurden systematisch in 20 µm Schichten analysiert, beginnend auf der Ebene der Choriokapillaris, des RPE und der äußeren Netzhaut. Drusen zeigten sich in diesen Aufnahmen in der Fläche (en-face) als dunklere Areale. Diese wurden mittels Flächenanalyse quantifiziert. Ergebnisse: Die beste Darstellung der Drusen zeigte sich bei einer Segmentierung auf der Ebene des RPE. Hier konnte bei allen Patienten eine gute Abgrenzung der Drusen in der Fläche erreicht werden. Bezüglich der Anzahl, dem größten und kleinsten Drusen-Durchmesser und der Gesamtfläche der Drusen konnten individuelle Charakterisierungen vorgenommen werden. Diese waren mit den unterschiedlichen Klassifizierungen der Drusencharakteristika auf den Fundusphotos vergleichbar, aber zeigten eine differenziertere Quantifizierbarkeit. Schlussfolgerungen: Die Charakterisierung und Quantifizierung von Drusen bei der frühen AMD mittels en-face-Analyse des SD-OCT zeigt bei einer Segmentierung auf der Ebene des RPE eine gute Vergleichbarkeit mit der Klassifizierung der Analysen der Fundus-Photos. Dieses neue Verfahren ermöglicht aber eine wesentlich bessere Quantifizierbarkeit der Veränderungen, was für zukünftige medikamentöse Studien zur Reduktion der Ablagerungen von zentraler Bedeutung sein kann.
Referent/in: Kerstin Wand (München)
Fragestellung: Zur Behandlung der neovaskulären altersabhängigen Makuladegeneration (nAMD) ist die intravitreale Anti-VEGF-Therapie Goldstandard. Inwiefern eine additive photodynamische Therapie (PDT) das funktionelle und strukturelle Ergebnis beeinflussen kann wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Ziel unserer Studie war es, den funktionellen und morphologischen Effekt der Kombinationstherapie mit PDT plus Ranibizumab im Vergleich zur Monotherapie mit Ranibizumab im Langzeitverlauf zu untersuchen. Methoden: In einer retrospektiven Studie wurden die Daten von Patienten mit nAMD ausgewertet, die an der Augenklinik der TU München 2006/2007 initial behandelt und für mindestens 42 Monate nachbeobachtet wurden. Patienten wurden der Gruppe A (Monotherapie mit Ranibizumab nach Pro-re-nata (PRN)) oder der Gruppe B (Kombinationstherapie mit einmaliger PDT plus Ranibizumab nach PRN) zugeordnet. Ausgewertet wurden der beste korrigierte Visus (BCVA) zum Start- und Endzeitpunkt sowie die maximale Retinadicke mit Durchmesser der Plaquebasis in der Spectral Domain Optischen Kohärentomographie (SD-OCT) zum ersten Mess- und Endzeitpunkt. Ergebnisse: Eingeschlossen wurden in die Gruppe A 21 Augen von 17 Patienten, in die Gruppe B 12 Augen von 11 Patienten. Der mittlere Nachbeoachtungszeitraum von Start- bis Endzeitpunkt betrug 64 Monate, von Erstmessung SD-OCT bis Endzeitpunkt 48 Monate. Der BCVA bei Initialvorstellung betrug in der Gruppe A 0,31±0,26 dezimal, in der Gruppe B 0,31±0,17. Zum Endzeitpunkt betrug der BCVA in der Gruppe A 0,29±0,25, in der Gruppe B 0,25±0,20. Die maximale Retinadicke in der SD-OCT zeigte in der Gruppe A eine Abnahme von 72±178 µm und 28±98 in der Gruppe B. Die Plaquebasis zeigte eine Zunahme von 32±1468 µm in der Gruppe A und 748±1024 in der Gruppe B. Im Zeitraum zwischen Start- und Endpunkt erhielten die Patienten der Gruppe A 19±14 intravitreale Injektionen, die Patienten der Gruppe B 22±10. Schlussfolgerung: Über einen langen Beobachtungszeitraum von im Mittel 64 Monaten zeigten Patienten mit nAMD in beiden Gruppen vergleichbare Ergebnisse mit guter Visusstabilisierung (BCVA im Median in beiden Gruppen 0,2 dezimal nach 5,3 Jahren). Bezüglich der morphologischen mikrostrukturellen Veränderungen in der SD-OCT zeigten Patienten der Monotherapiegruppe tendentiell ein besseres Therapieansprechen.
Referent/in: Martin Ziegler (Münster)
Hintergrund: Die Anti-VEGF-Therapie stellt in der Behandlung der exs. AMD die Standardtherapie dar. Unter der Therapie sind individuell sehr unterschiedliche Ansprechverhalten zu beobachten, die in Studien meist nicht berücksichtigt werden. Die Unterschiede aus der Perspektive „guter“ bzw. „schlechter“ Verläufe wurden in dieser Studie untersucht. Methode: Wir beobachteten 72 OCT-Langzeitverläufe von Pat. mit exsudativer AMD unter anti-VEGF-Therapie zw. 2009 und 2015. Das Follow up betrug 12-60 Monate (mittl. Follow up 105,5 Wo). Alle OCTs wurden mittels SD OCT durchgeführt. Das Behandlungsschema erfolgte analog den Empfehlungen der DOG. Es wurden der Visus, subret. Fl, NH-Dicke, intraret. Fl., PEDs sowie die Unterbrechungen der IS/OS-Bande berücksichtigt. Pat mit schlechtem Regressionsmuster wurden mit den initialen Befunden von Pat mit gutem Verlauf verglichen, um initiale prognostische Faktoren zu ermitteln. Spezifische von diesen Mustern teils komplett abweichende Verläufe wurden zur Charakterisierung des Gesamtspektrums ebenso registriert. Ergebnisse: Bei den morphologischen Veränderungen im SD-OCT unter anti-VEGF-Therapie (NH-Dicke, intra- und subretinale Flüssigkeit, PED etc.) zeigte sich, dass die subretinale Fl fast immer auf die Therapie anspricht. Intraretinale Zysten hingegen zeigten unterschiedliche Antworten, wobei besonders eine ass. initiale Visusminderung als Zeichen einer initialen Photorezeptorschädigung negativ assoziiert war. PEDs zeigten sehr unterschiedliche Regressionsmuster und eine Unterbrechung des Photorezeptorbande war generell ebenso nur partiell regressiv. Zudem finden sich mehrere von diesen generellen Reaktionsmustern komplett abweichende Verläufe. Viele Fallbeispiele können dies belegen. Schlussfolgerungen: Untersucht man verschiedene morphologische Parameter im OCT-Langzeitverlauf unter anti-VEGF-Therapie, so zeigen sich häufig individuell äußerst unterschiedliche Ansprechverhalten, welche „positiv“ und „negativ“ ausfallen können. Immer wieder zeigen sich auch ungewöhnliche morphologische Veränderungen, die nicht immer mit dem funktionellen Ergebnis in Einklang zu bringen sind, so dass für eine sichere initiale prognostische Einschätzung weitere Parameter notwendig sind. Dennoch unterstützen die vorliegenden Ergebnisse erneut die Hypothese, dass initiale Schäden und Veränderungen besonders auf der Ebene der Photorezeptoren generell für die späteren Ergebnisse verantwortlich sind.
Referent/in: Friederike Schubert (Münster)
Hintergrund: Intravitreale Anti-VEGF Therapie ist zu einer etablierten und erfolgreichen Behandlungsstrategie bei Patienten mit neovaskulärer altersabhängiger Makuladegeneration (AMD) geworden. Jedoch zeigt die Realität deutliche individuelle Unterschiede hinsichtlich des Injektionsbedarfs sowie, in Bezug auf Injektionsanzahl und Visusverlauf, deutlich schlechtere Ergebnisse als die klinischen Studien. Prädiktive morphologische Charakteristika, die über die zukünftig benötigte Injektionsfrequenz Auskunft geben, wären von großem klinischen Nutzen. Methoden: Es erfolgte eine retrospektive, monozentrische Analyse des Behandlungserfolgs von Patienten mit neovaskulärer AMD unter anti-VEGF Therapie im Zeitraum 2011-2014. Analysiert wurden der Visusverlauf, die Injektionsanzahl und morphologische Kriterien der spectral-domain optischen Kohärenztomographie (SD-OCT) (outer retinal tubulation, retikulären Pseudodrusen, intraretinale Flüssigkeit, subretinale Flüssigkeit und Integrität der ellipsoiden Bande). Verglichen wurde die zwanzig Prozent der Patienten mit höchster Injektionsfrequenz (Gruppe A) mit den zwanzig Prozent mit der niedrigsten Injektionsfrequenz (Gruppe B). Ergebnisse: Insgesamt wurden 122 Patienten (80,2 ± 7,5 Jahre) eingeschlossen. Die mittlere Sehschärfe lag im ersten Jahr bei 0,42 ± 0,57 (2. Jahr: 0,34 ± 0,23, 3. Jahr: 0,31 ± 0,23, 4. Jahr: 0,31 ± 0,25). Der Vergleich zwischen Gruppe A und B zeigte keine wegweisenden, morphologischen Differenzen bei Behandlungsbeginn (outer retinal tubulation: 0% [Gruppe A] / 4,2% [Gruppe B], retikulären Pseudodrusen: 37,5%/29,2%, intraretinale Flüssigkeit: 62,5%/45,8%, subretinale Flüssigkeit 70,8%/79,2%, Integrität der ellipsoiden Bande: 8,3%/12,5%). Diskussion: Die Verbesserung der Behandlungsrealität der neovaskulären AMD Patienten stellt eine große Herausforderung dar. Prädiktive Merkmale könnten ein wichtiges Werkzeug darstellen, um die anti-VEGF Therapie ressourcensparend und dem individuellen Patientenbedarf angepasst zu gestalten. Die untersuchten morphologischen OCT-Charakteristika zeigten hier jedoch keine prädiktive Aussagekraft.
Referent/in: Olga Taranukha (Kharkov)
Relevance: Nowadays the main therapeutic target while pathogenically treating an exudative age-related macular degeneration (AMD) are numerous growth factors isomers of vascular endothelium, synthesizing in retina ischaemia and initiating endothelial proliferation of blood vessels. Purpose: Study the effectiveness use of anti-VEGF drugs such as aflibercept and ranibizumab in patients with exudative AMD form. Material and methods: We supervised 37 patients with initially found exudative AMD form and subretinal neovascular membrane. Aflibercept was administered intravitreally to 14 patients in a dose of 2 mg (0.05 ml), ranimizumab was administered to 13 patients in a dose of 0.5 mg (0.05 ml). Patients were supervised within 10 months after treatment onset. Apart from standard ophtalmological checkups, all patients were executed with optical coherence tomography of macular area. Results: Initial average visual acuity in patients was 0.26. After the first aflibercept injection, acuity did not significantly differ from the initial one. Increase of visual acuity was noted by the 10th month of supervision – 0.4. Moreover, significant decline of retina thickness in macula was noted by 8-10th month – from 362 um up to 221 um. In case of administering ranibizumab, visual acuity increased after the first one, and then after the third injection within the first four-five months of supervision, and remained stabile (0.5) by the 10th month of supervision. Furthermore, after the first injection we also noted the decline of retina thickness – from 367 um up to 253 um. Conclusion: Ranimizumab application allows to achieve statistically valuable increase in visual acuity and decline of retina edema in macular area immediately after the first intravitreal injection. Steady result is observed already after 3-4 injections. In case of aflibercept therapy, it is deemed appropriate and effective to administer the drug 1 time per 4 weeks and use bigger quantity of intravitreal injections.
Referent/in: Christoph Roman Clemens (Münster)
Purpose: To assess the effects of monthly intravitreal ranibizumab injections in patients with vascularized pigment epithelial detachment (vPED) secondary to age-related macular degeneration (AMD). Methods: A total of 40 patients were included in an investigator-initiated trial and were prospectively treated monthly with 0.5mg ranibizumab injections (ClinicalTrials.gov Ident. NCT00976222). Best-corrected visual acuity (BCVA) and spectral-domain optical coherence tomography (SD-OCT) were evaluated at all visits. Fluorescein angiography and indocyanin green angiography were performed at baseline and quarterly. Change in BCVA, change in PED greatest linear diameter (GLD) and change in PED height from baseline to month 12 were evaluated in detail. Results: At baseline patients were divided in two groups: serous vascular PED in 31 patients (group A) and fibrovascular PED in 9 patients (group B). Mean BCVA showed a deterioration between baseline and 12-month follow-up visit of 0.26 logMAR in group A and an improvement of 0.14 logMAR in group B. Mean decrease in PED height was 645.8μm in group A and 193.2µm in group B. Mean PED GLD increased from 2916.3 μm at baseline to 3125.8 μm at 1-year follow-up (P < 0.001). After 3.6 treatments, 10 (25%) patients from group A developed a retinal pigment epithelium (RPE) tear. No tear was documented in group B. Conclusions: Ranibizumab is an effective treatment for vPED due to AMD regarding BCVA and morphologic characteristics of vPED lesions. Considering the relatively high rate of RPE tears in patients with serous vascular PED, patients displaying this subtype should be screened for the presence of morphologic risk factors for RPE tear development. An adapted treatment regimen in such patients presumably makes ranibizumab therapy safer.
Referent/in: Emilia Donicova (Jena)
Goal: To check whether retinal oxygen saturation as well as its alteration under flicker light stimulation is affected in age-related macular degeneration (AMD) patients. Methods: Retinal vessel oxygen saturation (SO2) was measured in 63 eyes of 46 AMD patients (aged 74±8.2) and 23 eyes of 23 controls (aged 73±7.4) before and during the stimulation of neuronal activity by flicker light. The oximetry module of the retinal vessel analyser (Imedos UG) was used and flicker light with the frequency of 12.5 Hz was applied for 90 seconds. Subgroup analysis was performed on patients with early AMD, neovascular AMD, geographic atrophy, and disciform scar. Mean SO2 values were compared by t-test or ANOVA respectively. Post-hoc testing for least significant differences was applied. A p-value < 0.05 was considered as significant. Results: Neither arterial (98.4±4.3% vs. 97.7±5.2%) nor venous SO2 (63.4±8.2% vs. 61.1±9.4%) nor the arterio-venous SO2 difference (AVD, 35.0±6.2% vs. 36.6±7.4%) were significantly different between patients and controls. However, the physiological decrease of the AVD under flicker stimulation by 4.9±3.5% was significantly reduced in the patients (2.3±3.5%, p=0.003). This significant reduction was seen in all AMD subgroups: early AMD: 2.5±3.0% (p=0.029), geographic atrophy: 0.4±5.4% (p=0,021), neovascular AMD: 2.5±3.8% (p=0.016) and disciform scar: 1.9±2.2% (p=0.042). Conclusions: As the change of the AVD under flicker light stimulation indicates the ability of the retinal auto-regulation to adapt the supply of oxygen and other metabolites to the needs of the retina under neuronal activity, its decrease in AMD might indicate decreased oxygen consumption or a disturbed auto-regulation.
Referent/in: Lydia Sauer (Jena)
Introduction: Geographic atrophy (GA) is a dreaded late form of the dry age-related macular generation (AMD). The pathophysiology is not yet fully understood and prognostic factors, especially regarding the sparing of the fovea, are still under discussion. Using Fluorescence-lifetime-Imaging-Ophthalmoscopy (FLIO), a new and non-invasive imaging method to detect micro-environmental changes in the human retina, this study presents a new imaging method for GA that may lead to a better understanding of the disease. Methods: Time-resolved fundus autofluorescence of 16 eyes with GA (mean patient’s age 80.4 ± 8.3 years) has been recorded, using a prototype FLIO device (Heidelberg-Engineering, Heidelberg, Germany). Fluorescence decays were measured in two spectral channels (ch1: 490-560nm; ch2: 560-700nm) and approximated by a sum of three exponentials, resulting in three lifetimes: t1, t2, t3. Their amplitude-weighted means (tm) per channel and pixel were utilized as the main parameter for further statistical analysis. A fundus autofluorescence (FAF) intensity image is acquired with each measurement, OCT scans and fundus photography were obtained as well to further classify the stage of GA. Results: Autofluorescence lifetimes in GA differ not only from those of healthy eyes, they also differ according to the individual progression of GA. Additionally to hypo- and hyperfluorescent regions detectable with FAF intensity images, FLIO detects high contrast differences within these regions. Potentially healthy or spared regions show different fluorescence decays (250-400 ps) than regions where GA has severely affected the retina (>700 ps). Additionally, differences within the hyperfluorescent areas of the perilesional retina are also detectable. Conclusion: Whereas FAF images show differences in the fluorescence intensity, FLIO can additionally distinguish between different atrophic areas, resulting in different lifetimes and possibly detecting spared regions. As lipofuscin accumulation as well as composition might be related to the progression of GA, lifetime differences the perilesional retina may add information to the progression of GA and could possibly be a prognostic factor.
Referent/in: Hermann Krastel (Neckargemünd)
Fragestellung: Der Visus erfasst bei AMD nur einen Teilaspekt der Sehstörung. Alterskorrelierte Makulopathien gehen auch mit verminderten Funktionen der Fundus - Peripherie einher, die sich in Großfeld - Dunkeladaptation und im skotopischen Ganzfeld - ERG zeigen. Diese Funktionen sind bei AMD methodisch einfach zu erfassen, weil es nicht auf genaue Fixation ankommt. Ob damit Veränderungen der globalen Netzhautfunktion nach intravitrealer Injektion von VEGF Inhibitoren erkennbar sind, ist offen. Methodik: Die sensorische Dunkeladaptation wird mit einem modifizierten Lichtstimulator (Roland-Consult, Brandenburg) geprüft. Der Leuchtdichtebereich wird durch ein Neutralgraufilter herabgesetzt. Serien von Lichtstimuli werden in Sequenzen von ca. 1 / 0,7 s und ca. 1 / 1,4 s dargeboten. Bei Wahrnehmung signalisiert der Patient diesen Rhythmus. Nach vorheriger Helladaptation wird die Dunkeladaptation über 30 min hinweg registriert. Die retinale Adaptation wird mit skotopischem Ganzfeld ERG gemäß ISCEV Standard geprüft. Cataracta brunescens, diabetische Retinopathie, retinale Gefäßverschlüsse und Opticusneuropathien einschl. Glaukomen sind Ausschlusskriterien. Sensorische und elektroretinale Dunkeladaptation werden vor einer ersten Anti-VEGF Injektion (Lucentis) sowie zwischen 4 und 6 Wochen danach bestimmt. Ergebnisse: Bislang sind 2 männliche und 3 weibliche Patienten mit exsudativer AMD in die Untersuchungsreihe eingetreten, Alter 63 bis 79 Jahre, Obergrenze des korrigierten Visus 0,2. Vor Anti-VEGF Injektion zeigte sich die sensorische Dunkeladaptation zwischen 0,5 und 1,5 logarithmischen Einheiten vermindert, im ERG fanden sich subnormale skotopische Antworten. Die Registrierungen nach Injektion stehen aus. Schlussfolgerung: Die sensorische und retinale Groß- und Ganzfeld – Dunkeladaptation ist bei AMD Patienten reduziert. Ob Auswirkungen intravitrealer Injektion von VEGF Inibitoren bei einer oder beiden Methoden von Adaptometrie sichtbar werden, liegt primär nicht im Erwartungsrahmen der Therapie und steht in Frage. Die bereits gezeigten Minderungen der globalen Dunkeladaptation bei AMD galten bisher nicht als prägendes Merkmal der klinischen Symptomatik.
Referent/in: Julia Löwen (Magdeburg)
Hintergrund: Wir prüften mit dem multifikalen Elektroretinogramm (mfERG) den Zusammenhang reduzierter Netzhautfunktion bei fortgeschrittener Makuladegeneration mit der Reduktion von Sehschärfe, Fixationsgenauigkeit und exzentrischer Fixation. Methodik: 11 Probanden mit einem durch fortgeschrittene Makuladegeneration (6 altersbedingt, 5 juvenil; 18 Augen) bedingten Zentralskotom und exzentrischer Fixation mit einer bevorzugten Netzhautstelle nahmen an der Studie teil. Die Position des PRL (preferred retinal locus of fixation) und die Fixationsgenauigkeit (Fixationshäufigkeit in zentralen 2°) wurden mit funduskontrollierter Mikroperimetrie bestimmt (MP-1, Nidek, It). Für die Messung der mfERGs (VERIS Science, EDI, USA) wurde das Fixationskreuz exzentrisch positioniert, sodass bei Fixation mit dem PRL die Fovea auf das Reizzentrum ausgerichtet war. Die mfERG-Amplituden und Gipfelzeiten wurden für jeden Exzentrizitätsbereich gemittelt und ihre Abhängigkeit von der Sehschärfe [1] und der Fixationsgenauigkeit geprüft. Des Weiteren wurde analysiert, ob veränderte mfERG-Antworten am Ort der PRL im Vergleich zu Referenzorten der Patienten sowie im Vergleich zu einem entsprechenden retinalen Locus bei Kontrollen eine Spezifizierung des PRL mittels mfERG belegen. Ergebnisse: Der Dezimalvisus der Probanden lag zwischen 0,02 und 0,5 (Median: 0,13) [logMAR: 0,26 und 1,68 (Median: 0,89)]. Die Fixationsgenauigkeit lag zwischen 17% und 100% (Median: 42,5%). Die mfERG-Antworten für den Exzentrizitätsbereich von 0,8° bis 3,3° bildeten den Prädiktor für die Sehschärfe (p=0,002 ; r²=0,45) und von 3,3° bis 6,6° für die Fixationsgenauigkeit (p=0,007; r²=0,372). Dabei war das Ausmaß der Reduktion der mfERG-Antworten abhängig von Sehschärfe und Fixationsgenauigkeit. Beim Vergleich von Gipfelzeit-Mittelwerten zeigten die Patienten eine Verzögerung in der Ausprägung der Potentiale in den Exzentrizitätsbereichen: 3,3° – 6,6° und 6,6° – 11,4° (p< 0,001) sowie 17,1° – 23,9° (p=0,002). Die mfERG-Antworten am PRL-Ort unterschieden sich nicht signifikant von Referenzwerten. Diskussion: Die signifikante Korrelation der mfERG-Antworten und Gipfelzeiten mit den Sehfunktionen bei Makuladegeneration mit exzentrischer Fixation belegen für diese fortgeschrittenen retinalen Schädigungen die Aussagekraft von mfERG-Ableitung bei der objektiven Überprüfung der Netzhautfunktion. Es traten keine spezifischen Veränderungen für die mfERGs am PRL auf. [1] Bach M. (1996) Optom Vis Sci. 73:49-53
Referent/in: Caroline Höing (Münster)
Fragestellung: Bei der AMD spielen pathophysiologisch Inflammation und Angiogenese eine große Rolle. In den letzten Jahren wurde Resveratrol als potentiell antiangiogen und antiinflammatorisch beschrieben. Dies verspricht auch Erfolge bei der Therapie und Prävention der AMD. Unsere Studie hatte zum Ziel, die Wirkung von Resveratrol im murinen Laser-induzierten CNV Modell zu quantifizieren. Methodik: C57/BL6 Mäusen applizierten wir täglich 50mg/kg Resveratrol als intragastrale Gavage. Nach 7 Tagen erfolgte die CNV Induktion durch Laser. Jeweils 3 und 13 Tage nach der Laserung wurde der Effekt der Laser- und der Resveratrolbehandlung im Vergleich zu einer ungelaserten und einer gelaserten Kontrollgruppe evaluiert. Folgende Untersuchungen wurden durchgeführt: Real-Time PCR inflammatorischer und proangiogener Gene (VEGF, TNFα, IL6, IL10, IL1β und CX3CR1), durchflusszytometrische Immunzellanalyse in Retina und Choroidea, Beurteilung der Migration CX3CR1 positiver Immunzellen in die Laserherde mittels Autofluoreszenzaufnahmen bei CX3CR1+/GFP knock-in Mäusen und Quantifizierung der Leckage (als „Mittlere Fluoreszenzintensität“ MFI) in der Fluoreszein-Angiographie. Ergebnisse: Unsere Messungen am 3. und 13. Tag nach der Laserbehandlung zeigten eine Expressionserhöhung von VEGF*, TNFα*, IL6*, IL10*, IL1β* und CX3CR1*, eine Rekrutierung von Makrophagen*, Neutrophilen*, Mikrogliazellen* und Dendritischen Zellen* in den Augenhintergrund, eine Migration der Immunzellen in die Laserherde* und die Entwicklung einer Leckage. Die Behandlung mit Resveratrol verminderte 3 und 13 Tage nach Laserbehandlung die Migration von Immunzellen in Retina und Choroidea in der Durchflusszytometrie sowie die Migration in die Laserherde in der Autofluoreszenz*. Resveratrol zeigte außerdem nach 13 Tagen einen leicht verstärkenden Effekt auf die proinflammatische und proangiogene Zytokinexpression (* für VEGF und CX3CR1) und bewirkte eine Verminderung der ΔMFI von Früh- zu Spätphase*. (* statistisch signifikant) Schlussfolgerungen: Resveratrol zeigte in unserer Studie einen signifikant migrationshemmenden Effekt auf Immunzellen sowie eine Reduktion der Leckage, allerdings ergaben sich auch Anzeichen für eine proinflammatorische Wirkung. Der Effekt von Resveratrol auf die Zytokinexpression wird in der Literatur kontrovers diskutiert und zeigte in unseren Experimenten, dass die klinische Anwendbarkeit von Resveratrol noch intensiver geprüft werden muss.
Referent/in: Aljoscha S. Neubauer (München)
Ziel: Für Patienten, die auf die anti-VEGF-Therapie bei neovaskulärer AMD nicht oder nur unzureichend ansprechen, steht die Oraya-Therapie (OT) als Zweitlinientherapie zur Verfügung. Die 2-Jahres-Ergebnisse der INTREPID-Studie (n=230) zeigen bei gleichbleibendem Visus eine signifikant reduzierte Anzahl notwendiger intravitrealer Medikamenteneingaben (IVM). Die OT ist als neue Behandlungsmethode nicht im EBM abgebildet und wird auf Grundlage einer Privatbehandlung (GOÄ) in Rechnung gestellt. Die OT kostet pro Auge 5.307,69€. Mit der vorliegenden Arbeit soll die Kosteneffizienz der OT untersucht werden. Methodik: Es wurde ein Kurzzeit-Kostenmodell mit einem Zeithorizont von 2 Jahren (2a) erstellt. Basierend auf der INTREPID erfolgt ein Kostenvergleich der konventionellen anti-VEGF-Therapie mit der anti-VEGF-Therapie und einer einmaligen OT. Betrachtete Komponenten sind direkt eingesparte IVM, Kontrolluntersuchungen (KU), Hilfsmittel, anti-VEGF-Medikamentenwechsel und Nebenwirkungen von besonderem Interesse (Endophthalmitis, mikrovaskuläre Abnormitäten). Ergebnis: Für die Subgruppe mit einem Durchmesser der AMD-Läsion ≤4mm und einem Makula-Volumen >7,4mm³ zeigte die INTREPID-Studie nach 2a im 16Gy-Arm eine Reduktion der IVM-Anzahl um 3,68 vs. der Schein-Bestrahlungsgruppe. 3,68 IVM entsprechen ~4.500€. Aufgrund der besseren Response im 16Gy-Arm wird auch die Zahl der KU und die Menge der Hilfsmittel reduziert, was ~500€ Kostenunterschied über 2a bedingt. Nach Bestrahlung ist mit weniger Medikamentenwechseln zu rechnen, was über 2a nochmals 1,7 IVM einspart. Aufgrund reduzierter IVM sind weniger Endophthalmitiden zu erwarten. Dies und die in Einzelfällen potentielle Strahlenretinopathie bedingen nur geringe Kosten, sodass sich über 2a eine Kostenreduktion von 6.000-7.800€ errechnet, der die Kosten der OT gegenüberzustellen sind. Sclussfolgerung: Patienten mit neovaskulärer AMD, die nicht oder nicht ausreichend auf intravitreale anti-VEGF-Arzneimittel ansprechen, haben mit der OT die Möglichkeit die drohende Erblindung zu vermeiden, indem sie mit der gezielten Bestrahlung der CNV ein ausreichendes Ansprechen auf die anti-VEGF-Arzneimittel (wieder)herstellen. Aus der Reduktion der Anzahl notwendiger IVM und der Verringerung der Folgekosten resultiert eine Kostenreduktion von bis zu 7.800 € pro Patient über 2a. Die Kostenreduktion übertrifft die einmaligen Kosten einer OT, sodass bereits im kurzen Betrachtungszeitraum von 2a Ausgabenreduktionen für die Krankenversicherungsträger resultieren.