Postersitzungen, Freitag, 2.10.2015

 
Foyer Estrel 13:15 - 14:15 02.10.2015
Postersitzung PFr08
Glaukom: Diagnostik Glaucoma: Diagnostics
Vorsitzende/r: Maren Klemm (Hamburg), Thomas Klink (München)

Referent/in: Gayane Sarkisian (Kharkiv)
Objective: Investigation of the effect of embryonic regulatory neuropeptides complex on the retinal nerve fiber layer thickness and visual field in patients with primary open-angle glaucoma. Materials and Methods: we examined 11 patients (19 eyes) with primary open-angle glaucoma in first, second and third stages, including 7 men, 4 women. The patient’s ages ranged from 62 to 78. All patients received treatment with embryonic regulatory neuropeptides complex (UA patent), obtained by controlled proteolysis of brain proteins cattle embryos. Static computerized perimetry and optical coherence tomography was performed before and after treatment. Results: It was established that the retinal nerve fiber layer thickness (by data of optical coherence tomography) stabilized in 89,5% eyes of patients with primary open-angle glaucoma after treatment with embryonic regulatory neuropeptides complex. Reliable changes of the retinal nerve fiber layer thickness after the treatment was absent (p> 0,05). After the treatment with embryonic regulatory neuropeptides complex stabilization of visual field (the mean deviation MD value) was observed in 94,7% eyes. The drug was tolerated well by all patients. Nobody of patients had the allergic reactions. Conclusion: the application of embryonic regulatory neuropeptides complex in a treatment of the patients with primary open-angle glaucoma contributes stabilization of the retinal nerve fiber layer thickness and visual field.
Referent/in: Antonis Koutsonas (Aachen)
Fragestellung: Eine gute Erfassung der Augendruckwerte und deren Schwankungen ist für das Monitoring von Glaukompatienten essentiell. Die nichtinvasive Selbsttonometrie durch die Patienten im Langzeitverlauf mit einem telemetrischen intraokularen Drucksensor kann wichtige Daten zum individuellen Augendruckprofil liefern. Methodik: Im Rahmen einer prospektiven klinischen monozentrischen Studie wurde bei 6 Patienten mit Offenwinkelglaukom die Implantation eines telemetrischen Drucksensors (ARGOS, Generation 1) im Rahmen der Kataraktchirurgie in den Sulcus ciliaris durchgeführt. Die Patienten wurden auch nach Ablauf der einjährigen Studienlaufzeit weiter ambulant regelmäßig betreut und zur Durchführung einer regelmäßigen Selbsttonometrie mit dem mitgegebenen Lesegerät aufgefordert. Die erhobenen Daten wurden in Diagrammen dargestellt. Dabei wurden die Originalwerte des ARGOS Systems verwendet. Ergebnisse: Bei allen Patienten konnten während der gesamten Follow-up Zeit die Druckmessungen mit dem telemetrischen Sensor erfolgreich durchgeführt werden. Die erfasste Beobachtungszeit seit der Implantation betrug im Mittel 27,7 ± 8,3 Monate (Spannweite zwischen 13 und 37 Monaten / Pat. 1 ist leider kurz nach Abschluss der einjährigen Studie verstorben). Mit dem Lesegerät konnten während dieser Beobachtungszeit im Mittel 844,2 ± 525,5 Einzelmessungen erfasst werden (Anzahl der Messungen nx, wobei x die Patientennummer: n1=223, n2=692, n3=1501, n4=622, n5=1479, n6=548 Messungen). Schlussfolgerung: Die intraokularen Sensoren der 1.Generation zeigten bei allen Patienten eine gute Funktionalität im Langzeit-Follow-up. Die Motivation der Patienten zur Selbsttonometrie war unterschiedlich. Insgesamt konnten jedoch mit dem Sensor sehr viele Einzelmessungen zu verschiedenen Uhrzeiten erfasst werden, somit könnten diese Daten in der Zukunft bei der Betreuung von Glaukompatienten wichtige Zusatzinformationen liefern.
Referent/in: Alexandra Anton (Freiburg)
Fragestellung: Das neue Messgerät Corvis ST (Oculus, Wetzlar, Germany) deformiert die Hornhaut mit einem Lufstoss. Dabei erfasst es eine Hochgeschwindigkeits-Bildsequenz der Hornhautkurvatur. Daraus werden Augendruck, Hornhautdicke und so genannte biomechanische Parameter der Hornhaut abgeleitet wie beispielsweise die maximale Deformationsamplitude, Applanationstiefe und Verformungsgeschwindigkeiten. Die biologischen Wertigkeiten dieser Parameter sind bislang wenig charakterisiert. Über einen Vergleich der Corvis-Messung vor und nach einer LASIK können eine etwaige Hornhautdickenabhängigkeit der Augendruckmessung und auch systematische Änderungen in der einzelnen Corvis-Parametern untersucht werden. Methodik: Bei 30 myopen Patienten (60 Augen) wurde eine LASIK durchgeführt. Eine Messung mit dem Corvis ST erfolgte 2-3 Tage präoperativ sowie 1 Woche und 4 Wochen postoperativ. Der Augendruck und die o.g. Corvis-Parameter wurden mittels gepaartem T-Test vor und nach LASIK verglichen. Ergebnisse: Statistisch signifikante Unterschiede fanden sich für die folgenden Parameter: Pachymetrie: 55µm geringer postoperativ, p< 0,01; Deformationsamplitude 0,11 mm geringer postoperativ, p=0.01; Geschwindigkeit der Hornhaut bei erster Applanation 0,02m/s langsamer postoperativ, p=0.02; Geschwindigkeit der Hornhaut bei zweiter Applanation 0,05m/s langsamer postoperativ, p=0.03; Zeitpunkt der maximalen Konkavität 0,22 ms schneller postoperativ, p=0.4; Folgende Parameter verfehlten die statistische Signifikanz: Augendruck 0,84 mmHg niedriger postoperativ, p=0,07; Abstand der beiden Apices während der Phase höchster Konkavität: 0,13mm geringer postoperativ, p=0,60. Schlussfolgerung: Durch eine LASIK ändern sich viele Messparameter des Corvis ST. Auch der Augendruck wird postoperativ tendenziell niedriger gemessen. Dies ist dadurch erklärt, da sich durch die LASIK die Hornhautgesamtdicke (Gewebeabtrag) und die mechanische Festigkeit (Flap-Schnitt) reduzieren. Weiter gehende Untersuchungen an einer größeren Gruppe müssen nun zeigen, welche Zusammenhänge zwischen den einzelnen Parametern und der Abtragstiefe oder der Flap-Dicke bestehen. Diese Daten ermöglichen möglicherweise eine Kompensation von hornhautintrinsischen Einflussgrößen auf die Augendruckmessung in nicht allzu ferner Zukunft.
Referent/in: Natasa Mihailovic (Münster)
Hintergrund: Ziel dieser Studie war die Evaluation der Handhabung zweier Rebound-Selbsttonometer (iCare ONE und iCare HOME) im direkten Vergleich durch Patienten, welche eine solche Messung zum ersten Mal durchführten. Methodik: Nach der unter Anleitung eigenständig durchgeführten Messung mittels der beiden Tonometer durch die Patienten wurden diese gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Auf einer Skala von 1 = sehr gut bis 5 = mangelhaft wurden die „allgemeine Bedienbarkeit“, das „Sicherheitsgefühl bei der Messung“ und die „Angenehmheit der Messung“ evaluiert. Ebenfalls wurden ärztlicherseits die Umsetzbarkeit und die Messdauer dokumentiert. Ergebnisse: 147 Probanden wurden in die Studie eingeschlossen. Der Mittelwert der Evaluation des Unterpunktes „allgemeine Bedienbarkeit“ des Fragebogens lag bei 2,79 ± 1,01 für das iCare ONE und 1,85 ± 0,87 für das iCare HOME (p < 0,001). Die Fragebogenelemente „Sicherheitsgefühl bei der Messung“ (iCare ONE: 2,71 ± 1,03; iCare HOME: 1,87 ± 0,81; p < 0,001) und „Angenehmheit der Messung“ (iCare ONE: 2,07 ± 1,01; iCare HOME: 1,66 ± 0,72; p = 0,001) zeigten ebenfalls einen signifikanten Unterschied der beiden Tonometer im Vergleich. Es zeigte sich auch eine signifikant kürzere Messdauer für eine valide Messung mit dem iCare HOME (66,14 ± 61,54 Sekunden) im Vergleich zum iCare ONE (81,54 ± 69,51 Sekunden; p = 0,010). Schlussfolgerungen: Sowohl das iCare ONE als auch das iCare HOME Rebound-Selbsttonometer zeigten eine gute Evaluation und damit Akzeptanz der allgemeinen Handhabung durch die Patienten. Im direkten Vergleich jedoch zeigte sich in allen erfragten Subgruppen eine signifikant bessere Bewertung des iCare HOME. Auch brauchten Patienten bei Benutzung des iCare HOME signifikant weniger Zeit für eine valide Messung. Insgesamt lassen sich Rückschlüsse darauf ziehen, dass das iCare HOME im Vergleich zum iCare ONE eine deutliche Optimierung der Handhabung bei Rebound-Selbsttonometern darstellt und damit eine höhere Akzeptanz bei Patienten hinsichtlich einer Selbstmessung erreicht werden kann.
Referent/in: Christian Karl Brinkmann (Bonn)
Fragestellung: Die quantitative Bestimmung der minimalen Randsaumdicke der Nervenfaserschicht an der Bruch‘schen Membran Öffnung (BMO) stellt einen neuen Ansatz in der Glaukomdiagnostik und Verlaufsbeurteilung dar. Sämtliche Axone im retinalen Nervenfaserbündel passieren die Öffnung in der Bruch‘schen Membran. Die Randsaumdicke der Nervenfaserschicht an der BMO kann mittels hochauflösender spectral-domain optischer Kohärenz-Tomographie (SD-OCT) detektiert und quantitativ bestimmt werden. Hier wurde die Reproduzierbarkeit der Messungen untersucht. Methode: Mit dem BMO-Modul in der Spectralis Software Version 6.0 im SD-OCT (Spectralis, Heidelberg Engineering) wurden Papillenaufnahmen von konsekutiven Patienten aus der Glaukom-Spezialsprechstunde aufgenommen. Dabei wurden funduskopische Papillenbefunde und oberflächentopographischer Glaukomdiagnostik (HRT, Heidelberg Engineering) verglichen sowie die Reproduzierbarkeit der Randsaumdickenmesung bestimmt. Ergebnisse: In jeweils ca. 10 Sekunden Untersuchungszeit wurde die BMO-Untersuchung der Papille bei 80 Patienten (36m, 44f, 57±6 Jahre) mit 24 OCT-Radialscans von jeweils 4,6 mm Länge in Miosis durchgeführt. Die Messungen wurden jeweils nach fünf Minuten wiederholt und die Aufnahmen unmittelbar am Bildschirm ausgewertet. Der Bildvergleich ergab individuelle, patientenabhängige Unterschiede zwischen automatisch detektierter BMO und den funduskopisch angenommener Papillengrenze oder Grenzmarkierungen im HRT. Die globale Reproduzierbarkeit der Messung betrug im multiplen Korrelationskoeffizient R = 0,98 (p< 0,01). Unterschiede hinsichtlich Papillentopographie nach I,S,N,T zeigten sich dabei nicht. Schlussfolgerungen: Die automatisch Bildanalyse markiert die BMO mit hoher Reproduzierbarkeit. Glaukomatös verursachte Nervenfaserdefekte können somit untersucherunabhängig erkannt werden. Das neue Analyseverfahren ermöglicht eine individuelle Verlaufsbeobachtung bei Patienten mit Glaukom. Langzeitbeobachtungen der neuen Software müssen zukünftig zeigen, ob die BMO-Untersuchung helfen kann, klinische Veränderungen bei Grenzfällen wie präperimetrisches Glaukom und okulärer Hypertension, vor allem aber anatomisch stark varianten Papillen, frühzeitiger oder präziser zu erfassen als andere morphologische und funktionelle Untersuchungsverfahren.
Referent/in: Eva Koch (Aachen)
Fragestellung: In einer früheren Untersuchung von 27 Patienten mit großen Sehnerven zeigte sich in der Moorfields Regressionsanalyse der Heidelberg Retina Tomografie (HRT) eine Spezifität zwischen 11,1 und 88,9%, je nach Kriterium, für eine physiologischer Exkavation (Klin Monatsbl Augenheilk 2014; 231:164-9). Dieses Kollektiv wurde erneut untersucht, um die Diagnose (physiologische Exkavation oder präperimetrisches Normaldruckglaukom (NDG)) zu reevaluieren. Methodik: 15 Patienten (mittleres Alter 51 ±16 Jahre) des früheren Kollektivs von 27 Patienten mit beidseitiger physiologischer Exkavation bei großem Sehnerv (maximal 3,54mm2) konnten in diese klinische Studie eingeschlossen werden (Nachbeobachtungszeit 9 ±4,4 Jahre, Minimum 3,9 Jahre, Maximum 17,1 Jahre). Bei allen Patienten erfolgte erneut eine Glaukomdiagnostik (Augeninnendruck, Nervenfaser OCT, statische Schwellenperimetrie achromatisch und blau-gelb (Humphrey Field Analyzer), frequenzverdoppelte Perimetrie (Humphrey-Zeiss) und HRT (Software Version 3.0)). Ergebnisse: Alle 15 Patienten waren in der Basisuntersuchung des HRT in der Moorfields Regressionsanalyse als außerhalb normaler Grenzen klassifiziert worden. Im Vergleich zur Basisuntersuchung hatte 1 der 15 Patienten ein perimetrisches NDG entwickelt. 14 von 15 Patienten zeigten keinen glaukomatösen Gesichtsfelddefekt. Bei 2 von 15 Patienten war inzwischen eine antiglaukomatöse Therapie begonnen worden, darunter der Patient mit NDG, sowie ein Patient ohne Defekt in Nervenfaser OCT oder Gesichtsfeld, und keiner Progression im HRT. Bezüglich der HRT Progressionsanalyse zeigte sich in der Stereometric Trend Analysis bei keinem Patienten eine Veränderung. In der Topographic Change Analysis wurden bei 5 Patienten signifikante Veränderungen im Vergleich zur Basisuntersuchung angegeben, bei 4 dieser Patienten zeigten sich weder im Gesichtsfeld noch im Nervenfaser OCT ein glaukomatöser Schaden. Schlussfolgerung: 14 von 15 Patienten zeigten nach 9 Jahren weder in der Gesichtsfelduntersuchung noch im Nervenfaser OCT Glaukomdefekte, trotzdem waren darunter 4 Patienten mit signifikanter Veränderung in der Topographic Change Analysis. Die Untersuchungsergebnisse von HRT, Nervenfaser OCT und Gesichtsfeld zeigen bei der Mehrzahl der Patienten mit großer physiologischer Exkavation mit der Differentialdiagnose präperimetrisches NDG keine eindeutige Übereinstimmung. Die Erkennung eines frühen Glaukomschadens bleibt bei großen Sehnerven eine Herausforderung.
Referent/in: Jonas Gmeiner (Erlangen)
Fragestellung: Das Spectralis OCT ermöglicht eine Messung der Bruch Membran Öffnung basierten minimalen Randsaumweite (BMO-MRW). Ziel war es die Auswirkung der glaukomatösen Optikusatrophie auf die BMO-MRW und die retinale Nervenfaserschichtdicke (RNFS) zu untersuchen und zu vergleichen. Methodik: 130 Augen – davon 28 gesunde Kontrollen, 24 mit okulärer Hypertension, 42 mit präperimetrischem Glaukom und 36 mit perimetrischem Glaukom – wurden untersucht. Wir führten bei allen Patienten eine Spaltlampenuntersuchung mit Funduskopie, Bildgebung mittels SD-OCT und achromatische Perimetrie durch. Visus, Refraktion und Augeninnendruck wurden erfasst. RNFS und BMO-MRW wurden im Gesamtdurchschnitt sowie für jeweils sechs Sektoren bestimmt. Flächen unter der Receiver-Operating-Characteristics-Kurve (AUROC) und Sensitivität bei festgesetzter Spezifität ≥90% wurden ermittelt. Ergebnisse: Die mittlere BMO-MRW Dicke betrug 295.7±93.09 μm in der Kontrollgruppe, 284.5±76.38 μm für okuläre Hypertension, 215.0±66.21 μm für präperimetrische Glaukome und 162.6±48.84 μm für perimetrische Glaukome. Die mittlere peripapilläre RNFS Dicke betrug 92.3±10.79 μm in der Kontrollgruppe, 90.5±11.50 μm für okuläre Hypertension, 77.1±13.12 μm für präperimetrische Glaukome und 62.9±12.74 μm für perimetrische Glaukome. Zur Differenzierung zwischen Gesunden und perimetrischen Glaukomen zeigte der globale RNFS Parameter die größte AUROC (0.951±0.025) und die höchste Sensitivität (85.3%) bei festgesetzter Spezifität von ≥90%. Als bester BMO-MRW Parameter wies der temporal inferiore Sektor eine niedrigere AUROC (0.928±0.034) und eine niedrigerer Sensitivität (73.5%) bei festgesetzter Spezifität von ≥90% auf. Der jeweils beste Parameter zur Unterscheidung zwischen Gesunden und präperimetrischen Glaukomen war die RNFS im temporal inferioren Sektor mit einer AUROC von 0.811±0.052 und einer Sensitivität von 56.1% bei festgesetzter Spezifität von ≥90% sowie die BMO-MRW im temporal superioren Sektor mit einer AUROC von 0.761±0.063 und einer Sensitivität von 43.9% bei festgesetzter Spezifität von ≥90%. In allen Sektoren korrelierten BMO-MRW und RNFS statistisch signifikant (Pearson-Korrelation, p < 0.001). Schlussfolgerung: Glaukomatöse Veränderungen am Sehnervenkopf führen zu einer im Spectralis OCT erfassbaren Dickenabnahme sowohl in der RNFL als auch in der BMO-MRW. Beide Parameter können bei der Diagnose eines präperimetrischen oder perimetrischen Glaukoms hilfreich sein.
Referent/in: Verena Prokosch-Willing (Mainz)
Hintergrund: Die Pulsar Peripetie mit Flicker Stimulus als Ringpattern dient der Glaukomfrüherkennung. Ziel dieser Studie war die Analyse der Korrelation der Nervenfaserschichtdicke mit Spectralis (SD) Optischer Kohärenztomographie (OCT) (Heidelberg Engineering; Heidelberg) und der Pulsar (Haag Streit, Wedel) verglichen mit Weiß-Weiß (Octopus, G-1; Haag Streit, Wedel) Perimetrie. Methoden: In diese prospektive Studie wurden 147 Patienten (294 Augen) eingeschlossen (39,5 % Männer; 60,5% Frauen; Durchschnittsalter: 56 ± 21 Jahre). Die Studienteil-nehmer wurden anhand des Nervenfaserschicht Scores nach Leung 2010 in 105 gesunde Probanden und 42 Probanden mit Frühglaukom eingeteilt. Es erfolgte die Analyse der mittleren Sensitivität (MS, dB), korrigierten Verlustvarianz (cLV), Spezifitäts- und Sensitivitätsbestimmung, Korrelation der Gesichtsfelder (Pulsar, Octopus, G1) mit der SD-OCT Analyse. Die Studie wurde von der Ethikkommission genehmigt. p< 0,05 galt als signifikant. Ergebnisse: Kontroll- und Glaukomgruppe unterschieden sich in der globalen Nervenfaserschichtdicke signifikant (96,26 ± 8,33 µm vs 66,96 ±11,47 µm, p< 0,001). Die MS (cLV) betrug bei gesunden Augen bei der Weiß-Weiß Perimetrie 0,9 ± 2,13 dB (1.97 ± 0,95) und bei Glaukomaugen 5,85 ± 5,62 dB (p< 0,001) (5,40 ± 4,21 (p< 0,001)). Die MS (cLV) bei der Pulsarperimetrie betrug 0,47 ± 2,25 (1,81 ± 0,71) (gesund) sowie 4,89 ± 4,64 (3,31 ± 1,62) (p< 0,001) (Glaukomgruppe). Die Weiß-Weiß vs Pulsar- Perimetrie zeigte eine Sensitivität (Anteil der richtig erkannten Kranken) von 72,3% vs 51,8% mit einer Spezifität (Anteil der richtig erkannten Gesunden) von 80,6% vs 91,9%. Die MS (sLV) der Weiß-Weiß vs Pulsar Perimetrie hatte einen AUC (area under the curve) -Wert von 0,838 ± 0,027 SD (0,788 ± 0,033) vs 0,845 ± 0,026 (0,813 ± 0,028). Bei der Pulsarperimetrie bzw. der Weiß-Weiß Perimetrie korrelierten die MS-Werte mit der RNFL-Dicke am stärksten im temporal-inferioren (r=0,569 gesund und r=0,728 Glaukomgruppe bzw. r=0,398 gesund r=0,735 glaukomatös ) und temporal-superioren Sektor (r=0,551 gesund und r=0,715 Glaukomgruppe bzw. r= 0,396 gesund und r= 0,747 glaukomatös). Alle Korrelationen waren signifikant. Schlußfolgerung: Es gibt hohe Korrelationen zwischen Pulsar, Weiß-Weiß Perimetrie und Nervenfaserschichtanalyse in der Glaukomerkennung mit besten Struktur-Funktionskorrelationen im temporal-inferioren und temporal-superioren Sektor.
Referent/in: Nicole Zimmermann (Berlin)
Hintergrund: Analyse der Vergleichbarkeit der Flimmerperimetrie mittels des neuen Octopus 600 mit dem Prototypen PULSAR. Methoden: Es wurde an 20 Patienten mit einem primär chronischem Offenwinkelglaukom beidseits das 30°-Gesichtsfeld mittels Flimmerperimetrie (dynamische Strategie) an den Perimetern PULSAR und Octopus 600 (Haag-Streit) untersucht. Die Auswertung erfolgte anhand des mittleren Defekts (mean deviation = MD) und der Defekttiefe (lost variance = sLV). Ergebnisse: Die Perimetrie am PULSAR ergab eine MD von 4,8 ± 3,6 dB und eine sLV von 3,6 ± 1,6 dB2 am rechten Auge sowie eine MD von 3,9 ± 3,6 dB und eine sLV von 3,2 ± 0,8 dB2 am linken Auge. Die Perimetrie am Octopus 600 ergab eine MD von 1,7 ± 2,9 dB und eine sLV von 2,3 ± 1,3 dB2 am rechten Auge sowie eine MD von 1,4 ± 2,8 dB und eine sLV von 2,0 ± 0,8 dB2 am linken Auge. Nach Anwendung des t-Tests für verbundene Stichproben lag zwischen den Perimetern beidseits ein signifikanter Unterschied bezüglich der MD (RA p = 0,005, LA p = 0,018) und sLV (sLV: RA p = 0,006, LA p < 0,0001) vor. Die Signifikanz blieb auch nach Bonferoni-Holm-Korrektur bestehen. Schlussfolgerung: Die Untersuchungsergebnisse der Flimmerperimeter sind nicht vergleichbar, weil ein signifikanter Unterschied der MD und sLV vorliegt. Ursächlich sind unterschiedliche Leuchtdichten, Hintergrundhelligkeiten und Farbtemperaturen der Perimeter.