Postersitzungen, Freitag, 2.10.2015

 
Foyer Estrel 13:15 - 14:15 02.10.2015
Postersitzung PFr05
Trauma
Vorsitzende/r: Martin Rohrbach (Tübingen), Klaus-Peter Steuhl (Essen)

Referent/in: Rashid Al Saeidi (Alseeb)
Aim: To report on ocular trauma related to military sector in Oman Design: Case presentation Methods: A 32 year old soldier working in the military sector in the Sultanate of Oman presented to the emergency eye clinic with h/o injury to his left eye of a few hours duration. He was cleaning the cannon – when he pulled at the metal string attached to the cannon, it gave way and struck his left eye. He was in excruciating pain with the metallic string hanging from his left cornea. An emergency surgery under general anesthesia was performed to remove the string from his cornea and primary suturing of the cornea was performed. Results: There was full thickness tear involving the cornea, the iris and lens were damaged. There was total retinal detachment . Removal of the lens, and repair of retina with Silicon oil insertion was performed as a secondary procedure. His final visual outcome in the left eye was 1/60 . Conclusion: Ocular injury is an Ophthalmic Emergency is not infrequent injuries in the army both in during times of war and peace, which needs urgent management .
Referent/in: Khakima Karim-Zade (Duschanbe)
Objective: To examine and conduct a comparative analysis of the clinical and epidemiological features of eye injuries in pediatric patients in Tajikistan in the last decade. Methods: A retrospective chart analysis of patients under the age of 14, who were admitted to the pediatric ophthalmology division of the National Medical Center of the Republic of Tajikistan in 2001-2003 and 2011-2013. Results: Data was divided into 2 groups: Group I combined data from 2001-2003 and included 485 patient, and Group II combined data from 2011-2013 and included 633 patients with eye injuries. The patients ranged in age from 2 months to 14 years. The average age in groups I and II was 6.9 and 7.9 years, respectively. The highest frequency of eye injuries was observed in the 3-5 year age range in the second group (29.6%), and in the 9-11 year age range in the first group (26.4%). Male patients comprised a larger percentage of pediatric inpatients with eye injuries with an overall male to female (M:F) ratio of 2.7:1. This gender disparity was most prominent in the 12-14 year age range (4.4:1 for group I and 4.8:1 for group II). It should be noted that in the 0-2 year age range, the difference in the prevalence of eye injures between males and females was less prominent: 1.6:1 in the I group and 1.9:1 in the II group. In 2001, in this age range, there was a slight predominance of injuries in female patients (0.9:1). Urban populations comprised 33.6% (n=163) of the first group and 29.7% (n = 188) of the II group, while rural populations comprised 66.4% (n = 322) of the I group and 70.3% (n = 445) of the II group. Penetrating injuries of the eyeball were observed in 267 (55.1%) patients in the I, and in 345 (54.5%) patients in the II group. Blunt trauma was seen in 168 (34.6%) cases and in 238 cases (37.6%) in the I and II groups, respectively. Eyelid injuries amounted to 7.8% and 4.6% and burns to 2.5% and 3.3% in the I and II groups, respectively. Time from injury to hospitalization was in average 3.2 days in group I and 1.8 days in group II, difference in time was statistically significant p< 0.001 (t-test). Conclusions: There was no difference in the inter-decade comparison in the clinical and epidemiological features of pediatric eye trauma except time to hospitalisation (reduced by 50%, p< 0.001) due to improved access and increased public awareness.
Referent/in: Josef Märtz (München)
Fragestellung: Die vorliegende Studie beleuchtet das Auftreten von Keratitiden bei oberflächlichen Hornhautverletzungen oder Hornhautfremdkörpern anhand der datenbankgestützten Auswertung klinischer Routinedaten. Methodik: Es wurde eine Datenbankabfrage auf Basis der in der elektronischen Krankenakte erfassten Befunde in unserer Forschungsdatenbank durchgeführt. Der Suchzeitraum reichte vom 01.01.2012 bis zum 28.02.2015. Es wurde nach Patienten mit der Diagnose einer traumatischen Erosio corneae (S05.0) sowie eines kornealen Fremdkörpers (T15.0) gesucht, die sich innerhalb von sechs Wochen erneut in der Klinik vorstellten, und dabei eine Diagnose der ICD-10 Gruppe H16.x (Keratitis) erhielten. Ergebnisse: Im Zeitraum vom 01.01.2012 bis zum 28.02.2015 konnten 6045 Patienten mit den ICD-10 Diagnosen T15.0 und / oder S05.0 in einer Klinik der ophthalmologischen Maximalversorgung identifiziert werden. 3210 Patienten hiervon stellten sich initial mit einem Hornhautfremdkörper vor. Von allen identifizierten Fällen entwickelten insgesamt 86 Patienten (1,42%) zusätzlich eine Keratitis nach ICD-10 (H16.x). Diese war zumeist bereits bei initialer Vorstellung manifest, oder entwickelte sich kurzfristig nach der Erstvorstellung. 49 Patienten mit Hornhautfremdkörper zeigten Befunde einer Keratitis bei der Initialvorstellung oder im kurzfristigen Verlauf. In nur 6 dokumentierten Fällen entwickelte sich nach Fremdkörperentfernung während der Nachkontrollen trotz antibiotischer Lokaltherapie mit Fluorchinolonen ein Hornhautinfiltrat, obwohl bei der initialen Vorstellung kein Hornhautinfiltrat beschrieben worden war. Schlussfolgerungen: Oberflächliche Hornhautverletzungen und Hornhautfremdkörper sind eine häufige Ursache für die Vorstellung in einer augenärztlichen Notfallambulanz. Sie stellen eine Eintrittspforte für Keime dar und sind ein wichtiger Risikofaktor für die nachfolgende Entwicklung einer Keratitis. Trotz lokaler, antibiotischer Therapie nach Fremdkörperentfernung können sich in seltenen Fällen im Krankheitsverlauf infektiöse Keratitiden entwickeln. Kurzfristige augenärztliche Kontrollen von Risikopatienten erscheinen daher empfehlenswert. Die Auswertung datenbankbasierter Routinedaten ist ein Instrument zur Datenanalyse, das eine genaue initiale Dokumentation erfordert. Bei präziser Dokumentation ist die Auswertung datenbankbasierter Routinedaten ist ein geeignetes Analyseinstrument für die retrospektive Datenauswertung.
Referent/in: Christoph Kern (München)
Hintergrund: Es existieren Studien, die einen Einfluss des Wetters auf die Inzidenz verschiedener Allgemeinerkrankungen wie zum Beispiel Kopfschmerzen oder Bluthochdruck belegen. Zum Vorkommen ophthalmologischer Notfälle abhängig vom Wetter gibt es noch keine Untersuchungen. In dieser Arbeit soll deshalb die Inzidenz einiger ophthalmologischer Notfalldiagnosen mit Wetterdaten in Zusammenhang gebracht werden. Patienten und Methoden: Es wurden im Rahmen dieser Studie Abfragen unserer Forschungsdatenbank, die klinische Daten aus der elektronischen Patientenakte als auch die historischen Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes für den Standort München, durchgeführt. Betrachtet wurde die durchschnittliche Anzahl aller verschlüsselten Diagnosen T15.0 („Hornhautfremdkörper“), H10.X („Konjunktivitis jeglicher Genese“), S05.0 („Traumatische Erosio corneae“) und H20.X („Iridozyklitis jeder Genese“) in Abhängigkeit von Sonnenstunden pro Tag, der Durchschnittstemperatur und der maximalen Windgeschwindigkeit. Insgesamt wurden alle Patientenkontakte unserer Klinik im Zeitraum vom 1.1.2014 bis zum 28.02.2015 in die Auswertung mit einbezogen. Es wurde eine lineare Regressionsanlayse durchgefüht um den absoluten Anstieg der Inzidenz der jeweiligen Erkrankung für einen Anstieg der Sonnenstunden, der Durchschnittstemperatur oder der Windgeschwindigkeit um eine Einheit zu berechnen. Zusätzlich wurde eine Regressionsfunktion vom Grad 1 für die verschiedenen Diagnosen und Wettercharakteristika erstellt. Ergebnisse: Im Auswertungszeitraum wurde insgesamt 1187-mal ein Hornhautfremdkörper, 2932-mal eine Konjunktivitis, 1091-mal eine Iridozyklitis und 1127-mal eine Erosio corneae diagnostiziert. Es zeigte sich eine Zunahme der Inzidenz von Hornhautfremdkörpern bei einer Zunahme der Sonnenstunden pro Tag, der Durchschnittstemperatur und der maximalen Windgeschwindigkeit. Ebenso zeigte sich dieser Zusammenhang für die Diagnose Konjunktivitis bei allen drei untersuchten wetterspezifischen Einflussfaktoren. Auf die Inzidenz einer Erosio corneae hatte das Wetter keinen Einfluss. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse dieser Datenauswertung legen einen Zusammenhang zwischen dem Wetter und der Inzidenz ausgewählter opthalmologischer Erkrankungen nahe und können dabei helfen, den Einfluss externer Konditionen auf den Gesundheitszustand einer Population besser zu verstehen. Zudem kann dieses Wissen zukünftig verwendet werden um eine wetterabhängige Personalplanung durchzuführen.
Referent/in: Katharina Müller (Leipzig)
Fragestellung: Offene Verletzungen des Auges infolge tätlicher Auseinandersetzungen können nicht immer exakt rekonstruiert werden. Eine gleichzeitige Verletzung beider Augen entsteht in der Mehrzahl durch eine frontale Gewalteinwirkung. Methodik: Es erfolgte die konsiliarische Vorstellung einer 49-jährigen Patienten nach einem tätlichen Angriff. Der Visus war am rechten und linken Auge auf Lichtscheinwahrnehmung herabgesetzt. Es zeigte sich beidseits ein massives Hyposphagma. Am linken Auge zusätzlich eine Einblutung in die Vorderkammer. Ein Funduseinblick war aufgrund einer Glaskörpereinblutung auf beiden Seiten nicht möglich. Am linken Auge bestand eine Bulbushypotonie. Bei Verdacht auf eine Bulbusperforation am linken Auge, sowie zur weiteren Abklärung einer unklaren Glaskörperhämorrhagie am rechten Auge, erfolgt eine sofortige operative Wundinspektion in Intubationsnarkose. Ergebnisse: Intraoperativ erfolgte beidseits die primäre Wundversorgung multipler Skleraperforationen. Weiterhin wurde das linke Auge mit einer Cerclage versorgt. Bei der weiteren Inspektion fiel eine kreuzförmige Hautwunde links temporal an der Schläfe auf, die ebenfalls durch eine Naht versorgt wurde. Bei Sichtung der Aufnahmen des in der Notfallaufnahme durchgeführten Spiral-CT zeigte sich ein Stichkanal von links temporal durch die Kalotte nach schräg oben durch die Bulbi verlaufend, sowie eine Unterbrechung der ossären Strukturen der Nase und der Sinus ethmoidales. Schlussfolgerung: Die Rekonstruktion des Stichkanals mit transversalem Verlauf der Stichwunde und Doppelperforation des linken und gleichzeitiger Perforation des rechten Auges belegte eindeutig den Tathergang und ergab, dass eine spitze Schraubenzieher-ähnliche Stichwaffe verwandt wurde.
Referent/in: Christian Mayer (München)
Fragestellung: Die posttraumatische Endophthalmitis ist eine seltene, aber für das Sehvermögen des bereits durch das Trauma vorgeschädigten Auges eine zusätzliche schwerwiegende Belastung. Ziel der Untersuchung war den Einfluss der posttraumatischen Endophthalmitis als äußerst bedrohliche Komplikation für den Krankheitsverlauf nach erfolgter Primärversorgung herauszustellen. Methodik: Es wurden in einem 5-Jahres-Zeitraum 149 konsekutive okuläre Traumata mit bulbuseröffnender Verletzung retrospektiv untersucht. Dabei wurde das Entwicklungsrisiko einer posttraumatischen Endophthalmitis in Abhängigkeit zur Schwere der initialen Verletzung, die Diagnosesicherung, das therapeutische Vorgehen, und die Prognose des Sehvermögens bis zu einem Jahr nach der posttraumatischen Endophthalmitis ermittelt. Ergebnis: Im untersuchten Patientenkollektiv trat In 5,4% nach bulbuseröffnender Verletzung eine posttraumatische Endophthalmitis auf. Eine wesentliche Schwierigkeit liegt in der Unterscheidung des vorliegenden posttraumatischen Entzündungsreizes und der Entwicklung einer bakteriellen Infektion. In allen Fällen konnte die Endophthalmitis antibiotisch und operativ beherrscht und das bereits verletzungsbedingte stark eingeschränkte Sehvermögen zumeist erhalten werden. Schlussfolgerung: Alle Patienten profitieren durch eine unverzügliche und intensive individuelle chirurgische Vorgehensweise nach dem Trauma und eine keimspezifische antibiotische und operative Therapie der posttraumatischen Endophthalmitis. Eine therapeutisch ausschöpfende Vorgehensweise lohnt sich demnach immer.
Referent/in: Sophia Abraham (München)
Fragestellung: Die okuläre lokale Betäubung mittels Retrobulbäranästhesie birgt als seltene aber schwere Komplikation die Penetration bzw. Perforation des Bulbus. Innerhalb der letzten 5 Jahre wurden insgesamt 3 Patienten an unserer Klinik vorgestellt, bei denen diese Komplikation aufgetreten war. Methodik: Wir berichten den Fall einer 67jährigen Patientin, die bei uns wegen einer am Vortag begonnenen Kataraktoperation rechts in Lokalanästhesie vorgestellt wurde. Der Eingriff wurde infolge eines ungewöhnlich niedrigen Augeninnendrucks kurz vor Implantation der Kunstlinse und fehlenden Fundusreflexes abgebrochen. Der Visus betrug bei Erstvorstellung am betroffenen Auge HBW und am Partnerauge 0,6, der Augeninnendruck lag bei 15 bzw. 16mmHg. Am rechten Auge zeigte sich eine reizarme Aphakie und funduskopisch ein deutlich reduzierter Einblick bei Glaskörperblutung. Die Ultraschalluntersuchung zeigte eine diffuse subhyaloidale Blutung mit Verdichtung bei 6 Uhr ohne Anhalt für eine Ablatio retinae. Die Achsenlänge des hochmyopen Auges betrug 27,30mm. Ergebnis: Das rechte Auge wurde daraufhin bei Verdacht auf eine iatrogene Bulbusverletzung im Rahmen der Retrobulbäranästhesie vitrektomiert. Intraoperativ zeigten sich nach Entfernung der Glaskörperblutung anliegende Netzhautverhältnisse und die Bestätigung für eine stattgehabte stichförmige Bulbusperforation mit einer typischen Einstichstelle bei acht Uhr peripher sowie eine Austrittspforte oberhalb der oberen Gefäßarkade ohne Netzhautinkarzeration oder Aderhautblutung. Es erfolgte die Versorgung mit Endolaserkoagulation, die Implantation der Kunstlinse und die Glaskörpertamponade mit SF6-Gas-Luftgemisch. Zwei Wochen postoperativ zeigte sich bereits eine Visuserholung auf 0,8 bestkorrigiert sowie stabile Netzhautverhältnisse mit beginnenden Lasernarben im Bereich der beiden Perforationsstellen. Schlussfolgerung: Der vorliegende Fall ermahnt uns erneut, das potentielle Risiko einer Retrobulbäranästhesie gut abzuwägen – insbesondere vor einer elektiven Augenoperation – und die Patienten vor der Lokalanästhesie darüber aufzuklären. Die individuelle Prognose ist je nach Verletzungsmuster durch Makulabeteiligung oder PVR-Ausbildung schwer vorhersagbar. Dennoch muß eine iatrogene Bulbusperforation – wie in diesem Fall – nicht zwangsläufig eine infauste Prognose für das Auge bedeuten.
Referent/in: Vanessa Stahl-Hoffmann (Hahnstätten)
Fragestellung: Wir berichten über 4 Fälle von Epithelimplantationszysten als Folge von intraokulären Eingriffen oder perforierenden Traumata. Die Zysten wurden klinisch auffällig in einem Zeitraum von 9 bis 21 Jahren nach der Bulbuseröffnung. Methodik: Zur klinischen Verlaufskontrolle wurden Fotodokumentationen, Vorderabschnitts-OCTs, Hochfrequenzsonographien sowie Hornhauttopographien durchgeführt. In 3 von 4 Fällen erfolgte eine therapeutische YAG-Laser-Photodisruption. Ergebnisse: Die Epithelimplationszysten post perforierendem Trauma wurden nach 12 bzw. 21 Jahren klinisch auffällig (2 von 4 Fällen). In den anderen beiden Fällen waren Katarakt-Operationen vorausgegangen: 34 Jahre postOp einer kongenitalen Katarakt im 1. Lebensjahr sowie 9 Jahre nach unkomplizierter Phakoemulsifikation einer altersbedingten Katarakt. Als Komplikationen vor eventueller Therapie fanden sich Augeninnendruckdekompensation bzw. Visusreduktion. In der Hochfrequenzsonographie waren die Zysten in 2 Fällen echofrei, in den anderen beiden Fällen fanden sich zelluläre Einschlüsse. Nach erfolgter YAG-Laserkoagulation zeigte sich in 2 von 4 Fällen eine mäßige dauerhafte Verkleinerung. In einem Fall fand sich eine geringe Größenzunahme 7 Jahre nach Laserbehandlung. Schlussfolgerungen: Epithelimplantationszysten stellen eine seltene Komplikation mit z.T. Jahrzehnte langer Latenz nach bulbuseröffenden Ereignissen dar. Die YAG-Laser-Photodisruption zeigte in 2 Fällen eine mäßige bleibende Verkleinerung, in 1 Fall nach Jahren eine geringe, nicht bedrohliche Größenzunahme.
Referent/in: Annekatrin Rickmann (Sulzbach)
FRAGESTELLUNG: Die flexible, individuelle Irisprothese nach Koch, Artificial Iris, dient der Rekonstruktion des vorderen Augenabschnitts bei Patienten mit Aniridie. Irisprothesen können als Teil- oder Vollprothesen, mit oder ohne Polymer-Gewebsschicht (zusätzliche Stabilität) implantiert werden. Diese bislang größte Studie zu Langzeitergebnissen der Irisprothese analysiert funktionelle Ergebnisse und Komplikationen im Langzeitverlauf. METHODIK: In der retrospektiven Fallserie erhielten 31 Augen von 31 Patienten (11 w, 20 m, Durchschnittsalter 48 Jahre) eine Irisprothese. Die mittlere Nachbeobachtungszeit lag bei 54 Monaten. Es wurden kongenitale (n=7), traumatische (n=21) und iatrogene (intraoperative Komplikation) (n=3) Aniridien untersucht. Adjuvant erfolgte eine Phakoemulsifikation (n=5), sklerafixierte IOL (n=9), ppV mit Silikonölwechsel (n=7) oder pKPL (n=4). Analysiert wurden unter anderem BCVA, IOD, intra- und postoperative Besonderheiten. ERGEBNISSE: Von 31 Augen erhielten 25 eine Voll- und 6 eine Teilprothese. In 6 von 31 Fällen wurde die Irisprothese mit Polymer-Gewebe (MG) verwendet. Alle 6 zeigten Komplikationen wie Blutung (3), Entwicklung Glaukom (3) und HH-Trübung (1). Dabei folgte bei 3 von 6 MG-Prothesen eine weitere OP wie pKPL, Ahmed-Valve und VK-Spülung. Bei 25 Prothesen ohne Gewebe (OG) entwickelte sich kein Glaukom. Bei 1 von 25 erfolgte eine Re-ppV. 16 von 31 Augen hatten eine Teil-Aniridie, von denen 5 Augen mit einer MG-Prothese versorgt wurden, die alle innerhalb 1 Jahres ein Nachdunkeln der Iris aufwiesen. Von den 11, die eine OG-Prothese erhielten zeigten nur 3 ein Nachdunkeln. Bei 7 von 31 Augen erfolgte adjuvant eine ppV mit Silikonölwechsel (Trauma). 5 dieser 7 Augen waren prä- und postoperativ hypoton (Mittel 2mmHg). Davon hatten im Mittel nach 2,5 Jahren 3 Augen Silikonöl in der Vorderkammer. Normotone Augen zeigten keinen Übertritt von Silikonöl in die Vorderkammer. Die Visus- und IOD-Entwicklung zeigte keine signifikanten Veränderungen. Die Größe der Prothese (Mittel 11,2mm) hatte keine signifikante Änderung des IOD zur Folge. SCHLUSSFOLGERUNG: Die Artificial Iris eine sehr gute Möglichkeit zur Behandlung der Aniridie mit guter Langzeitverträglichkeit. Die Implantation einer Vollprothese ohne Polymer-Gewebsschicht ist bezüglich der Entwicklung eines Glaukoms und Nachdunkeln der Iris zu empfehlen. Ebenso dient die Irisprothese der Kompartimentierung bei Silikonöl.
Referent/in: Andrea Hoffmann (München)
Fragestellung: Patienten mit traumatischen Irisdefekten haben in der Regel einen hohen Leidensdruck, sowohl durch ausgeprägte Blendempfindlichkeit als auch durch kosmetische Beeinträchtigung. Eine neue Therapieoption besteht in der Implantation einer individuell angefertigten Irisprothese aus Silikon. In dieser Studie wurde erstmalig in einem größeren Patientenkollektiv das Spektrum möglicher Komplikationen erfasst. Methodik: 42 Patienten, die zwischen 2011 und 2014 in der Augenklinik der Technischen Universität München eine Irisrekonstruktion durch Implantation einer ArtificialIris (HumanOptics) erhalten hatten wurden eingeschlossen. Untersucht wurde Art und Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen im Rahmen des Eingriffs und des postoperativen Verlaufs bis zu vier Jahre nach Implantation. Ergebnis: Im untersuchten Patientenkollektiv kam es bei drei Patienten (7,1%) einige Tage postoperativ zu einer Dezentrierung der im Sulcus platzierten, nicht nahtfixierten Irisprothese, die in einem Revisionseingriff repositioniert wurde. Neun Patienten (21,4%) zeigten postoperativ einen erhöhten Augeninnendruck, der auf lokale Therapie gut einstellbar war. Davon hatten sechs präoperativ ein bekanntes Glaukom. In einem Fall zeigte sich ein Glaskörperstrang in der Vorderkammer, der eine Entfernung erforderte. Ein Patient hatte direkt postoperativ rezidivierende Vorderkammerblutungen am ehesten durch mechanische Arrodierung des Ziliarkörpers durch den Implantatrand, ein weiterer eine leichte Glaskörperblutung. In beiden Fällen kam es zu einer Spontanresorption. Zwei Patienten erhielten ein sektorförmiges Teilimplantat, das an der Restiris nahtfixiert wurde. Postoperativ zeigten beide eine Fadendurchwanderung in der Restiris. In zwei Fällen wurde die Artificial Iris in den Kapselsack implantiert. Dabei trat in einem Fall eine Dezentrierung auf, im zweiten Fall eine Stauchung der Irisprothese. Ein Makulaödem zeigte sich bei zwei Patienten (4,8%), in einem Fall konservativ therapierbar. Im zweiten Fall wurde ergänzend Dexamethason intravitreal eingegeben. Bei diesem Patienten kam es außerdem zu einer Hornhautdekompensation weshalb eine Explantation der Artificial Iris erfolgte. Schlussfolgerung: Die Artificial Iris ist eine gute Therapieoption bei Irisdefekten. Allerdings ist aufgrund der oft schwer vorgeschädigten Augen das Risiko von Komplikationen erhöht. Da Langzeiterfahrungen mit dem Implantat bisher fehlen empfehlen wir regelmäßige Nachkontrollen über einen längeren Zeitraum.
Referent/in: Barbara Doschko (Rauenberg)
Insektenhaare oder andere Körperteile von Insekten können zu schwerwiegenden Verletzungen am Auge führen. In der Literatur sind Fälle von granulomatösen Entzündungen wie Keratokonjunktivitis oder Uveitis durch Brennhaare beispielsweise der Vogelspinne beschrieben. Wir berichten von einem 47-jährigen Mitarbeiter, der sich am 19.02.2014 erstmals mit einem seit einigen Tagen bestehenden Fremdkörpergefühl des rechten Auges in der Werksärztlichen Ambulanz vorstellte. Ein Trauma war nicht erinnerlich, ebenso keine Arbeiten mit möglicher Absprengung von Fremdkörpern. Spaltlampenmikroskopisch zeigte sich bei der Untersuchung ein kleiner Epitheldefekt mit einer fadenförmigen, endständig mit einem Widerhaken versehenen Struktur sowie einem umgebenden kleinen Infiltrat. Das Auge war intraokular reizfrei. Am nicht betroffenen linken Auge fand sich ebenfalls ein stromal gelegener, aber reizloser filiformer Fremdkörper. Auf genaueres Nachfragen gab der Patient an, als Hobby-Arachnologe ca. 600 Vogelspinnen in seinem Keller zu beherbergen. Das Fremdkörpergefühl war nach Reinigungsarbeiten mit einem Staubsauger im besagten Keller erstmalig aufgetreten. Aufgrund dieser Anamnese konnte der filiforme Fremdkörper als Brennhaar einer Vogelspinne identifiziert werden. Ein Versuch dieses Brennhaar in toto mit einer FK-Nadel an der Spaltlampe zu entfernen, gelang nicht. Das Haar wurde daraufhin mit einem HH-Bohrer in kleine Fragmente aufgeteilt, die sich zum Großteil mittels der FK-Nadel entfernen ließen. Ein kleines Restfragment hatte sich nach 4 Wochen vollständig aufgelöst. Der corneale Defekt heilte unter antibiotischer Abdeckung und Hornhautpflege problemlos ab. Eine Therapie mit topischen Steroiden war nicht erforderlich. Im Rahmen einer Kontrolle nach einem Jahr zeigte sich beidseits ein reizloser Befund der vorderen und hinteren Augenabschnitte. Der Mitarbeiter gibt an, bei Reinigungsarbeiten inzwischen eine Korbbrille zu tragen. Obwohl Vogelspinnen inzwischen als harmlose Haustiere gelten, können ihre Brennhaare nicht nur an der Haut sondern auch an den Augen zu starken Irritationen und komplizierend schwerwiegenden Entzündungen wie der Ophthalmia nodosa führen. Bei unklaren Entzündungen der vorderen und hinteren Augenabschnitte, zumal bei gleichzeitiger spaltlampenmikroskopischer Identifikation filiformer Fremdkörper, sollte daher bei der Anamnese immer auch gezielt nach Kontakt zu Insekten (z.B. Vogelspinnen, Raupen) gefragt werden.