Postersitzungen, Donnerstag, 1.10.2015

 
Foyer Estrel 13:15 - 14:15 01.10.2015
Postersitzung PDo10
Presbyopie / Katarakt / Nachstar / Biometrie Presbyopia / Cataract / Secondary Cataract / Biometry
Vorsitzende/r: Fritz Hengerer (Frankfurt), Peter Szurman (Sulzbach)

Referent/in: Nora George (Potsdam)
Hintergrund: Als mögliche Komplikation nach YAG-Kapsulotomie wird u.a. das Makulaödem aufgeführt. Jedoch sind in der Literatur wenige Daten diesbezüglich zu finden, vor allem in Hinblick auf eine mögliche präventive Therapie gibt es keine einheitlichen Empfehlungen. Daher untersucht diese Studie die Entwicklung eines Makulaödems in Abhängigkeit vom Therapie-Regime (mit oder ohne lokales nichtsteriodales Antiphlogistikum (NSAR)). Methoden: In 40 Augen von 36 Patienten wurden präoperativ, eine Woche postoperativ und 1 Monat postoperativ der bestkorrigierte Visus und die foveale Netzhautdicke mittels dem Spectralis OCT (Firma Heidelberg Engineering) erhoben. Die YAG-Kapsulotomie wurde mit dem Visulas YAG II Plus (Firma ZEISS) durchgeführt. Die Patienten wurden in 2 Gruppen aufgeteilt. Die Gruppe 1 bekam prä- und postoperativ keine Lokaltherapie. Die Gruppe 2 bekam präoperativ eine Tropfserie mit Nepafenac-Augentropfen (Nevanac®, Firma Alcon), sowie postoperativ 3 x täglich für insgesamt eine Woche. Ergebnisse: Es konnte präoperativ eine foveale Netzhautdicke im Median von 234µm (Min. 211µm; Max. 269µm) in Gruppe 1 und im Median 233,5µm (Min. 192µm; Max. 343µm) in Gruppe 2 gemessen werden. Der Median des Visus 1 Monat post-interventionell lag bei 0,9 (logMar 0,05). Es zeigte sich keine signifikante Differenz der fovealen Netzhautdicke eine Woche (Gruppe 1: Median -2µm (Min. -18µm; Max. 20µm); Gruppe 2: Median -0,5µm (Min. -6µm; Max. 12µm)) und ein Monat postoperativ (Gruppe 1: Median -4µm (Min. -17µm; Max. 13µm); Gruppe 2: Median 3µm (Min. -11µm; Max. 13µm)). Schlussfolgerung: In keiner Gruppe zeigen sich statistisch signifikante Veränderungen der fovealen Netzhautdicke. Somit ist die peri-operative Gabe von NSAR-Augentropfen zu überdenken.
Referent/in: Pongsthorn Piravej (München)
Einleitung: Der Nachstar tritt innerhalb der ersten 10 Jahre nach Operation bei 60% der Patienten auf. Verschiedene prä-klinische Studien beschreiben Substanzen die als mögliche pharmakologische Nachstarprophylaxe zum Einsatz kommen könnten. Im Folgenden sollen diese Pharmaka anhand der Wirksamkeit und ihrer Toxizität in-vitro miteinander verglichen werden. Bewusst wurden zur weiteren Evaluation nur diejenigen Stoffe ausgesucht, die bereits anderweitig klinisch zugelassen und nicht mutagen oder genotoxisch waren. Methoden: Die Simulation der Nachstarentstehung erfolgte durch Linsenepithelzellkultur (FHL-124). Die einzelnen Pharmaka (Betamethason, Curcumin, Diclofenac, Disulfiram, Indomethacin, Lidocain, Methotrexat, Mibefradil, Minoxidil und Prednisolon) wurden der Zellkultur in verschiedenen Konzentrationen zugegeben. Anhand des kolorimetrischen XTT–Tests wurde die Proliferation und die Zytotoxizität untersucht. Die IC50 und die niedrigste toxische Konzentration wurden bestimmt. Ergebnisse: Die niedrigste Toxizität war: Curcumin 5 μM, Lidocain 1 mM, Mibefradil 5 μM und bei folgenden Stoffen innerhalb der Löslichkeit des Stoffes in Zellkultur nicht nachweisbar: Betamethason, Diclofenac, Disulfiram, Indomethacin, Methotrexat, Minoxidil und Prednisolon. Die IC50 Werte zeigten sich bei: Curcumin 6 μM, Diclofenac 75 μM, Disulfiram 300 nM, Lidocain 260 μM, Methotrexat 100 nM. Bei folgenden Stoffen war keine Hemmung der Linsenepitheltzellprolfieration nachweisbar: Betamethason, Indomethacin, Minoxidil, Mibefradil, Prednisolon. Schlussfolgerung: Der direkte Vergleich der in der Literatur vorgeschlagenen Substanzen ermöglicht die Festlegung der besonders erfolgsversprechenden Pharmaka zur Nachstarprophylaxe. Methotrexat und Disulfiram erwießen sich als die wirksamsten und am wenigsten toxischen Pharmaka und soll deshalb in Zukunft sowohl in-vitro als auch in-vivo näher evaluiert werden.
Referent/in: Alexander Kueres (München)
Fragestellung: Die häufigste Komplikation nach Katarakt Operation ist der Nachstar. Es konnte gezeigt werden, dass der selektive Inhibitor des EGF-Rezeptors, Erlotinib, in vitro und im ex-vivo humanen Kapselsackmodell die zellulären Grundlagen des Nachstars hemmen kann. Bisher gibt es keine geeignete Möglichkeit das Pharmakon in das Auge zu applizieren. Im Folgenden sollen, mit Erlotinib beladene, IOLs als Medikamententräger zur Nachstarprohylaxe in-vitro näher untersucht werden. Methodik: Die IOLs werden mit einer 1mM Erlotiniblösung modifiziert. Die modifizierten IOLs wurden in Zellkultur überführt, und mittels des kolorimetrischen XTT-Tests die Zellproliferation auf den IOLs determiniert. Analog dazu wurden die IOLs mit dem in-vitro Vorderkammermodell nach Gotoh et al. (IOVS 2007) untersucht. Die Entstehung des Nachstars an modfizierten IOLs wurde im humanen Kapselsackmodell an 10 humanen Augen von 5 menschlichen Spendern evaluiert. Alle Augen wurden im Labor nach den Vorgaben der Deklaration von Helsinki und nach Zustimmung der lokalen Ethikkommission analog zur modernen Kataraktchirurgie präpariert. Ergebnis: Im Vergleich zur unbehandelten Kontroll-IOL konnte die Erlotinib beladene IOL die Zellproliferation, sowohl in der Kultur im MTT-Test (p=0.004), als auch im Vorderkammermodel nach Gotoh (p=0.02) signifikant reduzieren. Im ex-vivo humanem Kapselsackmodel konnte die Zeit bis zur Konfluenz der Zellen im Kapselsack ungefähr verdoppelt werden (p=0.001). Schlussfolgerungen: In Zukunft könnten medikamentös beladene IOLs die Entwicklung eines Nachstars verlangsamen und sind so ein vielversprechender Ansatz, um die Effizienz der Kataraktchirurgie weiterhin zu verbessern.
Referent/in: Laura Wernecke (Berlin)
Fragestellung: Aufgrund des sich noch entwickelnden visuellen Systems stellt die Behandlung der kindlichen Katarakt eine große Herausforderung dar. Eine häufige Komplikation nach Kataraktoperation bei Kindern ist der Nachstar, zu dessen Pathogenese in dieser Altersgruppe kaum Daten existieren. Ziel dieser Studie ist es, die an der Entstehung des kindlichen Nachstars maßgeblich beteiligten Zelltypen besser zu erforschen und Ansatzpunkte zur Prophylaxe des kindlichen Nachstars zu etablieren. Methodik: Unter sterilen Bedingungen wurden während 4 Kataraktoperationen an Kindern die Vorderkapseln mit anheftenden Linsenepithelzellen (hLEC) entnommen und unmittelbar danach kultiviert. Die Analyse der Zellen erfolgte lichtmikroskopisch sowie molekulargenetisch mittels quantitativer real-time PCR (qRT-PCR). Zum Zeitpunkt der Operation waren alle eingeschlossenen Patienten jünger als 1 Lebensjahr. Gleiche Experimente wurden bei der Linsenzelllinie HLE-B3 (ATCC) durchgeführt. Durch eine zusätzliche 48stündige Stimulation dieser Zellen mit TGFβ2 (10 ng/ml) konnten sie als Vergleichsgruppe genutzt werden. Ergebnisse: Die Analyse der kindlichen hLEC ergab 1,1-4,4fach erhöhte Expressionsraten für die Gene IntegrinαV, Connexin43 und Fibronektin verglichen mit der stimulierten Linsenzelllinie. Die mRNA-Expression von CrystallinαB, Collagen1α2 sowie α-smooth-muscle-actin war 20-56fach gesteigert. Durch die Stimulation der HLE-B3 mit TGFβ-2 wurden die Expressionsraten der Gene von CrystallinαB (224%), IntegrinαV (155%), Collagen1α2 (262%) sowie Fibronektin (323%) signifikant heraufreguliert (p< 0,05). Bei Connexin43 und α-smooth-muscle-actin zeigten sich hingegen keine signifikanten Veränderungen. Schlussfolgerung: Wir konnten zeigen, dass den untersuchten Genen eine wichtige Rolle in der Pathologie der kindlichen Katarakt zuzuschreiben ist. Damit ist die Grundlage für die Erprobung von Substanzen zur Nachstarprophylaxe bei Kindern gelegt.
Referent/in: Urs Voßmerbäumer (Mainz)
Fragestellung: Im Gegensatz zu kongenitalen Katarakten sind Linsentrübungen, die sich im Jugend- und jungen Erwachsenenalter manifestieren nicht unmittelbar durch den Manifestationszeitpunkt definiert. Es wurden verschiedene kausale genetische Mutationen identifiziert, die jedoch nur einen Teil der Fälle erklären. Wir beschreiben eine mehrfach angetroffene Pathologiekonstellation, die in der Literatur bislang keine Entsprechung findet. Methodik: Die Fallserie umfasst 8 Patienten (4 männlich, 4 weiblich), die sich im mittleren Alter von 36 Jahren (18-48) mit einer charakteristischen beidseitigen Linsentrübung vorstellten. Anamnestisch war zwischen dem 13. und 24. Lebensjahr erstmalig eine Linsentrübung diagnostiziert worden. Bei zwei Patientinnen handelt es sich um Schwestern, in deren Familie über drei Generationen hinweg Katarakte im jungen Erwachsenenalter aufgetreten waren. Es bestanden keine sonstigen bekannten systemischen oder okulären Erkrankungen. Ergebnis: Der Nucleus war homogen in Form feinster sprühnebelartiger Konsistenz getrübt, was spaltlampenmikroskopisch einen Aspekt ähnlich wie gefrorenes Wasser erzeugte. In scharfer Delineation hierzu waren Epinucleus, Cortex und Kapsel vollständig klar und wiesen keinerlei Trübungen oder sonstige Veränderungen auf, auch alle übrigen intraokularen Strukturen waren regelrecht. Bei einer mittleren Hornhautradiendifferenz von 0,56 mm (0,21-0,9) lag bei allen Patienten ein cornealer Astigmatismus von >1,5 dpt vor. Es bestand hohe Blendungsempfindlichkeit, der mittlere bestkorrigierte Visus lag bei 0,63. Es wurde Phakoemulsifikation in bimanueller Mikroinzisionstechnik durchgeführt mit Implantation trifokal torischer Intraokularlinsen. Der postoperative unkorrigierte Fernvisus lag im Mittel bei 0,9 (0,8-1,6), für die Nähe und Intermediärdistanz wurde unkorrigiert 0,9 (0,8-1,6) erreicht. Schlussfolgerung: Es gibt bei Patienten im Jugend- und Erwachsenenalter eine charakteristische Form der nucleären Opazifikation, deren Auftreten mit cornealem Astigmatismus assoziiert ist und zu starker Blendempfindlichkeit führt. Die Implantation multifokaler Intraokularlinsen im Rahmen der erforderlichen Kataraktoperation kann eine nahezu optimale visuelle Rehabilitation des jungen Auges ermöglichen.
Referent/in: Anja Viestenz (Homburg/Saar)
Hintergrund: Der intraokulare Druck (IOD) kann bei Lokalanästhesie (RBA) in der Orbita durch das injizierte Volumen ansteigen. Durch die Okulopression wird eine Verteilung des Lokalanästhetikums erreicht. Ziel der Studie war die Analyse der IOD-Entwicklung und der okulären Pulsamplitude (OPA) unter RBA. Patienten und Methoden: Die Patienten erhielten eine RBA von 5 ml und eine 5-minütige Okulopression mit 40 mmHg. Davor und danach erfolgte die handgehaltene Tonometrie mit dem dynamischen Contour-Tonometer (DCT, PASCAL, Ziemer). Bei allen Patienten wurde eine Biometrie erhoben. Ergebnisse: 85 Patienten wurden untersucht (36 Männer, 49 Frauen). Zwei Augen waren aphak, 74 phak und 9 pseudophak. Das mittlere Alter betrug 71 ± 12 Jahre. Unter RBA sank der mittlere IOD nicht signifikant von 16,8 ± 7,7 mmHg auf 15,3 ± 7,0 mmHg (p=0,1) und die OPA signifikant von 4,4 ± 2,0 auf 3,1 ± 1,8 mmHg (p< 0,001). Bei 19 Patienten war eine zweite Injektion erforderlich: In dieser Gruppe blieb der IOD stabil (15,6 mmHg vor Injektion vs. 15,8 mmHg nach 2 RBAs, p=0,9), die OPA hingegen sank erneut signifikant ab (4,6 mmHg vor vs. 2,5 mmHg nach 2 RBAs, p=0,008). Schlussfolgerung: Die Okulopression kann im Rahmen der RBA die okuläre Pulsamplitude signifikant absenken. Die IOD-Senkung hingegen ist nur marginal.
Referent/in: Gangolf Sauder (Stuttgart)
Zielsetzung: Zur Überprüfung der Validität von intraoperativer Aberrometrie vergleichen wir Messungen am aphaken Auge mit der präoperativen Biometrie des IOL Master. Zusätzlich werden die intraoperativ vorgeschlagenen monofokalen IOLs den präoperativ berechneten IOLs gegenübergestellt und anhand der subjektiven Nachuntersuchungsergebnisse gewertet. Methode: Diese Studie wurde mithilfe des intraoperativen Aberrometer I-O-W-A (Eyesight&Vision) durchgeführt. Nach der Extraktion des Katarakts wurde die Refraktion des aphaken Auges intraoperative gemessen. Diese Refraktion wurde mit der Biometrie des IOL Master verglichen. Ferner wurde das intraoperativ gemessene sphärische Äquivalent in die Haigis Formel eingesetzt, um intraoperativ die optimale Linse zu bestimmen. Auf Basis dieser Linsendaten wurde die Performance der intraoperativen IOL-Vorhersage anhand der subjektiven postoperativen Refraktion bewertet. Ergebnis: In die Auswertung fließen die Messungen an 50 Augen ein. Dabei haben wir eine hervorragende Übereinstimmung der intraoperativen Aberrometrie mit der erwarteten Refraktion anhand biometrischer Daten festgestellt. Retrospektiv ergab die intraoperative Aberrometrie am aphaken Auge in 87% (40%) der Fälle eine Abweichung um ±1dpt (±0.5dpt) von der Zielfraktion. Schlussfolgerung: Die starke Korrelation zwischen intraoperativer Aberrometrie und Biometrie legt die Validität der intraoperativen Messung samt Verifikation der IOL während der OP nahe.
Referent/in: Tamer Tandogan (Heidelberg)
Fragestellung: Bestimmung verschiedener Einflussfaktoren auf die intraoperative Wellenfrontmessung, wie Benetzung der Hornhaut, Entfaltungsverhalten der IOLs, Hypotonie oder Auswirkung der Anästhesiemethode Methodik: Diese Studie wurde mit Hilfe des intraoperativen Aberrometer I-O-W-A (Eyesight & Vision, Deutschland) durchgeführt. Dabei wurde eine Vielzahl von Einflüssen auf die intraoperative Refraktionsmessung experimentell ermittelt. Folgende Einflüsse auf die Refraktionsänderungen des Auges wurden untersucht: Austrocknung der Cornea, Untertonisierung sowie die Wirkung unvollständig entfalteter IOLs auf die pseudophake Messung. Darüber hinaus beobachteten wir sogar eine Abhängigkeit der Wahl des Anästhetikums. Ergebnis: Insgesamt wurden die Einflussfaktoren bei 100 Augen untersucht. Wir beobachteten eine rasche Abnahme der Hornhautbrechkraft bei trocknender Hornhaut als auch bei hypotonisierten Augen. Die Ergebnisse der intraoperativen pseudophaken Aberrometrie hängen unter anderem auch von der Fähigkeit einer IOL ab, sich schnell zu entfalten. Weiterhin spielt die Mitarbeit des Patienten eine wichtige Rolle, da er die Sehachse im Idealfall auf das Aberrometer ausrichten soll. Daher ist die Wahl der Anästhesie auch relevant für zuverlässigere Messungen.. Schlussfolgerung: Die intraoperative Wellenfrontmessung weist spannende neue Wege auf, das vorhergesagte operative Ergebnis noch im OP zu überprüfen. Wir identifizieren und veranschaulichen Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche intraoperative Messung, um ein zuverlässiges Resultat zu liefern.