Freie Vortragssitzungen, Sonntag, 4.10.2015

 
Saal 3 08:30 - 10:00 04.10.2015
Freie Vortragssitzung So05
Tumoren extraokular Tumors extraocular
Vorsitzende/r: Karl-Heinz Emmerich (Darmstadt), Wolfgang E. Lieb (Karlsruhe)

Referent/in: Christian Eulufi (Berlin)
Fragestellung: Talgdrüsenkarzinome sind seltene Tumoren, die klinisch wenig charakteristisch sind und oft mit Chalazion, chronischer Blepharitis oder Karunkeltumoren verwechselt werden. Die Diagnose wird meistens erst histologisch gestellt. Sie können sporadisch oder im Rahmen eines Muir-Torre-Syndroms auftreten. Das Muir-Torre-Syndrom ist eine seltene autosomal-dominant vererbte Genodermatose, gekennzeichnet durch Auftreten multipler Talgdrüsentumore assoziiert mit mindestens einem viszeralen Malignom ohne prädisponierenden Faktor. Es geht üblicherweise mit Mikrosatelliteninstabilität und verminderter Expression der Gene, die für die DNA-Mismatch-Reparaturproteine MSH-6, MSH-2 und MLH-1 kodieren, einher. Wir wollen wissen, ob der immunohistologische Nachweis verminderter Expression der DNA-Mismatch-Reparaturproteine in Talgdrüsenkarzionomexzisaten auf eine systemische Assoziation mit einem Muir-Torre-Syndrom schließen lassen kann. Methoden: Wir haben Material von 14 Patienten mit periokulärem Talgdrüsenkarzinom immunohistologisch auf die Expression der DNA-Mismatch-Gene MSH-6, MSH-2 und MLH-1 untersucht. Ergebnisse: Bei einem der 14 Patienten (7%) lag ein Muir-Torre-Syndrom vor. Hier zeigte die Immunohistolgie eine verminderte Expression von MSH-2 und MSH-6. Bei den weiteren 13 Patienten (92%) gab es keinen Hinweis auf eine viszerale Manifestation. Bei allen wurde immunohistologisch die Expression von MSH-6, MSH-2 und MLH-1 nachgewiesen. Schlussfolgerung: Bei Patienten, bei denen eine verminderte Expression einer der 3 DNA-Mismatch-Reparaturproteine MSH-6, MSH-2 oder MLH-1 nachgewiesen werden kann, sollten regelmässige Früherkennungsmassnahmen bezüglich einer systemischen Assozioation mit einem Muir-Torre-Syndrom erfolgen. Kann jedoch die normale Expression aller 3 DNA-Mismatch-Reparaturproteine belegt werden, so kann die Assoziation mit einem Muir-Torre-Syndrom ausgeschlossen und im Verlauf auf Vorsorgeuntersuchungen wie regelmässige Kolonoskopien und CTs verzichtet werden.Die Immunfärbung hat den Vorteil nicht invasiv, schnell und relativ preisgünstig zu sein. Des weiteren erlaubt sie ein genaue Bestimmung des implizierten Mismatch-Reparaturproteins. Aufgrund der geringen Fallzahl sind jedoch weitere Studien erforderlich um eine klare Korrelation zwischen verminderter Expression in der Immunfärbung und Assoziation mit einem Muir-Torre-Syndrom zu etablieren.
Referent/in: Dirk Dekowski (Essen)
Fragestellung: Die Biomarker p63 und SOX werden in Plattenepithelkarzinomen (PE-Ca) unterschiedlicher Körperlokalisationen exprimiert. Ihnen scheint eine Bedeutung bei der Progression der Tumore zuzukommen. In okulären PE-Ca wurde das Auftreten der Marker bisher nicht untersucht. Ziel dieser Untersuchung war es die Expressionsmuster für p63, SOX2 und das bindehautspezifische Cytokeratin K19 mit den klinischen Daten der Patienten abzugleichen, um eine mögliche Wertigkeit dieser Marker bei der Prognose von PE-Ca der Bindehaut zu evaluieren. Methodik: Für die Studie erfolgte die Aufarbeitung und Auswertung von insgesamt 65 Tumorproben aus histopathologisch bestätigten PE-Ca der Bindehaut. Die Gewebeproben wurden an Paraffinschnitten auf den Proliferationsmarker p63, den Pluripotenzmarker SOX2 und den Bindehaut spezifischen Marker K19 gefärbt. Für die jeweiligen Marker wurde dann der Immunoreaktive Score (IRS) ermittelt und mit den klinischen Daten verglichen. Ergebnisse: Insgesamt erfolgte bei 14 Patienten eine primäre Exenteratio, die übrigen konnten Bulbus erhaltend therapiert werden. Bei 60% dieser primären Exenterationes zeigte sich eine Kombination aus einer simultan starken Expression von SOX2 und p63. Die Expression von K19 hingegen war bei in 60% der Exenterationes negativ. Insgesamt war in 76% der Schnitte der IRS für K19 negativ. In einem Einzelfall, der eine besonders starke simultane Expression von SOX2 und p63 aufwies fand sich bei Diagnosestellung auch ein infiltrierter Bulbus, sowie eine Metastasierung der Halslymphknoten. In einem anderen Fall kam es nach einer R0-Resektion und anschließender MMC Therapie zu einem schnell wachsenden Rezidiv mit Bulbusinfiltration, so dass schließlich eine Exenteratio erfolgte. Hier war ebenfalls ein simultan starkes Expressionsmuster für SOX2 und p63 auffällig. Schlussfolgerungen: Der hohe Anteil von 76% an negativer K19 Expression erklärt sich unserer Meinung nach aus dem weitest gehenden Verlust der Differenzierung der Tumorzellen. Die simultan starke Expression von SOX2 und p63 ging in Einzelfällen mit besonders schweren Tumorverläufen einher. Ein möglicher Zusammenhang zwischen einer SOX2 Expression und der Expression von p63 auf den Verlauf scheint möglich, lässt sich aber an Hand des vorhandenen Materials statistisch noch nicht eindeutig belegen. Bei PE-Ca des Ösophagus scheint es hingegen einen direkten Zusammenhang zwischen der Expression von SOX2 und einer ungünstigen Prognose zu geben.
Referent/in: Ahmad Rahal (Essen)
Hintergrund: Über die interdisziplinäre Therapie der ausgedehnten konjunktivalen Plattenepithel-Karzinome und CIN mittels radikaler Tumorresektion, Bindehaut- und Fornixrekonstruktion mit Amnionmembran und Mundschleimhaut zu berichten. Methoden: 80 Patienten (87 Augen), die zwischen 2000 und 2015 operiert worden sind, wurden retrospektiv untersucht. Nach inzisionaler Biopsie aus dem Tumor (histologische Diagnosesicherung), Bindehaut-Mapping (Tumorausdehnung) und Tumor-Staging erfolgte die Resektion des Tumors bzw. der befallenen Bindehaut. Der weitere Behandlungsverlauf wurde durch eine Fotodokumentation bzw. erneute Biopsierung bei Befundänderung beurteilt. Die Bindehaut- und Fornixrekonstruktion erfolgte mit Amnionmembran und Mundschleimhaut. Bei nicht R0-resezierten Tumoren wurde eine adjuvante Lokaltherapie mit Mitomycin C und/oder Interferon alpha2b durchgeführt. Die Rezidivrate, die Funktion, die Komplikationsrate und Folgeoperationen wurden beurteilt. Ergebnisse: Der durchschnittliche Nachbeobachtungszeitraum betrug 40,57 Monate. Bei allen Augen konnte eine bulbus- und funktionserhaltende Therapie durchgeführt werden. Komplikationen waren Symblepharonbildung, Lidfehlstellung (Entropium, Ektropium, Distichiasis), Motilitätsstörungen. Diese konnten zum größten Teil durch Folgeoperationen korrigiert werden. Schlussfolgerungen: Die aktuellen Daten zeigten weiterhin , dass der interdisziplinäre Ansatz zur Tumorresektion, Bindehaut- und Fornixrekonstruktion mit Amnionmembran und Mundschleimhaut auch bei sehr ausgedehntem Tumorbefall der tarsalen und fornikalen Bindehaut eine bulbus- und funktionserhaltende Therapie ermöglicht. Die Rezidivrate ist gering und der funktionelle Erfolg ist hoch. Lidfehlstellungen und Symblepharonbildung sind häufige Komplikationen, die aber sekundär operativ korrigiert werden können.
Referent/in: Simone Scholz (Essen)
Hintergrund: Protonen-Radiotherapie stellt eine Alternative zur Exenteratio bei einem diffusen und multifokalen konjunktivalen Melanom dar. Ziel dieser Studie war die Evaluation der Langzeitergebnisse der mit Protonen bestrahlten Bindehautmelanome unter Berücksichtigung von verschiedenen klinischen Parametern, wie Lokalisation und Inzidenz der lokalen Rezidive, Metastasenrate und potenzielle Komplikationen wie Katarakt, Limbusstammzellinsuffizienz, Sicca-Syndrom oder sekundär Glaukom. Methode: 75 Patienten mit ausgedehntem konjunktivalem Melanom (TNM-Stadium T2 oder höher) wurden mit Protonen bestrahlt. Das Zielvolumen bestand aus einem größerem Areal, welches die mikroskopisch suspekten Bereiche abdeckte und mit einer Dosis von 31Gy in sechs Fraktionen bestrahlt wurde. Ein kleineres „hochrisiko“ Areal, mit klinisch detektierbarem Tumor, erhielt zusätzlich einen Boost von 14Gy in zwei Fraktionen. Zur Tiefe hin wurden nur 2 mm erfasst. Ergebnisse: Der mittlere Beobachtungszeitraum betrug 76,6 Monate (Intervall: 3,9- 407,6 Monate). Ein lokales Rezidiv trat bei 45,3% (n=34) der Patienten auf. Die meisten Rezidive entstanden im dritten Jahr nach Therapie. 47% der Rezidive traten außerhalb des Strahlenfeldes auf, 41% im Niederdosis-Strahlenfeld 12% im „Boost“ Feld. Bei 20 Patienten (26,6%) musste im Durchschnitt nach 74 Monaten nach Erstdiagnose und nach 30 Monaten nach Protonen-Radiotherapie eine Exenteratio durchgeführt werden. Metastasen wurden bei 12 Patienten (16%) diagnostiziert, von denen 7 Patienten auch ein lokales Rezidiv hatten. Tränenersatzmittel benötigten 50 Patienten, 32 Patienten sogar mehr als 5x täglich. Nach Protonen-Radiotherapie trat eine signifikante Visusminderung auf. 9 Patienten entwickelten ein sekundär Glaukom, 13 Patienten eine fokale Katarakt und 12 Patienten eine Limbusstammzellinsuffizienz. Schlussfolgerung: Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Protonen-Radiotherapie bei diffusen und multifokalen Melanomen eine effektive Alternative zur Exenteratio darstellt, diese konnte in fast 75% verhindert werden. Eine Optimierung der Therapie ist eventuell durch eine erhöhte Strahlendosis zu erreichen.
Referent/in: Annemarie Klingenstein (München)
Fragestellung: Die kombinierte Positronenemissionstomographie (PET) / Computertomographie (CT) ermöglicht eine präzise Aussage über die Tumormorphologie sowie den Tumormetabolismus. Mittlerweile sind verschiedene selektive Tracer verfügbar. Diese ermöglichen sowohl eine Aussage über die Tumorvitalität als auch, durch Bindung an spezifische Rezeptoren, bezüglich der Tumorätiologie. Der diagnostische Wert der kombinierten PET/CT wurde bei Patienten mit orbitalen Metastasen als seltenem Manifestationsort solider Primärtumore evaluiert. Methodik: Sieben Patienten mit orbitalen Metastasen wurden zum Staging bzw. Re-Staging mittels kombinierter Ganzkörper-PET/CT untersucht. Die gesicherten Primärtumore umfassten: Mammakarzinome (n=3), ein follikuläres Schilddrüsenkarzinom (n=1), Prostatakarzinome (n=2) sowie ein neuroendokrines Karzinom des Ileums (n=1). Als PET-Tracer wurden F-18-Fluor-Desoxyglukose (FDG), F-18-Fluor-Cholin bzw. Ga-68-DOTA-TATE verwendet. Ergebnisse: Die PET/CT detektierte sämtliche 7 Orbitametastasen. Bei 6 Patienten bestand eine fokale Mehrspeicherung, die einen vitalen Tumorstoffwechsel anzeigte und zur Therapieentscheidung führte. In einem Fall konnte mittels PET/CT posttherapeutisch ein vitaler Metastasenstoffwechsel ausgeschlossen werden. Zusätzlich detektierte der Ganzkörperscan ein Lokalrezidiv (1 Patient), Lymphknotenmetastasen (3 Patienten) und weitere Fernmetastasen (6 Patienten). Während F-18-FDG allgemein einen erhöhten Glukosemetabolismus anzeigt, wurde F-18-Cholin spezifisch für das Prostatakarzinom und Ga-68-DOTA-TATE für den neuroendokrinen Tumor eingesetzt. Schlussfolgerungen: Ein akkurates Ganzkörperstaging ist sowohl für die Therapieentscheidung als auch zur Beurteilung des Therapieansprechens von großer Bedeutung. In unserer Studie erwies sich die PET/CT als eine sehr sensitive und spezifische Methode zur Metastasendetektion und genauen Abgrenzung. Der Einsatz verschiedener Tracer ermöglicht gerade in der Metastasendiagnostik eine höhere diagnostische Sicherheit.
Referent/in: Anatoliy Maletskyy (Odessa)
Background: Surgical treatment of malignant tumors of the orbit leads to anatomical and functional disorders. Independent use of radiotherapy does not lead to the desired result. We believe that the effectiveness of radiotherapy and minimization of negative after-effects of systemic chemotherapy can be achieved by the inclusion of selective intra-arterial chemotherapy into the complex treatment of malignant tumors. Purpose: To study the effectiveness of selective intra-arterial chemotherapy and radiotherapy in the treatment of patients with malignant epithelial and connective tissue tumors of the orbit. Methods: We analyzed the treatment of 11 patients (age 49,6 ± 3,9 years) with orbit tumors, who received cisplatin (total dose of 123.5 + 43.3 mg) and gamma-ray teletherapy (total dose of 43.3 + 14.3 Gy) into the maxillary artery after the catheterization of the outer temporal artery. Cellular structure: dermoid cancer – 6 cases, sarcoma of the orbit – 3 cases, cylindroma and adenocarcinoma of the lacrimal gland – 2 cases. Observation period: from 3 to 60 months. Results: After the end of chemo- and radiotherapy five patients (4 cases of cancer and 1 case of rhabdomyosarcoma) showed almost complete resorption of the tumor. Six patients (cylindroma and adenocarcinoma - 2, cancer -2, sarcoma- 2) showed partial result during the treatment, and after 3 months complete resorption of the tumor was achieved. In the course of the treatment it was found that the activity of the tumor resorption depends on the total dose of cisplatin, and cellular structure of the tumor. 10 out of 11 patients managed to preserve visual acuity from 0.2 to 1.0, one patient had one eye absent. Conclusions: Analysis of preliminary clinical results showed that selective intra-arterial chemotherapy (cisplatin) in combination with radiotherapy allows to activate the intensity of the resorption of the tumor and to achieve high clinical and functional rusult.
Referent/in: Aaron Fay (Boston)
Introduction: Lymphatic malformations (LM) of the orbit are among the most challenging orbital maladies to treat. Many can be managed by regional puncture sclerotherapy. Some orbital lesions, however, are difficult to reach percutaneously or abut critical structures. Sophisticated image-guided technologies allow more accurate needle placement and slerosant application. Objectives: We describe our early experience combining gravitational application with new software that generates a live laser guide by fusing a rotational CT with MRI in the angiographic suite. Aims: The specific aim is to develop a simple, effective, and safe method for treating orbital LM. Methods: We developed a method of delivery that relies on gravity alone rather than active pressure (injection), used bleomycin to limit swelling, and utilized 3D laser guidance for needle placement. We retrospectively reviewed the records of our first 42 orbital sclerosis cases. Results: 17 patients with orbital LM were treated with sclerotherpy using bleomycin as the sole agent. All LM cases were unilateral. 9 were female and 8 male. Ages ranged from 3 to 44 years. Symptoms included pain, proptosis, deceased vision, and disfigurement. Bleomycin doses ranged from 2-15mg; total lifetime cumulative dose is limited to 400mg. All patients reported reduced pain and pressure. No patient experienced visual loss. Clinical improvement was seen in all cases, and decreased proptosis was confirmed in all cases with cross-sectional imaging. Conclusions: Gravitational Bleomycin Orbital Sclerotherapy appears to be a safe and effective method for managing complex orbital LM. Bleomycin induces little swelling, which makes it a smart choice for orbital application. We feel it is optimally controlled with gravitational application and precise targeting. Longer follow up is required to determine its long-term effectiveness.
Referent/in: Nils-Claudius Gellrich (Hannover)
Sekundäre Orbitarekonstruktionen werden zumeist infolge von erworbenen Orbitadeformitäten (Trauma- oder Tumor- bedingt) erforderlich. Formstabile Rekonstruktionen von Volumen- und Formwiederherstellung der Orbitae haben das Ziel der originalgetreuen Wiederherstellung, wobei hier häufig die Referenz durch die nichtbeteiligte Gegenseite der Orbita gegeben ist. Neueste Entwicklungen im Bereich der Medizintechnik erlauben nunmehr, dass rechnergestützt nicht nur das idealisierte Design eines Orbitaimplantates für eine Ein-, Zwei- oder Mehrwandrekonstruktion durchgeführt werden kann, sondern dass auch beliebige Überkorrekturen oder Formvarianten möglich sind. Ferner können für die Schrägsagittale der Orbita und die Transitionszone zwischen medianer Augenhöhlenwand und Orbitaboden Vektoren in das Implantat implementiert werden, die zur direkten Navigation bzw. auch zur Trajektorien-basierten Navigation dienen. Damit ist eine Stufe in der rekonstruktiven Orbitachirurgie erklommen, die die präzise Rekonstruktionsform mit intraoperativer Lagekontrolle des Implantates erlaubt und hilft, sekundäre Morbiditäten und Funktionseinbußen zu reduzieren. Im Rahmen des Vortages wird der digitale Workflow von der Quantifizierung der Orbitadeformität bis hin zur geplanten Rekonstruktion mit ggfs. Überkorrektur dargestellt. Dieses Verfahren ist weltweit von den Autoren, als Erstbeschreiben, neu in die klinische Versorgung eingeführt worden.
Referent/in: Apostolos Anagnostopoulos (Hagen)
Hintergrund: Seit 1983 wird korralines Hydroxylapatit als Bulbusersatz verwendet und war in den 90er Jahren des vergangen Jahrhunderts das am häufigsten eingesetzte Orbitaimplantat in den USA. In unserer Klinik wurden bis Ende 2001 ca. 200 korraline Hydroxylapatitimplantate nach Enukleation und Evisceratio eingesetzt. Methode: Im Sommer 2012 wurden 20 Patienten untersucht (mittlere Nachbeobachtungszeit von 194 Monaten-16,2 Jahren), denen zwischen Dezember 1993 und Dezember 2001 in unserer Klinik ein Hydroxylapatitimplantat als Bulbusersatz eingesetzt wurde (12 primäre Implantate, 4 sekundäre Implantate und 4 Implantataustausche). Das mittlere Alter der Patienten lag bei der Untersuchung bei 49 Jahren.Ziel der Studie war, Aussagen zur subjektiven und objektiven Verträglichkeit und zum postoperativen Verlauf treffen zu können. Berücksichtigt wurden die Motilität des mit einer Prothese versorgten Implantats (Kerstenbaumbrille) dessen Lage und Prominenz zum Partnerauge (Exophthalmometer nach Hertel), Lidfehlstellungen, Bindehautveränderungen sowie postoperativen Komplikationen. Ergebnisse: Die Ptosisrate lag bei 100%, die Ektropiumrate bei 50%. Bei 40% der Patienten wurden Folgeeingriffe durchgeführt (Rekonstruktion der unteren Fornixfalte durch Mundschleimhautplastik, laterale Tarsalzungenplastiken zur Ektropiumkorrektur, Versorgung einer Bindehautdehiszenz). Nach Muskelfixation an das Orbitaimplantat war die Motilität der primären Implantate besser als die der sekundären Implantate. Die gewünschte Volummenauffüllung der Orbita gelang bei zehn Patienten dahingehend, dass mittels Hertelexophathlamometrie keine Differenz zwischen Studienauge, versehen mit einer Glasprothese, und Partnerauge ermittelt werden konnte. Bei neun Probanden lag eine Retraktion und bei einem Teilnehmer eine Prominenz des Kunstauges vor. Alle Implantate wurden gut vertragen, und es gab keine Implantatausstoßung.