Freie Vortragssitzungen, Sonntag, 4.10.2015

 
Saal 3 10:15 - 11:45 04.10.2015
Freie Vortragssitzung So11
Diverse Themen Miscellaneous
Vorsitzende/r: Karl Ulrich Bartz-Schmidt (Tübingen), Berthold Seitz (Homburg/Saar)

Referent/in: Ulrich Schraermeyer (Tübingen)
Introduction: The Stiles–Crawford (SC) effect is a property of the cone photoreceptors of the human and monkey eye and was first described 8 decades ago. It was found that foveal cones have a less pronounced directional sensitivity than parafoveal cones. It was speculated that a change in the shape or the orientation of foveal cones was responsible for the SC-effect. Until now, no morphologic evidence for this assumption has been found. Methods: The eyes from 52 cynomolgus monkeys (Macaca fascicularis) and human eye donors were fixed and embedded for electron microscopy. Semithin serial sections were cut horizontally and vertically through the foveolar centres. The image stacks were aligned and segmented using Amira® 4.0.1 (Visualization Sciences Group, SAS) resulting in three-dimensional models. Results: The foveola has several unknown anatomic features. Three-dimensional reconstruction of serial sections from humans and monkeys clearly showed that in the foveola (about 300 µm in diameter) the orientation of cones towards the optical axis is different compared to those in the parafovea. The outer segments from foveolar cones are twice as long as from parafoveolar cones. Foveolar Müller cells are much more prominent than in the fovea and parafovea. In tangential sections of the foveola, Müller cells occupy about 30 % of the retina whereas in the parafovea they were much less prominent (estimated 3 %). The diameters of individual cross-sectioned Müller cells were larger than 5 µm which is an extraordinary size. Discussion: The shape and orientation of foveolar cones and Müller cells are described for the first time by constructing a 3D model from serial sections. Orientation towards the infalling light in the foveolar cones is different to parafoveal cones in both human and monkey eyes. Müller cells are light wave guides. They have a unique, prominent and specific morphology in the foveola which favours light guiding of photons that enter the retina parallel to the optical axis under an angle of 90 degrees. The specific morphology of foveolar cones and Müller cells contributes to the directional dependency of the Stiles-Crawford effect.
Referent/in: Christian Enders (Ulm)
Fragestellung: Die ophthalmopathologische Untersuchung von exzidiertem Probenmaterial oder ganzer Bulbi führt zu einer Destruktion des Gewebes. Die vorgelegte Studie untersucht die diagnostischen Möglichkeiten der Mikrofokus-Computertomographie (Mikro-CT) in vitro, die ohne Destruktion und Prozessierung des Gewebes hochauflösende Bilder liefert. Methodik: In der experimentellen Pilotstudie wurden insgesamt 6 Augen untersucht, 3 enukleierte menschliche Bulbi sowie 3 Bulbi von Schweinen. Alle Proben wurden in Paraffin oder Formalin fixiert. Eine standardisierte lichtmikroskopische Untersuchung der Proben erfolgte im ophthalmopathologischen Labor. Die hochauflösende Bildgebung erfolgte durch eine Mikro-CT. Die Ergebnisse der Bildgebung mit der Mikro-CT wurden mit den Befunden der lichtmikroskopischen Untersuchung korreliert. Ergebnis: Die Auswertung der Mikro-CT-Bilder zeigte eine sehr gute Korrelation mit den Ergebnissen der lichtmikroskopischen Untersuchung. Die maximale Auflösung der Proben in dieser Studie lag bei 20 Mikrometern. In der 2D-Darstellung konnte Gewebe der Kornea, der Linse, der Uvea, der Retina und der Choroidea gut vom angrenzenden Gewebe unterschieden werden. Die 3D-Darstellungen lieferten zusätzlich einen guten Überblick über die anatomischen Strukturen, jedoch können in der 2D-Darstellung unterschiedliche Gewebe besser von einander abgegrenzt werden. Auch die Konfiguration von anatomischen Strukturen wie z.B. dem Kammerwinkel kann exakt beurteilt werden ohne die Gewebeprobe artifiziell zu verändern. Die Lage und Position von chirurgisch applizierten Implantaten wie z.B. Intraokularlinsen oder Mikrostents kann durch die Mikro-CT schneller und exakter bestimmt werden als durch die konventionelle lichtmikroskopische Untersuchung. Schlussfolgerung: Die Mikro-CT liefert wertvolle Informationen über die anatomischen Strukturen des Auges, ohne dieses vorher prozessieren zu müssen. Die Ergebnisse korrelieren sehr gut mit den Ergebnissen der Lichtmikroskopie. Eine Anwendung ist derzeit, unter anderem auf Grund der hohen Strahlenbelastung, nur in-vitro möglich. Potentielle Anwendungsgebiete sind z.B. in der postoperativen Gewebe-Diagnostik die Bestimmung von Ausdehnung, Volumen und Kalzifizierungen von Tumoren und experimentelle Studien zur Entwicklung neuer chirurgischer Techniken.
Referent/in: Ronja Klose (Rostock)
Fragestellung: Das Huhn ist durch seinen kurzen in ovo Entwicklungszyklus ein beliebtes Tiermodell für Studien zur embryonalen Entwicklung. Ziel der Untersuchung war eine in ovo Biometrie des Auges während der gesamten fetalen Entwicklung und den Einfluss einer häufigen MRT Untersuchung zu validieren. Methodik: Die Gesamtpopulation aus 38 fertilen Hühnereiern wurde in folgende Untergruppen untersucht: (1) Zwei der Eier wurden an jedem der 21 Entwicklungstage (E0-E20) bei 7 Tesla (Clinscan 70/30, Bruker, Ettlingen) gescannt. (2) 36 Eier wurden ab dem dritten Entwicklungstag paarweise ausschließlich zu einem Messzeitpunkt E3 bis E20 untersucht und anschließend getötet. Die Untersuchungen erfolgten mit einer Ringspule (S1, Bruker, Durchmesser 3cm). Ab E10 wurden die Eier mittels Eis gekühlt, um Bewegungsartefakte zu reduzieren. In der T2-Wichtung (TE: 48ms; TR: 2100ms; Matrix 1024x1024 Pixel; Scanzeit: 18 min; FoV: 38x38 mm) wurden die Augen sowohl in Coronar-, Transversal-, als auch in Sagittal-Ebene dargestellt. Mittels OsiriX© wurden Bulbusvolumen, axialer und äquatorialer Bulbuslänge, Glaskörperstrecke, Linsendicke und Linsendurchmesser bestimmt. Ergebnisse: Die genutzten MR Sequenzen erlauben eine reproduzierbare Biometrie ab Entwicklungstag E5 bei einer in plane Auflösung von 74 µm. Die biometrische Analyse zeigte ein lineares Wachstum der Bulbusgröße und der erhobenen intraokularen Abstände, wobei mit Ausnahme der Linsendicke ein verlangsamtes Wachstum ab Entwicklungstag E9-11 stattfindet. Es konnten keine signifikanten Entwicklungsunterschiede innerhalb der beiden Subpopulationen (1) und (2) festgestellt werden. Schlussfolgerungen: Die Ultrahochfeld-MRT erlaubt in ovo die hochauflösende verzerrungsfreie Darstellung der anatomischen Strukturen des Auges im µm-Bereich. Damit ist eine UHF-MR basierte in vivo Biometrie des Auge während der fetalen Entwicklung des Huhns longitudinal in ovo ab dem Entwicklungstag E5 möglich.
Referent/in: Felix Streckenbach (Rostock)
Fragestellung: Die Ultra-Hochfeld-MRT (UHF-MRT) ist ein häufig genutztes Bildgebungsverfahren für longitudinale Studien am Kleintiermodell. Auf Grund der hohen räumlichen Auflösung und des nichtinvasiven Charakters bietet die UHF-MRT die Möglichkeit, morphologische und funktionelle Veränderungen des Auges darzustellen. Das Huhn ist durch seinen kurzen in ovo Entwicklungszyklus ein beliebtes Tiermodell für Studien zur embryonalen Entwicklung. Ziel unserer Untersuchung war es, die gesamte fetale Augenentwicklung morphologisch und funktionell longitudinal zu charakterisieren. Methodik: An 38 fertilen Hühnereiern erfolgte eine MR-Untersuchung bei 7T (Clinscan 70/30, Bruker, Ettlingen) während des in ovo Entwicklungszeitraums (E0 bis E20). Die Inkubation erfolgte in einem Brutautomaten (Heka-Turbo 168, Deutschland), wobei am jeweils vorgesehenen Entwicklungstag eine anatomische (T2w: TE 48ms, TR 2100ms, S1 Ringspule d=3cm, Matrix 1024x1024, FoV 38x38mm) und eine funktionelle MR-Untersuchung (DWI: TE 85ms, TR 9500ms, S1 Ringspule d=3cm, Matrix 256x256, FoV 38x38mm) durchgeführt wurden. Dabei wurden (1) zwei Eier täglich und (2) die übrigen 36 paarweise lediglich zu einem Entwicklungszeitpunkt E3 bis E20 untersucht und getötet. Für die Analyse des Entwicklungsstadiums wurde die Mittelzehenlänge bestimmt. In der T2-Wichtung wurden die Augen sowohl in coronar-, transversal- und sagittal-Ebene dargestellt. Die DWI Untersuchung erfolgte in axialer Ebene. Die Bestimmung der ADC-Werte wurde mittels OsiriX© durchgeführt. Ergebnisse: Die Entwicklung des Auges lässt sich in ovo ab Entwicklungsstadium E3 MR-morphologisch beurteilen. Über den Entwicklungszyklus kommt es zu einer Abnahme des ADC-Wertes von Glaskörper und Linse als Indikator für eine progrediente Reifung. Die Entwicklung des Pecten oculi, einer vogelspezifischen Versorgungsstruktur des Auges, kann ab E6 dargestellt werden. Im Vergleich zu historischen Arbeiten kommt es bei wiederholter MR-Untersuchung nicht zu einer Entwicklungsverzögerung des Auges. Schlussfolgerungen: Die UHF-MRT erlaubt in ovo die Beurteilung der fetalen Augenentwicklung des Huhnes. Funktionelle MR-Techniken erlauben neben anatomischen Beurteilungen auch eine quantitative Charakterisierung der Augenentwicklung. Eine wiederholte MR-Exposition in ovo während der Entwicklung geht nicht mit einer Entwicklungsverzögerung einher.
Referent/in: Martin Spitzer (Tübingen)
Hintergrund: Großflächige posttraumatische Irisdefekte sind nicht nur kosmetisch störend, sondern verursachen häufig eine deutliche Blendungsempfindlichkeit sowie eine herabgesetzte Sehschärfe. Die derzeit kosmetisch beste Lösung ist die Implantation einer maßangefertigten Irisprothese aus Silikon (Artificial Iris von Humanoptics). Bislang ist aber wenig über die funktionellen Ergebnisse sowie mögliche Komplikationen nach Implantation dieser Prothesen in schwer verletzte Augen berichtet worden. Patienten: Bei 36 Patienten, die nach einem schweren Bulbustrauma mit Irisverlust eine Irisprothese erhalten hatten, bestand ein ausreichend langer Nachbeobachtungszeitraum von mehr als einem Jahr. Bei 18 dieser Patienten war die Irisprothese kombiniert mit einer Intraokularlinse implantiert worden. Bei 4 Patienten war zusätzlich eine Keratoplastik durchgeführt worden. Der durchschnittliche prä-operative Visus lag bei 1,1 logMar Einheiten (0,3 – 2,6 logMAR Einheiten). Der mittlere Nachbeobachtungszeitraum lag bei 21 Monaten. Bei 3 Patienten bestand vor der Irisprothesenimplantation ein Glaukom sowie wie bei 8 eine Bulbushypotonie. Ergebnisse: Die postoperativen Ergebnisse zeigten eine deutliche Streuung. Nahezu alle Patienten berichteten von einer Besserung hinsichtlich der Blendung und der Kosmetik, allerdings kam es nur bei einem Teil der Patienten zu einem Anstieg der Sehschärfe (0.2 – 2.6 logMAR Einheiten). Bei 3 Patienten kam es zu einer Erhöhung des Augeninnendrucks, die eine zusätzliche lokale drucksenkende Therapie erforderlich machte. Bei 14 Patienten persistierte ein intraokularer Reizzustand bzw. ein Makulaödem und bei 5 Patienten kam es zu einer Dekompensation des kornealen Endothels. Schlussfolgerungen: Die Artificial Iris ermöglicht eine individualisierte Behandlungsstrategie bei posttraumatischer Aniridie. Die kosmetischen Ergebnisse sind sehr ansprechend und über lange Zeit stabil. Bei einem Teil dieser schwer verletzten Augen kann es nach Irisprothesenimplantation aber zu einem Anstieg des Augeninnendrucks sowie zu einem visusrelevanten kornealen Endothelzellverlust kommen.
Referent/in: Tatsyana Imshenetskaya (Minsk)
Aims: To determine the surgery outcome in cases of penetrating eye injuries with a metallic foreign body. Methods: The records of 112 eyes of 112 patients operated from 2012 to 2014 with surgical removal of IOFBs were retrospectively reviewed. Preoperative and postoperative visual acuity, clinical course, IOFB size, state of the retina and vitreous and intra- and postoperative complications were recorded and analyzed. Minimum follow up was 6 month, while mean follow up was 24 month. Results: There were 112 eyes of 109 males and 3 females with age ranging between 20 and 70 years. The most common initial findings were lens injury (35%), vitreous hemorrhage (29%), retinal detachment (10.7%), uveitis (10%), endophthalmitis (5%). The foreign body was embedded in the retina in 57 (50.9%) patient, was localized in the anterior chamber and lens - 9 patient (8%), in the vitreous body – 38 (33.9%), in the orbit – 8 (7.1%) After initial management 38 patient (33.9%) underwent 23 gauge pars plana vitrectomy for foreign body removal, metallic IOFB were removed by magnetic extraction with simultaneous preventive cryosurgery and scleral buckle in 41 patient (36.6%), 10 (8.9%) IOFB were localized deep in the retina and we decided not to remove them. In 8 patients (7.1%) our attempts to remove IOFB were unsuccessful. The final visual acuity improved in 91 patients (81.3%) and 36 patients (32.1%) got a visual outcome of 6/60 or better, 43 (38.4%) patients got a VA of 20/50 or better. Conclusions: The poor final visual acuity was associated with poor initial visual acuity, preoperative endophthalmitis, large IOFB size and preoperative retinal detachment. Delay of treatment for more than 24h was associated with increased risk of endophthalmitis. Treatment of the patients must be strictly individual, depending on early intervention and the professional experience of the surgeon.
Referent/in: Ghoraba Hammouda (Gharbia)
Purpose: To answer the question whether omitting the use of 360 degree episcleral band in combination with pars plana vitrectomy and silicon oil tamponade had an effect on either anatomical or functional success in cases of perforating eye injury or not? Methods: A retrospective consecutive interventional study from medical records of patients treated with pars plana vitrectomy and silicon oil with or without 360 scleral band in cases of perforating eye injury. Surgeries were performed in the period from January 2011 until end of December 2013. Results: In this retrospective review 213 eyes were reviewed of which 17 cases were excluded, 7 cases because the vision was no light perception and 12 eyes because of the short follow up period (less than 6 months). The remaining 196 eyes of 193 patients were analyzed. All surgeries were done by one surgeon (HG).The included eyes have been classified into two groups; 101 eyes in the first group (360 degree band was used) and 95 eyes in the second group (without 360 degree band). The included patients were followed up at least 6 months from the last surgery. By one surgery anatomical success was achieved in 93 eyes (92%) in group 1and retinal detachment developed in 8 eyes (8%). In group 2 anatomical success was achieved in 91 eyes (96%) and retinal detachment developed in 4 eyes (4%). All cases with RD could be reattached by a second surgery. Vision improved in 80 eyes in group 1 (79.2%), unchanged in 14 eyes (13.86%) and declined in 7 eyes (6.93%). In group 2 visual acuity improved in 79 eyes (83.15%), unchanged in 13 eyes (13.68%), worsened in 4 eyes (4.21%). No statistically significant difference was found between the two groups in anatomical or functional results. None of the operated eyes developed phithisis bulbi in either group. Conclusion: Abundant use of 360 scleral band in combination with pars plana vitrectomy and silicon oil tamponade didn´t change neither anatomical nor functional outcomes in the management of perforating eye injury due to gun shots. The use of 360 scleral band should be considered in severely traumatized eyes when peripheral vitrectomy couldn’t be done thoroughly.
Referent/in: Wadim Bowl (Gießen)
Hintergrund: Untersuchung funktioneller und morphologischer Langzeitveränderungen der Retina (zentrale & periphere OCT Schichtanalyse) in einer Kohorte ehemaliger Extremfrühgeborener, welche nach Geburt systematisch nach Vorliegen einer Frühgeborenenretinopathie (ROP) untersucht wurden. Methoden: 180 Kinder (6-13J) nahmen an der Studie teil: Extremfrühgeborene ohne ROP (A: n=100), mit spontan ausgeheilter ROP (B: n=50) und alterskorrelierte termingeborene Kinder (N: n=30). Erhoben wurde der Visus (V), orthoptische Status, foveale Lichtunterschiedsempfindlichkeit (LIS) an funduskontrollierter Perimetrie (FKP) (Nidek, IT), SD-OCT (Heidelberg Eng, DE), Fundusfotographie (Zeiss, DE) und Ultra-Weitwinkel-Bildgebung (Optos, UK). Alle OCT-Scans und peripapilläre RNFL-Messungen wurden mit einer speziell entwickelten Software (DiOCTA) (1) segmentiert. FKP wurde zur detaillierten Struktur-Funktions-Korrelation mit OCT-Analysen einzelner Netzhautschichten überlagert. Ergebnisse: Mittlerer V und LIS nahmen mit zunehmender Schwere der ROP und abnehmendem Geburtsgewicht (GW) ab. Die zentrale Netzhautdicke nahm mit zunehmender Schwere der ROP von 240µm (A) auf 282µm (B) im Vergleich zur N (221µm) zu, während die foveale Einsenkung abnahm und zunehmend dickere innere Netzhautschichten die ONL überlagerten. Hierbei nahm die Dicke der äußeren Körnerschicht (ONL) zu, die Dicke der Außensegmente ab. Die GCL war perifoveolär in B deutlich dünner (41µm) als in N (72µm). Der Verlust der GCL-Dicke korrelierte mit der LIS-Reduktion. Die pRNFL-Dicke war in B dünner als in N. Dabei waren die nasalen Segmente stärker betroffen (B: -34µm) als die temporalen (B: -9µm). Eine flachere foveale Vertiefung stand im Zusammenhang mit reduzierter pRNFL-Dicke und veränderten peripheren GCL-Schichtanalysen in 20° Exzentrizität. Diskussion: pRNFL-Dicke und periphere GCL-Dicke sind bei Kindern mit ROP gegenüber termingeborenen Kindern reduziert und zeigen in OCT-Schichtanalysen deutliche strukturelle Veränderungen. Die Foveae bei Kindern mit ROP zeigen sich strukturell verändert, was mit funktionellen retinalen Empfindlichkeitsverlusten assoziiert ist. Es ist denkbar, dass veränderte Reifungsprozesse in der Vorgeschichte zu einer Umverteilung von Zellpopulationen und zu den beobachteten Veränderungen führen. Neben der Schwere der ROP scheint insbesondere das Geburtsgewicht eine entscheidende Rolle zu spielen. 1. Ehnes et al. 2014 TVST 11:3(1) Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG LO457/10-1)
Referent/in: Elke Altpeter (Tübingen)
Fragestellung: Welches Krankheitsspektrum haben sehbehinderte Kinder aktuell, und wie sind diese Kinder in der Schule und im Kindergarten versorgt? Methode: Alle Kinder (n= 303) mit einer ophthalmologischen Erkrankung, die sich 2013 und 2014 in einer universitären Sehbehindertenambulanz vorstellen, wurden retrospektiv ausgewertet. Zielgrößen waren: ophthalmologische Diagnose, best-korrigierter Fernvisus, Vergrößerungsbedarf, die verordneten Hilfsmittel sowie die Maßnahmen der Frühförderung und integrative Betreuung/Inklusion in der Schulzeit. Ergebnisse: Die häufigste zugrunde liegende Diagnose, die zur Sehbehinderung führt, ist eine Optikusatrophie (22,4%), gefolgt von erblichen Netzhautdystrophien (18,5%), congenitalem Nystagmus (9,9%), Albinismus (8,6%), ROP (7,9%), Aniridie (4,6%) und Myopia magna (3%). 21% der Kinder war mehrfachbehindert. 66% der Kinder waren sehbehindert (Visus ≤ 0,3), 9,6% waren hochgradig sehbehindert (Visus ≤ 0,05), und 5% hatten einen Visus von Lichtschein oder Handbewegungen. Der Vergrößerungsbedarf lag im Mittel bei 5-fach (±4). Bei allen Kleinkindern bestand eine Frühförderung durch eine sonderpädagogische Einrichtung in Zusammenarbeit mit der Sehbehindertenambulanz. Von den Schulkindern (n=241) besuchten 52% eine Regelschule und 48% eine Förderschule (entweder für Sehbehinderte/Blinde oder Mehrfachbehinderte). 53% aller Schulkinder verwendeten elektronische Hilfsmittel wie Bildschirmlesegeräte oder Kameralesesysteme zum Lesen, 20% verwendeten optische Hilfsmittel (z.B. Lesesteine). Bei 7 % war wegen der schweren Mehrfachbehinderung der Einsatz eines vergrößernden Hilfsmittels nicht möglich. Bei 77% der Schulkinder in Regelschulen bestand bei der Vorstellung bereits eine integrative Betreuung durch eine sonderpädagogischen Einrichtung. Bei 23% wurde diese Maßnahme bei der Vorstellung von uns eingeleitet. Schlussfolgerung: Gerade bei Kindern ist die Anpassung von vergrößernden Sehhilfen für die schulische Laufbahn essentiell, 73% aller Kinder war auf Lesehilfen (optisch oder elektronisch) angewiesen. Um insbesondere einen Besuch einer Regelschule zu ermöglichen, ist die integrative Betreuung durch eine sonderpädagogische Beratungsstelle vor Ort unbedingt erforderlich.