Freie Vortragssitzungen, Samstag, 3.10.2015

 
Saal 3 09:45 - 11:15 03.10.2015
Freie Vortragssitzung Sa13
Strabologie und okulare Adnexe Strabology and Ocular Adnexa
Vorsitzende/r: Dorothea Besch (Tübingen), Barbara Käsmann-Kellner (Homburg/Saar)

Referent/in: Frank Schüttauf (Tübingen)
Fragestellung: In Tagen zunehmender Berufstätigkeit von Müttern und Vätern sollte mit einer Studie herausgestellt werden, wie Okklusionstherapie in der heutigen Zeit durchführbar ist. In einem ersten Studienteil konnte mittels durchgeführter Interviews gezeigt werden, dass die Okklusionstherapie in Kindergärten und Kindertagesstätten gut zu funktionieren scheint. Ziel dieses zweiten Studienteils war eine Betrachtung der Situation vor Ort in den Kindergärten und Kindertagesstätten, um die Ergebnisse der Interviews zu verifizieren. Methodik: Es wurde eine systematische, teilnehmende Beobachtung in Kindergärten oder Kindertagesstätten durchgeführt, wobei die Ergebnisse der durchgeführten Interviews berücksichtig wurden. Anschließend erfolgte eine methodische Reflexion und Diskussion bzw. Auswertung in der Gruppe. Ergebnis: Die Ergebnisse zeigten, dass die Okklusionstherapie in den Kindergärten und Kindertagesstätten gut funktioniert und Eltern eine gute Entlastungsmöglichkeit bietet. Die Kinder werden in diesem Alter praktisch nicht ausgeschlossen und können an den meisten Aktivitäten uneingeschränkt teilnehmen. Einzig Aufgaben in der Nähe benötigen eine etwas erhöhte Zuwendung durch die Erzieher. Ein wichtiger Punkt hier war jedoch, dass sowohl Eltern als auch Erzieher in der Einschätzung einer Sehschärfe verunsichert sind und es an Informationen mangelt welchen Aufgaben ein Kind z. B. mit einem Visus von 0.2 gewachsen ist oder nicht. Soziale Herkunft schien dagegen keine Rolle zu spielen. Im Kindergarten scheint die Okklusionstherapie sogar besser und einfacher durchführbar als zu Hause. Schlussfolgerung: Die Okklusionstherapie ist in Kindergärten und Kindertagesstätten gut durchführbar. Allerdings muss eine bessere Information der Erzieher über Sinn und Durchführung der Okklusionstherapie erfolgen. In Zeiten zunehmender Berufstätigkeit der Mütter ist dies ein beachtenswerter Punkt.
Referent/in: Claudia Kuhli-Hattenbach (Frankfurt am Main)
Fragestellung: In der Amblyopietherapie besteht seit einigen Jahren die Möglichkeit, die Compliance mittels Pflaster-Okklusions-Dosis-Monitoren (ODM) zu objektivieren. In diesem Zusammenhang fallen immer wieder Kinder auf, die trotz einer mittels ODM nachgewiesenen guten Compliance den erwarteten Visusanstieg nicht erreichen. Ziel der vorliegenden Studie war es, diese Kinder auf morphologische Ursachen hin zu untersuchen. Methodik: Wir untersuchten sechs Kinder (Durchschnittsalter: 11,19 ± 2,28 Jahre) mit einer unilateralen Refraktions- bzw. gemischten Amblyopie, die in einer früheren prospektiven Studie trotz ODM-kontrollierter guter Compliance durch einen geringeren als erwarteten Visusanstieg aufgefallen waren. Wir untersuchten Ausgangs- und Endvisus, orthoptischen Status, organischen Befund, Refraktion in Cycloplegie, und Farbsinn. Zusätzlich analysierten wir die Netzhautmorphologie mittels optischer Kohärenztomographie (SD-OCT; 3D OCT-2000; Topcon, Tokyo, Japan). Ergebnisse: Der durchschnittliche Endvisus (logMAR) nach einer ODM-kontrollierten Okklusionstherapie von >1300 Stunden betrug 0,42 (±0,23) mit einer persistierenden mittleren interokulären Differenz von 0,51 (±0,23). Alle amblyopen Augen wiesen eine stärkere Hyperopie mit einem mittleren sphärischen Äquivalent von +4,73 (±2,73) dpt als die gesunden Partneraugen mit +2,17 (±3,06) auf (p=0,02). Darüber hinaus zeigte sich in der Makularegion der amblyopen Augen eine signifikant dickere durchschnittliche Nervenfaserschicht (p=0,0062) und ein vergrößertes totales Volumen (p=0,0091) gegenüber den gesunden Partneraugen. Im Bereich der Papille ergaben die OCT-Meßwerte keine statistisch signifikanten Differenzen. Bei einer Patientin konnten wir eine familiäre Makropapille aufdecken. Zwei Patienten zeigten minimale periphere punktförmige Linsentrübungen, die jedoch nicht visusrelevant waren. Schlußfolgerungen: Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass bei amblyopen Kindern mit unzureichendem Visusanstieg die durchschnittliche Makuladicke sowie das Gesamtvolumen der Makula vergrößert sind. Darüber hinaus kommt neben der inzwischen nachgewiesenen - mit zunehmendem Alter abnehmenden - Therapieeffizienz die Höhe einer zugrundeliegenden Hyperopie bzw. Anisometropie als möglicher Risikofaktor für eine erfolglose Amblyopietherapie in Frage. Dies gilt primär für die Altersgruppe der Schulkinder, für die im Allgemeinen bei Refraktionsamblyopien gute Visusprognosen postuliert werden.
Referent/in: Daniel J. Salchow (Berlin)
Fragestellung: Eine Rücklagerung des M. rectus lateralis i. R. der Exotropiekorrektur kann mittels sog. Schlingen erfolgen, oder konventionell durch sklerale Fixation am Ort der Rücklagerung. Es sind nur wenige Studien publiziert, welche beide Techniken vergleichen. Methodik: Wir untersuchten retrospektiv die Ergebnisse der o.g. Techniken zur Exotropiekorrektur. Die Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Gruppe I (n: 30) erhielten eine konventionelle Rücklagerung des M. rectus lateralis und Gruppe II (n: 20) eine Rücklagerung in Schlingen, jeweils in Kombination mit einer Faltung des ipsilateralen M. rectus medialis. Wir verglichen den Winkel (in Prismendioptrien = PD) und Motilität präoperativ und 3 Monate postoperativ, sowie die intra-und postoperative Komplikationsrate. Ergebnis: Die Patienten waren im Mittel 37,1 (Gruppe I) bzw. 20,3 (Gruppe II) Jahre alt. In Gruppe I betrug der mittlere Fernwinkel präoperativ 33,8 ± 14,4 PD (14 bis 65 PD), in Gruppe II 30,6 ± 11,8 PD (8 PD bis 55 PD). Der präoperative Nahwinkel betrug in Gruppe I 40 ± 15,2 PD, in Gruppe II 36 ± 14,7 PD (Unterschiede statistisch nicht signifikant). In Gruppe I betrug der mittlere Fernwinkel 3 Monate postoperativ 10 ± 14,1 (Exo 45 PD bis Eso 8 PD), in Gruppe II 11,1 ± 13,1 PD (Exo 40 PD bis Eso 8 PD), der Nahwinkel in Gruppe I 15,4 ± 13,9 PD (Exo 55 bis Eso 3 PD) und in Gruppe II 11,5 ± 13,9 PD (Exo 40 PD bis Eso 11 PD), die Unterschiede waren statistisch nicht signifikant. Die Dosis/Wirkungsbeziehung für den Fernwinkel war in beiden Gruppen vergleichbar (Gruppe I: Exotropiekorrektur von 2,03 ± 0,88 PD pro mm Operationsstrecke, in Gruppe II: 1,83 ± 0,88 PD/mm), dasselbe gilt für den Nahwinkel (Gruppe I: 2,13 ± 0,87 PD/mm, Gruppe II: 2,32 ± 1,25 PD/mm). Bei keinem Patienten trat postoperativ eine neue Vertikaldivergenz auf. In beiden Gruppen fanden sich keine intra- oder postoperativen Komplikationen wie Skleraperforation, verrutschter Muskel oder progrediente Einschränkungen der Motilität. Schlussfolgerung: Die Rücklagerung in Schlingen stellt eine wirksame und berechenbare Alternative zur konventionellen Rücklagerung des M. rectus lateralis in der operativen Behandlung der Exotropie dar. Weitere prospektive vergleichende Studien zu den Langzeitergebnissen beider Methoden sind wünschenswert.
Referent/in: Jens Heichel (Halle)
Hintergrund: Die häufigste Ursache eines tränenden Auges im Kindesalter sind Erkrankungen der ableitenden Tränenwege. Bei schweren Verläufen mit Gefahr einer phlegmonösen Exazerbation ist eine frühzeitige operative Sanierung anzustreben. Methodik: Anhand einer retrospektiven Analyse der letzten 5 Jahre werden Indikation, Operations- und postoperativer Verlauf an 11 Augen von 10 Kindern dargestellt, welche eine Dakryoendoskopie innerhalb des ersten Lebensjahres erhielten. Einschlusskriterium war eine schwere therapierefraktäre chronische Dakryozystitis. Das Follow-up betrug im Mittel 29 Monate (8 bis 51 Monate). Anhand einer Befragung der Eltern wurde der Behandlungserfolg ermittelt und in vier Kategorien (sehr gut, gut, ausreichend, unzureichend) eingeteilt. Ergebnisse: Das Patientenalter betrug im Mittel 6,5 Monate (2 bis 11,5 Monate). Bei 10 Augen wurde durch die transkanalikuläre Rekonstruktion der ableitenden Tränenwege ein funktioneller Therapieerfolg erreicht. Bei einem Kind zeigte sich eine knöcherne Stenose, so dass im Verlauf eine Dakryozystorhinostomie erforderlich war (‚unzureichender‘ Therapieerfolg). Bei 7 Augen wurde der Behandlungserfolg mit ‚sehr gut‘, bei 3 Augen mit ‚gut‘ evaluiert. Komplikationen wurden nicht beobachtet. Schlussfolgerung: Die Dakryoendoskopie stellt eine Behandlungsoption zur Behandlung kindlicher Tränenwegsstenosen dar, sollte aber nicht als Mittel der Wahl angesehen werden. Vorteile sind die visuelle Kontrolle mit der Möglichkeit, die topographische Anatomie zu erhalten und das Risiko einer möglichen via falsa zu reduzieren. Das Verfahren erfordert ein hohes Maß an Vorsicht und Kenntnis im Umgang.
Referent/in: Vasily Yartsev (Moscow)
Background: Endophthalmitis is one of the most crucial complications of ophthalmosurgery. S. Schmitz et al. (1999) found that in 40% of all cases of endophthalmitis, acquired after cataract surgery, the lacrimal pathway had been blocked. J.K. Kam et al. (2014) compared prevalence of lacrimal pathway obliteration after cataract extraction and have come to conclusion that the rate of lacrimal system obstruction was significally higher in patients with postoperative endophthalmitis. Lacrimal pathway reconstruction before penetrating ophthalmosurgery remains a preferred approach, but it is not always possible because of the patient’s somatic status or in case of an urgent surgery. A well-known lacrimal puncti coagulation procedure is effective but is associated with persevering iatrogenic lacrimal pathway obliteration. Methods: We have conducted temporal lacrimal puncti occlusion in 20 patients (20 cases) before glaucoma (19 cases) or cataract (1 case) surgery. In all cases the irrigation test was negative and computed tomography with topical contrast enhancing revealed lacrimal obliteration at different anatomical levels. In all cases a bacteriological examination of conjunctiva surface was conducted. S. aureus was isolated in 5 cases, S. epidermidis was isolated in 15 cases. Three days before the surgery antibiotic eye drops were prescribed. Lacrimal pathway was irrigated with antiseptic solution directly before the surgery and lacrimal puncti were occluded with silastic Painless Plugs (FCI, France). The plugs were removed in 1 week after the surgery. Postoperatively, standard anti-inflammatory and antibiotic local therapy was prescribed. Bacteriologic investigation of conjunctiva surface was conducted at the 3d and the 7th day after the installation of the plug. Result: According to the bacteriological investigation, no bacterial contamination was observed. No cases of inflammatory complications were detected in 6 month follow-up. Conclusion: Preoperative temporal lacrimal puncti occlusion with Painless Plug (FCI, France) before penetrating ophthalmosurgery in patients with lacrimal pathway obliteration effectiveness is proved and it is a valid procedure in condition, when a reconstructive lacrimal surgery could not be applied in the required timeframe.
Referent/in: Falk Sommer (Dresden)
Fragestellung: Das senile Unterlidektropium ist eine der häufigsten Unterlidfehlstellungen des Erwachsenen. Verschiedene operative Verfahren zur Korrektur sind beschrieben. Die Tarsalzungenplastik gilt als Standardprozedur. Die Fixation der Tarsalzunge am temporalen Periost kann mit resorbierbarem oder nicht resorbierbarem Nahtmaterial erfolgen. Der Beitrag stellt die Verfahren der operativen Ektropiumkorrektur unter besonderer Berücksichtigung der Tarsalzungenplastik bei Verwendung verschiedener Nahtmaterialien bezüglich funktionellem Erfolg und auftretenden Komplikationen dar. Methoden: Retrospektiv wurden die Daten von 161 Patienten bezüglich des verwendeten Nahtmaterials zur Fixation am Periost ausgewertet. Rezidive, Wundheilungsstörungen und Unverträglichkeitsreaktionen wurden analysiert. Alle Operationen wurden von demselben Operateur durchgeführt. Ergebnisse: Die Patienten zeigten nach Unterlid-Ektropiumkorrektur mittels Tarsalzungenplastik unter Verwendung von resorbierbarem Nahtmaterial (61 Patienten) und nicht resorbierbarem Nahtmaterial (100 Patienten) bei Primäreingriffen eine vergleichbare Rezidivhäufigkeit. Die Verwendung von nicht resorbierbarem Nahtmaterial bei Rezidiv führte seltener zu einem erneuten Rezidiv. Wundheilungsstörungen oder Unverträglichkeitsreaktionen waren kaum zu verzeichnen. Schlussfolgerung: Bei korrekter ätiologischer Zuordnung des Unterlidektropiums sind funktionelle Ergebnisse und Komplikationen die mittels Tarsalzungenplastik erzielt werden können unabhängig vom Nahtmaterial; bei Rezidiven sollten eher nicht resorbierbare Nahtmaterialien zur Fixation der Tarsalzunge zur Anwendung kommen.
Referent/in: Aaron Fay (Boston)
Introduction: Lagophthalmos due to eyelid paralysis increases the risk of corneal ulceration, opacification, perforation, and visual loss. Palpebral spring implants have been lost from mainstream algorithms that typically include moisture, temporary or permanent eyelid closure, and eyelid weight-loading. Objectives: We report our recent experience with the enhanced palpebral spring operation introduced by Levine in 1992. Aims: The specific aim is to develop a method for artificially reproducing eyelid closure coordinated with contralateral eyelid dynamics. Methods: We retrospectively reviewed the first 40 cases performed by Dr. Fay between 2009 and 2014. Indications, demographics, and outcomes were tabulated. Surgical indications, surgical technique, and potential complications are described. Results: Leading causes of facial paralysis included acoustic neuroma, viruses, accidental trauma, surgery, and congenital. Specific indications for surgery included CN VII palsy with decreased corneal sensation, recumbent or nocturnal lagophthalmos, absent Bell’s phenomenon, pain, and redness. Follow-up ranged from 4-36 months. Revision was required in 6 of 40 patients and removal was required in 1 due to nickel allergy. No major complications were noted. All patients experienced marked subjective improvement. Conclusions: The Levine palpebral spring procedure is an effective method of treating lagophthalmos due to facial paralysis. The operation has been dramatically improved since its introduction in the 1960s and should be considered in select cases. Technological advances are needed to improve outcomes.
Referent/in: Johannes Nepp (Wien)
Fragestellung: Idiopathische Blepharospasmen (IBS) sind ein neurologisches Leidensbild, das vielen Einflüssen unterworfen ist. Dabei haben die Augen einen wesentlichen Anteil vor Allem in der daraus resultierenden Behinderung. In dieser Beobachtung wird versucht, die Einflußfaktoren darzustellen, sowohl negative, als auch positive Faktoren, welche fazilisierend wirken. Dabei werden vor allem Faktoren, welche das Auge betreffend, berücksichtigt. Methodik: Retrospektive Studie an 88 Patienten (55 weiblich, 33 männlich) mit IBS, (vor Behandlung mit Botulinumtoxin). Anhand von Fragebögen werden Beschwerden erfaßt, Einflußfaktoren, so wie der Grad der Behinderung nach dem 6 teiligen Elston Score. Gefragt wurde nach Einflüssen, welche subjektiv die Spastiziät fördern oder vermindern. Ergebnis: Es wurden 25 Belastungsfaktoren in 5 Gruppen und 27 Entlastungsfaktoren in 8 Gruppen gefunden. 8 Patienten gab an keinen Faktoren für den Verlauf der Spasmen zu kennen. Am Häufigsten waren Belastungen durch Stress und Arbeitsbelastung (n:45) Belastungen im Zusammenhang mit Augenerkrankungen, visuelle Probleme oder Irritationen traten 21mal auf. Bei den Methoden, welche Spasmen verringern, waren allgemeine Entspannung 18mal und Massagen im Gesichtsbereich 14x am Häufigsten. Lesen entlastete bei 8 Patienten. Bei den Störfaktoren mit Exazerbation der Spasmen waren am Häufigsten Stressfaktoren 45x zu finden. Der Behinderungsgrad betrug durchschnittlich 3,66 (Elston) Schlussfolgerung: Es bleibt zwar die Behandlung mit Botulinum Toxin das Mittel mit der höchsten Effizienz, jedoch zeigt diese Beobachtung, daß einerseits erleichternde Einflüsse bestehen, andererseits, daß Störungen der Funktionen des Auges eine Rolle bei der Ausprägung der Spasmen spielen.