Freie Vortragssitzungen, Samstag, 3.10.2015

 
Saal C 09:45 - 11:15 03.10.2015
Freie Vortragssitzung Sa10
Retina: Gefäßverschlüsse Retina: Vein occlusions
Vorsitzende/r: Peter Walter (Aachen), Klaus-Dieter Lemmen (Düsseldorf)

Referent/in: Robert Kromer (Hamburg)
Fragestellung: Zahlreiche systemische kardiovaskuläre Erkrankungen wie arterielle Hypertonie, konorare Herzkrankheit, Diabetes mellitus oder Adipositas sind eng mit strukturellen Veränderungen von Gefäßen der Retina verknüpft. Wir beschreiben eine SD-OCT basierte automatisierte Technik zur Analyse retinaler Gefäße bei Patienten mit Herzinfarkt in frühem Alter. Methodik: In dieser Studie wurden 38 Augen von 38 Patienten mit Herzinfarkt in frühem Alter und 38 Augen von 38 gesunden alters-gematchen Patienten eingeschlossen. Die Patienten erhielten eine Herz-Ultraschalluntersuchung, eine Blutuntersuchung für kardiologische Risikofaktoren und ein EKG. Weiterhin erhielten die Patienten eine Untersuchung des Gesichtsfelds, der Papille (Heidelberg Retina Tomograph) und eine Optische Kohärenztomografie-Aufnahme (Spectralis®, Heidelberg Engineering, Heidelberg). Für die Gefäßanalyse wurden die Gefäße in der konfokale Scanning Laser Ophthalmoskopie-Aufnahme automatisiert segmentiert und nach Arterien und Venen klassifiziert. Die resultierende Ergebnisse wurden auf die zugehörige SD-OCT-Aufnahme übertragen und der Grauwert des Schallschatten distal jeden Gefäßes mit dem Grauwert der Umgebung des jeweiligen Gefäßes verglichen. Dabei wurde die jeweilige Grauwert-Reduktion im Schallschatten für jede einzelne Schicht erfasst. Die Algorithmen wurden in Matlab (MathWorks Inc., USA) erstellt und mittels Pearson-Korrelation und ANOVA-Analyse ausgewertet. Ergebnisse: Es ergab sich eine durchschnittliche Reduktion des Signals um 69,36 ± 7,101 [%] distal des Gefäßes. Die Signalreduktion war signifikant höher für Patienten mit frühem Herzinfarkt. Bei der Unterscheidung zwischen Arterien und Venen ergab sich, dass lediglich die Signalreduktion distal der Arterien signifikant mit der kardiologischen Erkrankungen korrelierte. Schlussfolgerungen: Unsere Ergebnisse zeigen eine signifikant erhöhte Signalreduktion distal von Arterien für Patienten mit Herzinfarkt in jungem Alter im Vergleich zu gesunden alters-gematchen Patienten. Die SD-OCT-basierte Analyse retinaler Gefäße könne somit möglicherweise zur Evaluation kardiovaskulärer Risikofaktoren herangezogen werden. Prospektive Studien sind notwendig um diese Hypothese weiter zu stützen.
Referent/in: Ekaterina Rzhavina (Moscow)
Purpose: Almost all vitreoretinal diseases are tied to ischemic injury. Perfusion insufficiency leads to optic nerve atrophy, retina degradation, neovascularization. Ultimately, inflammation is developing and growth factors are relived resulting in cell proliferation in the ischemic eye. Majority of studies test proliferation and remodeling in the ischemic eye in short-term experiments. In that case only indirect signs of proliferation are shown. In order to examine proliferation it’s necessary to elongate the duration of the experiment. The aim of the study is to test proliferation and remodeling of eye tissues in long-term ischemia and to investigate the impact of anti-inflammatory treatment. Methods: Eye ischemia was modelled by irreversible bilateral internal carotid artery occlusion on the Wistar rats. In 15 minutes after bilateral artery ligation Lornoxicam (0.008 mg/µl, 2µl) or Triamcinolone (0.04 mg/µl, 2µl) or Saline (2µl) was injected intravitreally. Then in 24 and 48 hours the maintenance doses of the respective therapeutics were administered parenterally. The ophthalmic fundus examination was carried out on 1, 2, 7, 14, 28, 56 days of the experiment and before enucleation. The enucleation was performed on 7, 14, 28, 56 days of the experiment and in 6 months after artery occlusion. Proliferative changes and retina remodeling were examined on histological sections stained by hematoxylin and eosin. Results: Pupillary light reflex was reduced. Starting from 2-4 week of the study grids of vessels were detected, notably their density is higher on the periphery then on the central retina. In Triamcinolone group the highest rate of cataractogenesis was defined. In some cases hemophthalmus was developed. In all groups thick internal layers degradation was observed. Retinal degeneration was accompanied with neovascularization and migration of cell nuclei. Changing of retinal layers architectonic was reduced by anti-inflammatory therapy. Nevertheless, in Triamcinolone group the most significant alterations of the fundus vessels were found. Conclusion: In ischemic model disintegration and the proliferation of ganglion cell layer were observed as well as the degradation of retinal inner layers. Triancinolone entails the decrease in the intensity of proliferative processes in the retina and refine eye conditions in general. However, Lornoxicam promoted the better preservation of retinal inner layers. The research was supported by RFFI grant 14-04-01318.
Referent/in: José Hurst (Tübingen)
Fragestellung: Der Zentralarterienverschluss (ZAV) führt innerhalb weniger Stunden zum irreversiblen Sehverlust, da durch die Unterversorgung mit Sauerstoff (Ischämie) die retinalen Ganglienzellen (RGZ) absterben. Eine erfolgreiche Therapie existiert nicht. In Studien konnte gezeigt werden, dass unter Einhaltung eines engen Zeitfensters die Reperfusion bei zerebralen Insulten, als auch beim ZAV eine Therapieoption darstellt. Methodik: Für dieses Projekt wurde Ischämie an Retinakulturen in-vitro in einer neu etablierten Ischämiekammer simuliert. Diese Methode ist effektiver, als vergleichbare in-vivo Modelle und ermöglicht es verschiedene Therapieformen zu überprüfen. Die Wirksamkeit der erzeugten Ischämie wurde mittles OCT und proteinbiochemisch nachgewiesen. Der Zellzahlverlust entsprach der toxischen Wirkung von 1mM Glutamat, welches als vergleichendes Modell verwendet wurde. Anhand dieser beiden Modelle wurden zwei Therapieansätze zur Behandlung des ZAV detailliert getestet: erstens die Hypothermie und zweitens Cyclosporin A (CSA). Wir konnten bereits zeigen, dass sowohl CSA als auch Hypothermie einen Verlust der RGZ nach 48h verhindern. Die neuen Daten zeigen die detaillierte Reaktion der RGZ. Auf molekularer Ebene wurde die Expression neuronaler und apoptotischer Marker abgefragt, sowie Gliose-Marker untersucht. Weiterhin wurde die Schichtdicke der Retinae im OCT gemessen. Die Funktionalität der RGZ wurde mittels Multielektroden Assays kontrolliert. Weiterhin wurden intrazelluläre Signalwege validiert. Ergebnisse: Sowohl die Hypothermie als auch CSA zeigten deutliche neuroprotektive Resultate in Bezug auf die RGZ. Eine deutliche Reduktion der Thy-1 mRNA war unter Ischämie zu beobachten. Im Gegensatz dazu zeigte sich ein Anstieg der Thy-1 mRNA unter hypothermen Bedingungen. Ebenso wies das Bax/Bcl-2 Verhältnis unter Hypothermie bzw. CSA eine deutliche Abnahme auf. Die Messung der GFAP mRNA Level ergab, eine erhöhte Expression dieses Gliose Markers unter Ischämie bei 37°C, nicht jedoch bei geringeren Temperaturen. Fazit: Die Anatomie des Auges ermöglicht es theoretisch nach Vitrektomie eine Spüllösung durch das Auge zu perfundieren, welche die Retina bzw. die Ganglienzellen versorgt und Unterstützt, bis die körpereigene Blutversorgung wiederhergestellt ist. Auf Grund unserer Ergebnisse wäre ein therapeutischer Ansatz denkbar, bei dem das Auge mit einem gekühlten Nährmedium, welches CSA enthält behandelt wird, bis der ZAV durch Lyse behoben wurde.
Referent/in: Maximilian Schultheiss (Stuttgart)
Fragestellung: Nach den Ergebnissen der European Assessment Group for Lysis in the Eye (EAGLE)-Studie ist die intraarterielle Lysetherapie beim Zentralarterienverschluss nicht mehr indiziert. Das in der EAGLE-Studie gewählte therapeutische Zeitfenster war mit 20 Stunden (h) jedoch sehr lang. Beim ischämischen Schlaganfall ist die Wirksamkeit der Thrombolyse nur bis 4,5 h nach Symptombeginn ausreichend bewiesen. In der EAGLE-Studie wurde kein Patient im 4,5 h Zeitfenster lysiert. Unklar bleibt folglich die Rolle der Lysetherapie bei sehr frischen Zentralarterienverschlüssen und ob in diesem Zeitfenster Patienten von einer Lysetherapie profitieren könnten. Methodik: Die Diagnose eines retinalen Arterienverschlusses wurde in unserer konsekutiven Fallserie funduskopisch gestellt und zumeist mit einem OCT gesichert. Patienten, bei denen der retinale Arterienverschluss kürzer als 4.5 h zurücklag, wurden mit einer intravenösen rt-PA-Lyse behandelt. Entsprechend der Leitlinien zur Lysetherapie bei einem akuten ischämischen Schlaganfall wurde vor Beginn der Thrombolyse ein Schädel-CT durchgeführt und Kontraindikationen ausgeschlossen. Ergebnisse: Es wurden in einem Zeitraum von 32 Monaten sieben Patienten mit frischem retinalen Arterienverschluss rekrutiert und innerhalb von 4.5 h intravenös lysiert. Sechs Patienten hatten einen Zentralarterienverschluss und ein Patient einen Astarterienverschluss. Bei vier Patienten kam es zu einer Wiederöffnung der retinalen Gefäße, davon hatten drei eine vollständige Erholung der Sehschärfe und des Gesichtsfeldes. Beim vierten Patienten verblieb ein Zentralskotom mit einem reduzierten Visus. Es gab keine unerwünschten Nebenwirkungen durch die Lysetherapie. Schlussfolgerung: Innerhalb der ersten 4,5h scheint die intravenöse Lysetherapie möglicherweise eine wirksame Therapie des Zentralarterienverschlusses zu sein. Um diese Frage beantworten zu können, bedarf es neuer prospektiver Studien mit einer höheren Patientenzahl.
Referent/in: Felice Lob (München)
Hintergrund: Seit Jahren ist eine Assoziation cardiovaskulärer Ereignisse wie dem akutem Koronarsyndrom oder Apoplex mit emotionalen Triggern wie auch einer Fußballweltmeisterschaften (WM) bekannt. Je nach Ursprungsland und Studiendesign konnten teilweise signifikante Unterschiede festgestellt werden. Bekannt ist auf ophthalmologischer Seite die Korrelation kardiovaskulärer Vorerkrankungen mit augenärztlichen Gefäßerkrankungen. Es soll untersucht werden, ob sich während der WM 2014 und in den 4 Wochen danach mehr Patienten mit einem Zentralvenen- oder Venenastverschluss in unserer Augenklinik vorgestellt haben. Methoden: Es wurden durch Abfrage unserer Forschungsdatenbank, die die klinischen Daten aus unserer elektronischen Akte von knapp 290.000 Patienten sowie die OCT Messwerte von ca. 35.000 Untersuchungen umfasst, Patienten identifiziert, die im Zeitraum der WM 2014 sowie zum Vergleich im selben Vorjahreszeitraum, einen venösen Verschluss erlitten haben. Von diesen Patienten wurden die demografischen Daten, Visus sowie Teniso extrahiert. Die Daten dieser beiden Zeiträume wurden miteinander verglichen. Ergebnisse: Bei 6 erfassten ZVTs und 8 VAT bei 9 männlichen und 5 weiblichen Patienten im entsprechenden Zeitraum 2013 lag das Durchschnittsalter bei 70 (m) bzw. 69 (w) Jahren. Der Visus lag am betroffenen Auge bei Erstvorstellung zwischen 0,05 und 0,9, durchschnittlich bei 0,38, Tensio zwischen 12 und 25, durchschnittlich bei 16 mmHg. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stellten sich 2014 während der WM mit 26 Patienten 57 % mehr mit retinalen Venenthrombosen (15 mit zentralen, 6 mit Astvenenthrombosen sowie 5 Hemi-Zentralvenenthrombosen) vor. Davon 11 männliche (Durchschnittsalter 67 Jahre) und 15 (Durchschnittsalter 76 Jahre) weibliche Patienten. Der Visus des betroffenen Auges lag zwischen 0,05 und 1,0, durchschnittlich bei 0,63, Tensio zwischen 8 und 24, durchschnittlich bei 15 mmHg. Schlussfolgerung: Bei einem gut vergleichbaren Patientenkollektiv kann aus der Analyse der Daten unserer Klinik geschlossen werden, dass die Inzidenz venöser Verschlüsse im Zeitraum der WM 2014 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum regional gestiegen ist. Es ist davon auszugehen, dass eine emotionale Belastung wie eine WM ein Risikofaktor für die Entstehung eines venösen Gefäßverschlusses ist. Um eine generelle Aussage für Deutschland zu treffen, müssten die Daten aus weiteren Zentren für die augenärztliche Primärversorgung ausgewertet werden.
Referent/in: Ivanka Dacheva (Heidelberg)
Analyse des Proteoms unverdünnter Glaskörperproben von Patienten mit retinalem Venenverschluss (RVV) zur Identifikation potentieller Biomarker. In dieser retrospektiven Fall-Serie wurden insgesamt 68 Glaskörperproben mit Hilfe einer Kapillarelektrophorese online-gekoppelt mit einem Flugzeitmassenspektrometer analysiert. 44 dieser Proben stammten von nicht vorbehandelten Patienten mit RVV, 24 von Patienten mit Mouches volantes idiopathischer Genese (Kontrollgruppe). Um potentielle Biomarker bei RVV zu bestimmen wurde eine Proteom Analyse von 30 RVV Patienten angefertigt und mit 16 Kontrollpatienten verglichen. Um die Validität der bestimmten potentiellen Biomarker zu überprüfen wurde eine Receiver Operating Characteristic (ROC) Analyse von weiteren, unabhängigen 14 RVV Patienten und 8 Kontrollen durchgeführt. Im Gesamten konnten 96 unterschiedliche Proteine (755 tryptische Peptide) identifiziert werden. In den RVV Proben zeigten sich 17 dieser Proteine signifikant hoch/runter reguliert (P=1.43E-05 bis 4.48E-02). Nach Korrektur für multiples Testen verblieben 5 signifikante Proteine: Clusterin, Complement C3, Ig lambda-like polypeptide 5 (IGLL5), Opticin und Vitronectin. Im Vergleich Kontrolle versus RVV-Untergruppen, wie zentralem Venenverschluss (ZVV), hemi-zentralem Venenverschluss (H-ZVV) und Venenastverschluss (VAV), zeigten sich alle 5 Proteine ebenfalls signifikant. Unter Verwendung von unabhängigen RVV und Kontrollproben konnte die Validität der Ergebnisse mittels Analyse der ROC-AUC („ROC-area under the curve“) bewiesen werden: Clusterin 0.884, Complement C3 0.955, IGLL5 1.000, Opticin 0.741, Vitronectin 0.786. Die Ergebnisse der Studie zeigen eine signifikant unterschiedliche Zusammensetzung des Proteoms im Glaskörper von Patienten mit RVV versus Kontrollen. Die herausgearbeiteten Proteine Clusterin, Complement C3, IGLL5, Opticin und Vitronectin könnten als potentielle Biomarker bei RVV dienen.
Referent/in: Ivanka Dacheva (Heidelberg)
Korrelation von entzündlichen und proangiogenetischen Proteinen aus unverdünnten Glaskörperproben von nicht vortherapierten Patienten mit retinalem Venenverschluss (RVV) und bekannten klinischen Parametern wie Visus und Veränderungen im OCT. In dieser retrospektiven Fall-Serie wurden insgesamt 42 Glaskörperproben von Patienten mit RVV (15 Venenastverschlüsse (VAV), 18 zentrale Venenverschlüsse (ZVV), 9 hemi-zentrale Venenverschlüsse (HZVV)) anhand einer 1-port 23-gauge Kernvitrektomie im Rahmen der intravitrealen Kombinationstherapie gewonnen. Als Kontrolle dienten 26 Glaskörperproben von Patienten mit Mouches volantes idiopathischer Genese. Die Konzentrationen von ANG-1, IL-6, IL-7, IL-8, MCP-1, PEDF, VEGF-A wurden mittels hochspezifischer ELISA bestimmt und mit klinischen Parametern wie Visus (logMAR), zentraler Makuladicke (CMT), mittlerer Retinadicke (AvT) und das Vorliegen von Zysten im OCT korreliert. Zusätzlich wurde die RVV-Gruppe je nach Dauer des Verschlusses in frisch und alt eingeteilt und analysiert. Es bestanden keine signifikanten Unterschiede in den demografischen Parametern und dem Visus zwischen allen Gruppen. Beim Vergleich der Subgruppen (VAV, ZVV und HZVV) mit der Kontrollgruppe erwiesen sich ANG-1, IL-7, IL-8, PEDF, VEGF-A als erhöht und korrelierten positiv miteinander. Alle Zytokine korrelierten nicht signifikant positiv mit CMT in der ZVV- und VAV-Subgruppe (0,05< r< 0,56). Bei VAV korrelierten IL-6 und IL-8 positiv (r=0,27) mit AvT und ANG-1 negativ (r=-0,27), wobei IL-6 positiv (r=0,51) und VEGF-A negativ (-0,18) mit AvT bei ZVV korrelierte. Alle Zytokine zeigten statistisch signifikante (p< 0,0001) negative Korrelationen in der HZVV-Subgruppe mit AvT (-0,9< r< -0,38) und CMT (-0,88< r< -0,24). Es konnte keine statistisch signifikante Korrelation von Zytokinen und dem Vorliegen von Zysten nachgewiesen werden. Bei den frischen RVV zeigte sich eine Tendenz zu hohen Konzentrationen von ANG-1, IL-6, IL-7, MCP-1, PEDF, wobei die Konzentrationen von VEGF und IL-8 in der Subgruppe mit längerer Erkrankungsdauer höher waren. Inflammatorische und proangiogenetische Zytokine sind häufig mit morphologischen Veränderungen im OCT assoziiert. Der pathophysiologische Zusammenhang könnte hindeuten, warum Non-Responder häufiges Rezidiv bzw. Persistenz des Makulaödems bei der gängigen VEGF-Therapie aufweisen.
Referent/in: Sebastian M. Waldstein (Wien)
Fragestellung: Eine präzise Vorhersage von Krankheitsverläufen ist die Grundvoraussetzung für personalisierte Therapie und Prognose bei retinalen Erkrankungen. Die optische Kohärenztomographie (OCT) bietet eine genaue Phänotypisierung der individuellen retinalen Befunde und hat in Kombination mit computerisierter Analyse das Potential, die Identifikation von spezifischen Krankheitsmustern zu ermöglichen. Das Ziel dieser Arbeit war, Verläufe von Makulaödemen bei Patienten mit Zentralvenenthrombose (ZVT) mittels OCT und computergestützter Modellierung vorherzusagen. Methodik: Wir analysierten monatlich aufgenommene OCT-Daten von 155 Augen mit zuvor unbehandelter ZVT. Alle Patienten erhielten eine aus drei monatlichen Injektionen bestehende Loading Dose, sowie darauffolgend eine bedarfsorientierte Therapie mit Ranibizumab für insgesamt 12 Monate. Die dreidimensionalen OCT-Aufnahmen wurden in einem vollautomatischen Bildanalyse-System prozessiert. Dieses bestand aus Modulen für die Entfernung von Bildrauschen und Bewegungsartefakten, Gefäß- und Netzhautdickensegmentierung, Detektion der Fovea- und Sehnervenpositionen sowie Registrierung der Aufnahmen in einen gemeinsamen Referenzraum. Basierend auf einer Zunahme der Netzhautdicke um ≥29µm zu einem beliebigen Zeitpunkt wurden alle Patienten als „rezidivierend“ oder „nicht rezidivierend“ klassifiziert. Maschinelles Lernen wurde verwendet, um rezidivierende und nicht rezidivierende Verläufe auf Basis der Befunde während der Loading Dose vorherzusagen. Ergebnis: 1860 OCT-Volumina wurden automatisch analysiert. 17% der Patienten zeigten nicht rezidivierende Verläufe und 83% zeigten ein oder mehrere Rezidive. 50% der Patienten mit nicht-rezidivierendem Krankheitsmuster benötigten keinerlei weitere Behandlung nach der Loading Dose. Das computerisierte Modell ermöglichte die Vorhersage der Krankheitsverläufe mit 67% Sensitivität und 80% Spezifität und einer Fläche unter der ROC-Kurve von 0.83, d.h. einer Prognosegenauigkeit von 83%. Schlussfolgerung: Die computerisierte Modellierung von longitudinalen OCT-Daten ermöglichte eine präzise Vorhersage von individuellen Krankheitsverläufen bei Patienten mit ZVT. Die personalisierte Therapie von Netzhauterkrankungen erscheint mit den beschriebenen Methoden in unmittelbarer Reichweite.
Referent/in: Evelyn Voigt (Dresden)
Fragestellung: Ziel der vorliegenden Studie war es, das Tag-Nacht-Blutdruckverhalten von Patienten mit Zentralvenen- und Venenastverschluss (ZVV bzw. VAV) zu evaluieren. Methodik: Zur Auswertung standen Daten von 121 Patienten (61m/ 60w, Alter 68,5 + 13,4 J.), die aufgrund eines retinalen Venenverschlusses an einem Auge (65x ZVV, 56x VAV) in unserer Klinik behandelt wurden. Jeder Patient erhielt eine 24h-RR-Messung. Gemäß der Leitlinien der European Society of Hypertension (ESH) und der European Society of Cardiology (ESC) wird ein Blutdruck als normal angesehen, wenn tagsüber Werte < 135/ 85mmHg und nachts < 120/ 70mmHg bestehen. Ein mittleres nächtliches Dipping von 10-20% wird als physiologisch angesehen, < 10% als Non-Dipping bezeichnet und >20% als Over-Dipping. Zur statistischen Auswertung wurde ANOVA mit post-hoc-Mehrfachvergleichen angewandt. Ergebnis: 115 Patienten (95%) wiesen einen arteriellen Hypertonus auf, wovon 12 Personen eine suffiziente medikamentöse RR-Einstellung hatten, 8 unbehandelt waren und 95 Personen trotz antihypertensiver Medikation noch eine arterielle Hypertonie aufwiesen. Insgesamt waren nur 6 Personen (5%) normotensiv. Der mittlere systolische RR zeigte einen statistisch signifikanten Unterschied zwischen ZVV vs. VAV (tags: 147,7 mmHg vs. 156,2 mmHg; p=0,001; nachts: 111,2 mmHg vs. 139,9 mmHg, p=0,001). Der mittlere arterielle Blutdruck (MAP=DBP+1/3(SBP-DBP)) unterschied sich ebenfalls signifikant zwischen ZVV und VAV (tags: 105,6 mmHg vs. 111 mmHg, p=0,003; nachts: 96 mmHg vs. 99 mmHg, p=0,02)Der mittlere nächtliche systolische Blutdruck (SBP) betrug im Vergleich 141 vs. 147mmHg. 35% vs. 45% der Personen waren physiologische Dipper mit einem mittleren nächtlichen systolischen Blutdruck von 125 mmHg bzw. 134 mmHg. Auch physiologische Dipper erreichten teilweise nachts keine normotensiven Werte (SBP/ DBP < 120/ 70 mmHg). 11% vs. 9% der Patienten waren nächtliche Over-Dipper. Die mittleren nächtlichen Blutdrücke betrugen bei ZVV vs. VAV 111 mmHg vs. 133 mmHg. Schlussfolgerung: Der Großteil der Patienten mit ZVV oder VAV zeigten im 24h-Profil hypertensive Blutdruckwerte unabhängig vom Dippingverhalten. Es ist bekannt, dass hypertensive Gefäßveränderungen sich zuerst in den Arteriolen manifestieren. Dies mag die statistisch signifikant höheren Tag- wie Nachtblutdrücke bei VAV-Patienten erklären. Die 24h-Blutdruckmessung und Optimierung des RR tags wie nachts stellen ein sinnvolles Instrument zur Prävention der Verschlussentstehung dar.