Freie Vortragssitzungen, Samstag, 3.10.2015

 
Saal 5 08:00 - 09:30 03.10.2015
Freie Vortragssitzung Sa06
Tumoren intraokular Tumors intraocular
Vorsitzende/r: Claudia Auw-Hädrich (Freiburg), Antonia M. Joussen (Berlin)

Referent/in: Wilma Rasche (Leipzig)
Fragestellung: Auswertung der von 1999 bis 2015 mit Ruthenium-Applikator behandelten Patienten mit Aderhautmelanom anhand der Tumor-Datenbank der Augenklinik. Bewertungskriterien sind: Tumorregression, Visusentwicklung in Abhängigkeit zur Strahlendosis und Tumorparametern, Therapie-Nebenwirkungen, Tumorrezidiv, Metastasenbildung, Sekundärtumor und Überlebenszeit. Methodik: monozentrische, retrospektive uni- und multivariate Datenanalysen, sowie Kaplan-Meier-Überlebenszeitanalyse Ergebnisse: 410 mittels Brachytherapie behandelte Patienten wurden in der Tumordatenbank erfasst. In 71,3% wurde eine lokale Tumorkontrolle erreicht. Beurteilt wurde die Tumorlokalisation, Tumorprominenz, das Vorhandensein einer Kragenknopfkonfiguration sowie Infiltration von Makula, Papille, Ziliarkörper und Sklera, Rezidiventwicklung und visuelles Outcome. Bei Erstuntersuchung sind nach der TNM-Klassifikation 23,1% T1-, 48,6% T2-, 25,9% T3- und 1,2% T4-Stadium zuzuordnen. Eine Infiltration von Lymphknoten oder eine Fernmetastasierung bestand bei keinem Patienten bei Erstdiagnose. Rezidive traten bei 4,9% auf und bei 9,7% wurden Metastasen im Rahmen der Durchuntersuchung im follow up festgestellt. Davon traten 45,8% innerhalb der ersten 3 Jahre nach Brachytherapie auf, 25% zwischen 3 und 5 Jahren und 29,2% der Metastasen wurden nach mehr als 5 Jahren diagnostiziert. Diese Patienten waren bei Erstdiagnose im Stadium T2 oder T3, lediglich ein Patient hatte bei Erstdiagnose einen T1-Befund. 38,5% der Patienten entwickelten im Verlauf eine Strahlenretinopathie, 5,3% eine Rubeosis iridis und bei 3,2% wurde ein Sekundärglaukom diagnostiziert. Die Auswirkung dieser Komplikationen auf die Visusentwicklung erfolgt durch multivariate Analysenauswertung. Notwendige Zweiteingriffe, wie transpupilläre Thermotherapie, Vitrektomie und sekundäre Enukleation, wurden erfasst und mit Hilfe von Cox-Regression und Kaplan-Meier-Schätzungen analysiert. Schlussfolgerung: Die Brachytherapie mit Ruthenium-Applikator bei uvealem Melanom ermöglicht eine stabile Tumorkontrolle. Risikofaktoren für ein schlechtes visuelles Outcome sind die Tumornähe zu Papille und Makula und ein T3-Stadium oder höher bei Erstdiagnose. Die Rezidivrate und Metastasenentwicklung ist über einen Zeitraum von 15 Jahren vergleichbar niedrig mit anderen Zentren.
Referent/in: Paul Foerster (München)
Einleitung: Die radiochirurgische Behandlung stellt eine Teletherapiemethode für große und mittlere Tumore beim Aderhautmelanom dar und kann einzeitig ohne Fixierungsrahmen in Retrobulbäranästhesie durchgeführt werden. Bislang fehlen Daten zum Langzeitverlauf nach dieser Therapieform. Diese sollen mit Hinblick auf Tumorkontrolle und Bulbuserhalt erhoben werden. Methoden: 217 Patienten mit überwiegend mittleren und großen Aderhautmelanomen (3% klein, 62% mittelgroß, 35% groß), die nicht mit einer Brachytherapie behandelt werden konnten, wurden zwischen 2006 und 2012 in einer Sitzung behandelt. Zu Beginn erfolgte eine Retrobulbäranästhesie, gefolgt von einer Magnetresonanztomographie (MRT) und/oder einer Computertomographie (CT) zur Erstellung eines bildgestützten Bestrahlungsplanes. Die applizierte Tumordosis (70 % Isodose) betrug zwischen 18 und 22 Gy und im Mittel 20,3 Gy. Die Gesamtdauer der Prozedur betrug maximal 3 Stunden. Kontrolluntersuchungen erfolgten nach 3, 6, 12 und 18 Monaten und anschließend jährlich mittels einer klinischen Untersuchung inklusive Ultraschall und MRT. Die Tumorkontrollrate und der Bulbuserhalt wurden mittels Kaplan-Meier-Kurven berechnet. Ergebnisse: 93 weibliche und 124 männliche Patienten wurden behandelt. Der Median des Alters betrug 64 Jahre (Range 21 – 95 Jahre) und der Median der follow-up-Zeit lag bei 26,4 Monaten (Range 6 - 84,0 Monate). Die berechneten 3-Jahres- und 5-Jahres-Raten für den Bulbuserhalt betrugen 86,7% und 73%. Die lokale Tumorkontrolle lag nach drei Jahren bei 87,4% und nach fünf Jahren bei 70,8%. Ein Sekundärglaukom entwickelte sich bei 33 Patienten in einem medianen Zeitraum von 20,8 Monaten (Range 5,8 - 54 Monate) nach Behandlung. Zusammenfassung: Die einzeitige, fixierungsrahmenlose, robotergestützte Radiochirurgie mit dem Cyberknife stellt eine effektive Therapieoption für Patienten mit großen und mittleren Aderhautmelanomen dar und ermöglicht einen Bulbuserhalt in einer Vielzahl von Fällen.
Referent/in: Matus Rehak (Berlin)
Fragestellung: Zur Behandlung der mittel peripher liegenden flachen malignen Aderhautmelanome kann eine Brachytherapie mittels Ruthenium-Applikators sowie eine Protonenbestrahlung eingesetzt werden. In unserer retrospektiven matched pair Analyse wurden die Behandlungsergebnisse bei Patienten, die entweder mit einer Brachytherapie oder Protonenbestrahlung an der Augenklinik Charite, Campus Benjamin Franklin zwischen Januar 1998 und 2006 behandelt wurden. Methodik: Von insgesamt 704 konsekutiven Patienten wurden entsprechend des Patientenalters und Geschlechts, der Tumorlage, Tumorprominenz, und vorbestehender Netzhautablösung die Patienten, die eine Ru-Brachytherapie und eine Protonenbestrahlung bekamen zu „matched pairs“ gebildet um die Ergebnisse dieser zwei Behandlungen direkt zu vergleichen. Insgesamt konnten 18 Paare (36 Patienten) evaluiert werden. Bei allen Patienten betrug die Nachbeobachtungszeit mindesten 5 Jahre. Folgende Parameter wurden statistisch ausgewertet: Überlebensrate, Rezidivrate, Metastasenrate, Visusverlauf, Entwicklung einer Katarakt und Sekundärglaukoms sowie Rubeosis iridis und Strahlenretinopathie Ergebnisse: Die durchschnittliche Tumorprominenz vor der Behandlung betrug in der Ru-Applikator-Gruppe 3,00 mm und reduzierte sich währen der Nachbeobachtungszeit von 8 Jahren auf1,17mm. In der Protonen-Gruppe kam im diesen Zeitraum zu einer Prominenzreduktion von initialen 3,25mm auf 2,06 mm. Der Visus im Zeitraum von 8 Jahren sank in der PBT-Gruppe im Median des logMAR von 0,15 auf 0,3. In der Ruth.-Gruppe von 0,02 auf 0,2. Zwischen den beiden Gruppen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede bezüglich des Überlebens- und der Metastasenrate. Auch bei der Entwicklung der Behandlungskomplikationen zeigten sich nur nicht signifikante Unterschiede. Ein Sekundärglaukom trat häufiger in der PBT Gruppe auf (5 Jahre nach Therapie 8% vs. 0% bei Ruth), eine operationsbedürftige Katarakt entwickelte sich nach 5 Jahren häufiger in der PBT Gruppe (0% vs. 15% bei Ruth). Eine Strahlenoptikopathie trat dagegen häufiger in der Ruth.-Gruppe (5 Jahre nach Therapie 12 % vs. 3% bei PBT). Schlussfolgerungen: Unsere retrospektive Analyse zeigte, dass die Behandlung der mittel peripher liegenden Aderhautmelanome, die eine Prominenz vor der Behandlung < 4 mm bei denen eine Ruthenium-Brachytherapie durchführbar ist eine vergleichbare Therapieoptionen zur Protonenbestrahlung darstellen.
Referent/in: Mete Gök (Essen)
Fragestellung: Die Behandlung hochprominenter Aderhautmelanome ist nur begrenzt bulbuserhaltend möglich und stellt weiterhin eine große Herausforderung insbesondere von weit posterior lokalisierten Tumoren dar. Die transretinale Endoresektion bietet in solchen Fällen als chirurgische Maßnahme nach vorhergehender Bestrahlung mittels Gammaknife und nach pars plana Vitrektomie eine bulbuserhaltende Möglichkeit dar, die allerdings auch begrenzt ist und zu schwerwiegenden Komplikationen führen kann. In einer retrospektiven Fallserie werden intra- und postoperative Komplikationen der transretinalen Tumorendoresektion vorgestellt. Methodik: Retrospektiv wurden in einem Zeitraum von 1999-2010 insgesamt 200 Patienten mit einem hochrominenten Aderhautmelanom mit überwiegend posterior des Äquators lokalisierten Lage nach vorangegangener Gamma-Knife Vorbestrahlung und anschließender pars plana Vitrektomie und transretinaler Tumorresektion untersucht. Die Nachbeobachtungszeit lag bei 32 Monaten. Primärer Zielpunkt war der Bulbuserhalt. Ergebnisse: Die durchschnittliche Tumorhöhe lag bei 9,43mm. Bei 89% konnte das betroffene Auge dauerhaft erhalten werden. Gründe für die Entfernung des Auges waren in 59,5% der Fälle eine Phthisis bulbi , bei weiteren 4% lag ein Rezidiv vor und in den übrigen Fällen war der Tumor durch persistierende oder rezidivierende Blutungen nicht ausreichend beurteilbar. Bei ca. 15% der Patienten wurde im Verlauf eine Revisionsoperation mittels einer erneuten pars plana Vitrektomie durchgeführt. In den meisten Fällen kam es dabei nach der Silikonölentfernung zu einer Netzhautablösung. Eine weitere häufige Komplikation war das Auftreten von Blutungen, welche bei ca. 16,5% der Patienten eine Vorderkammerspülung notwendig machten. Weiterhin wurde bei 70% nach einem Zeitraum von ca. 8,7 Monaten eine Katraktoperation durchgeführt. Schlussfolgerung: Die transretinale Tumorendoresektion mittels einer pars plana Vitrektomie kann in Kombination mit einer Vorbestrahlung mittels Gamma-Knife durchaus auch bei hochprominenten Aderhautmelanomen als bulbuserhaltende Maßnahme im Vergleich zu alternativen Therapiemethoden (z. B. mit einer alleinigen Brachytherapie) mit vertretbaren Komplikationen eingesetzt werden.
Referent/in: Aline Isabel Riechardt (Berlin)
Fragestellung: Ist eine Trabekulektomie eine suffiziente und hinsichtlich der lokalen Tumorkontrolle vertretbare Therapie bei Sekundärglaukomen bei Z.n. Protonentherapie bei uvealem Melanom? Methodik: Retrospektive Auswertung. Single Center Studie. Ergebnisse: Es wurden insg. 15 Patienten mit einem durchschnittlichen Alter von 60,4 Jahren eingeschlossen. Das mittlere Follow-up betrug 82.6 Monate. Zehn Patienten hatten ein reines Irismelanom, drei ein Iris-Ziliarkörpermelanom, ein Patient hatte ein reines Ziliarkörpermelanom und ein Patient ein choroidales Melanom. Der mittlere Augeninnendruck konnte von 35mmHg präoperativ auf 16mmHg ohne Antiglaukomatosa sechs Monate nach TE gesenkt werden. Postoperativ bestand bei zwei Patienten eine behandlungswürdige Hypotonie. Vier Patienten benötigten im Verlauf ein Needling. Bei zwei Patienten erfolgte eine komplette TE-Revision. Bei zwei Patienten bestand der V.a. auf ein Lokalrezidiv. Einer der Patienten erhielt eine salvage Therapie mittels Rutheniumapplikator-Brachytherapie. Der zweite Patient wurde enukleiert. Ein Patient verstarb an den Folgen eines metastasierten UMs. Der mittlere Visus betrug 0.2 logMAR vor Protonentherapie und 0.4 logMAR vor TE und zwei Jahre nach TE. Schlussfolgerungen: Eine TE ist prinzipiell auch beim UM möglich, bleibt aber eine Einzelfallentscheidung. Grundvoraussetzung für eine TE ist eine gesicherte lokale Tumorkontrolle. Im Vergleich zur TE beim primären Glaukom sind häufiger Interventionen notwendig.
Referent/in: Eva Biewald (Essen)
Fragestellung: Zur Therapie extraokularen Wachstums nach der Enukleation hochprominenter Aderhautmelanome findet sich in der Literatur bislang keine eindeutige Stellungnahme. Insbesondere sind bislang keine gesichterten Vorteile bezüglich des Rezidivrisikos nach adjuvanter perkutaner Radiatio beschrieben. Vorliegende Arbeit befasst sich daher mit dem Rezidivrisiko nach adjuvanter Therapie versus Verlaufskontrollen. Methodik: Es handelt sich bei vorliegender Arbeit um eine retrospektive Fallserienanalyse. Von Juni 1984 bis September 2014 wurden insgesamt 78 Patienten (43 männlich, 35 weiblich) mit prominenten Aderhautmelanomen und histologisch nachgewiesenem extraokularem Wachstum enukleiert. Untersucht wurden über einen durchschnittlichen Nachbeobachtungszeitraum von 10,6 Monaten die Indikationen, Komplikationen und das Auftreten von Rezidiven ohne oder mit adjuvant durchgeführter perkutaner Radiatio. Ergebnisse: Die durchschnittliche Tumorhöhe lag bei 16,5mm, nach der TNM-Klassifikation lagen dabei über 80% bei einem Stadium pT3 oder pT4. Histopathologisch klassifiziert waren 37 Tumoren gemischtzellig, 31 zeigten einen Spindeltyp und die restlichen 10 einen epitheloiden Melanom. Bei insgesamt 14 Pateinten wurde die Enucleatio sekundär nach Misslingen anderer Therapieverfahren wie einer Brachytherapie, lokaler chirurgischer Verfahren oder Rezidive durchgeführt. Insgesamt wurden 48 Patienten adjuvant perkutan bestrahlt, wobei das Zielvolumen im Durchschnitt bei 40Gy lag (Minimum 30Gy, Maximum 60Gy). Die übrigen 30 Patienten wurden lediglich mit Hilfe bildgebender Verfahren verlaufskontrolliert. Keiner der Patienten ohne adjuvante Therapie zeigte im Nachbeobachtungszeitraum ein Rezidiv. In der Gruppe der bestrahlten Patienten zeigte sich allerdings in einem Fall eine Volumenreduktion der Orbita und in weiteren 2 Fällen eine Bindehautschrumpfung mit entsprechend erschwerter Prothesenversorgung. Ein orbitales Rezidiv trat nur bei einem Patienten mit einer Latenz von 8 Jahren auf, wobei dieser eine Radiatio mit einem Zielvolumen von30 Gy erhalten hatte. Weitere Kompikationen zeigten sich in keiner der beiden Gruppen. Schlußfolgerung: In dem untersuchten Patientenkollektiv zeigte sich kein Vorteil einer adjuvanten perkutanen Radiatio bei einem gleichzeitig erhöhten Nebenwirkungsprofil. Zur abschließenden Beurteilung wäre ein längerer Nachbeobachtungszeitraum wünschenswert.
Referent/in: Aysegül Tura (Lübeck)
Purpose: The presence of monosomy-3 in primary uveal melanoma (UM) is associated with a high risk of metastasis and mortality. Although circulating melanoma cells (CMC) can be found in most UM patients, only up to 50% of the patients develop metastases. In this study, we evaluated the copy number of chromosome-3 in the CMC, and compared this with known prognostic factors and with the monosomy-3 status of the primary tumor. Methods: Dual-immunomagnetic enrichment was used to isolate CMC from blood samples of the UM patients (n=31) and age-matched controls (n=9). A novel Immuno-FISH assay was applied to determine the number of chromosomes 3 in the circulating and primary tumor cells specifically expressing melanoma markers. The presence and percentage of CMC having monosomy-3 were compared to clinical prognostic factors. Results: CMC were detected in 93.5% of the patients (n=29 of 31) with primary non-metastatic UM, of which 45% were positive for monosomy-3. The monosomy-3 status of the CMC corresponded to the monosomy-3 status of the primary tumor in 7 of the 8 patients tested. Having monosomy-3 in a minimum of 25% of the CMC was significantly associated with an advanced tumor stage (P = 0.03). Conclusions: We were able to isolate CMC and determine their chromosome 3 status in almost all patients at the time of primary tumor treatment: less than 50% showed monosomy-3. This non-invasive technique may help to identify UM patients at risk for metastatic disease without the need of a biopsy of the primary tumor.
Referent/in: Sabrina Schlüter (Essen)
Hintergrund: Auswertung von Langzeitverläufen nach Brachytherapie bei Patienten mit vasoproliferativen Tumoren und Hämangioblastomen. Schwerpunkte der Studie sind die Optimierung der Strahlendosis, adjuvante Therapien und Komplikationen im Langzeitverlauf. Methode: Retrospektive Analyse von 93 Augen, welche als Primärtherapie eine Brachyherapie mit einem 106Ru-Applikator erhalten hatten. Der Langzeitverlauf sollte mindestens 6 Monate betragen. Vorbehandlungen des betroffenen Auges stellten ein Ausschlusskriterium dar. Zielpunkte der Studie waren die Tumorkontrolle durch die primäre Brachytherapie, die strahlenassoziierten Komplikationen und die Häufigkeit weiterer therapeutischer Eingriffe bei persistierender Tumoraktivität. Ergebnisse: Insgesamt konnten die Verläufe bei 93 Augen ausgewertet werden. Davon hatten 36 Augen vasoproliferative Tumoren. Bei 57 Augen lagen retinale Hämangioblastome vor. In dieser Gruppe konnte bei nahezu allen Patienten ein von-Hippel-Lindau (vHL) -Syndrom nachgewiesen werden. Das Durchschnittsalter der Patienten mit vasoproliferativen Tumoren lag bei 31 Jahren, das Alter der Patienten mit Hämangioblastomen bei 44 Jahren. In allen Fällen bestand die Initialtherapie aus einer Bestrahlung mit einem 106Ru-Applikator mit einer Zieldosis von 100 Gy am Apex. In 2/3 aller Fälle war dieses als alleinige Therapie ausreichend. Bei 31 % aller Patienten musste aufgrund von Restaktivität des Tumors eine adjuvante Therapie durchgeführt werden. Weitere Komplikationen waren cystoide Makulaödeme, epiretinale Gliosen und exsudative oder traktive Ablationes mit weitgehendem Funktionsverlust. Aufgrund dessen wurde in der Gruppe der vasoproliferativen Tumore bei 10 % der Fälle eine Vitrektomie durchgeführt, in der Gruppe der Hämangioblastome waren es dagegen 30 %. In 5 % der Fälle betrug der Endvisus nur noch Lichtscheinwahrnehmung. In drei Fällen kam es aufgrund eines schmerzhaften Sekundärglaukoms zur Enukleation. Schlussfolgerungen: Die Brachytherapie ist eine effektive Therapie bei vasoproliferativen Tumoren und Hämangioblastomen der Netzhaut mit günstiger Visusprognose bei wenig exsudativen Tumoren außerhalb des hinteren Augenpols. Die Visusprognose ist insbesondere abhängig von der Exsudation des Tumors beim Ausgangsbefund, die mit der Größe des Tumors korreliert. Eine frühzeitige und damit effektive Brachytherapie ist auch im Hinblick auf das junge Alter und die Bilateralität bei Patienten mit vHL-Syndrom sinnvoll.
Referent/in: Annette Hager (Berlin)
Hintergrund: Eine etablierte Behandlungsmethode vasoproliferativer retinaler Tumore (VPRT) ist die Brachytherapie mittels Rutheniumapplikator. In einigen Fällen kommt es jedoch nach Bestrahlung zu Rezidiven oder einem persistierenden Makulaödem. Ziel unserer Studie war es die adjuvanten Therapieoptionen bei rezidivierender Aktivität von VPRT nach Rutheniumbestrahlung zu analysieren. Methoden: In einer retrospektiven Studie wurden alle VPRT, die zwischen 1997 und 2013 mittels Rutheniumapplikator bestrahlten wurden und anschließend ein Rezidiv erlitten, untersucht. Im Speziellen wurden die Ergebnisse nach adjuvanter Therapie ausgewertet. Ergebnisse: Von 40 Augen mit VPRT zeigten sich im Nachbeobachtungszeitraum von 4,3 ± 3,4 Jahre (1 - 16 Jahre) bei 12 Augen (30%) erneute oder persistierende Exsudationen. Als adjuvante Therapien wurden in 8 Augen intravitreale Injektionen durchgeführt, in 3 Augen davon mit VEGF-Inhibitoren, in 2 Augen mittels Steroiden und in 3 Augen wurden sowohl VEGF-Inhibitoren als auch Steroide injiziert. In 6 Augen war eine Vitrektomie erforderlich, aufgrund einer Glaskörperblutung, einer Amotio oder traktiver Membranen. Bei 3 Augen wurde eine adjuvante Kryotherapie durchgeführt, bei einem weiteren Auge die erneute Aufnähung eines Rutheniumapplikators vorgenommen. Auch nach adjuvanter Therapie kam es innerhalb des gesamten Nachbeobachtungszeitaums nur bei 3 der 12 Augen (25%) zum vollständigen Erliegen der exsudativen Aktivität des VPRT. Nach adjuvanter Therapie betrug die finale Prominenz des Tumors 2,0 ± 1,1 mm (1,0 - 5,5), der Visus lag im Mittel bei 0,83 ± 0,40 logMAR (0,3 - 1,3). Unter den rezidivfreien 28 Augen (70%), bei denen nach Bestrahlung keine Exsudationen mehr sichtbar waren, wurde bei einem Auge ein zweites Mal ein Rutheniumapplikator aufgenäht. Der Grund war ein zweiter VPRT, der innerhalb des Nachbeobachtungszeitraumes an anderer Lokalisation am gleichen Auge entstanden war. Schlussfolgerungen: Die Rutheniumbestrahlung führt bei VPRT in mehr als zwei Drittel der Fälle zu einer vollständigen Inaktivierung des Tumors. Bei den übrigen persistierenden und rezidivierenden Tumoren ist eine spätere adjuvante Therapie nur in einem Viertel der Fälle erfolgreich. Daher ist bei VPRT die frühzeitige und korrekte Diagnosestellung sowie der rechtzeitige Behandlungsbeginn von entscheidender Bedeutung.