Freie Vortragssitzungen, Freitag, 2.10.2015

 
Saal 3 14:30 - 16:00 02.10.2015
Freie Vortragssitzung Fr21
Uveitis / Lymphom
Vorsitzende/r: Arnd Heiligenhaus (Münster), Uwe Pleyer (Berlin)

Referent/in: Claudia Metz (Essen)
Fragestellung: Ziel ist, die Fälle bioptisch gesicherter intraokularer Lymphome zu analysieren. Besonderes Augenmerk soll auf die Art der Diagnosesicherung und die anschließende Therapie gelegt werden. Methodik: Retrospektive Analyse von Pars plana Vitrektomien, durch die intraokuläre Lymphome nachgewiesen werden konnten (Zeitraum 1991 bis März 2015). Ergebnisse: Insgesamt konnte bei 20 Patienten ein intraokulares Lymphom durch eine Pars Plana Vitrektomie nachgewiesen werden. In einem Drittel der Patienten handelt es sich um einen bilateralen Befund. In fast allen Fällen konnte ein B-Zell-Lymphom intraokular nachgewiesen werden. In der Hälfte der Fälle ist ein systemisches Lymphom bereits bekannt gewesen. In 4 Fällen entwickelte sich im Verlauf ein zerebrales Lymphom. In 10% der Fälle kam es zu einem sekundären intraokularen Lymphom. In den meisten Fällen war eine alleinige Glaskörperbiopsie zur Diagnosestellung nicht ausreichend. In insgesamt 6 Fällen war ein erneuter vitreoretinaler Eingriff nötig, um die Diagnose eines Lymphoms zu stellen, in 50% der Fälle mit zusätzlicher transretinaler Biopsie. Mehr als die Hälfte der Patienten wurde mit einer systemischen Chemotherapie behandelt, wobei meist systemisches MTX verwendet wurde. In 7 Fällen wurde eine Radiatio durchgeführt. Schlussfolgerungen: Unterschieden werden muss ein primär intravitreales Lymphom von einem Aderhautlymphom, da diese sich erheblich im Hinblick auf die Gesamtprognose für den Patienten unterscheiden. Eine bioptische Diagnosesicherung sollte in jedem Fall angestrebt werden, bei Aderhautbeteiligung mit einer transretinalen Biopsie, um die Chancen der Diagnosesicherung zu erhöhen und die Prognose des Patienten zu verbessern.
Referent/in: Vinodh Kakkassery (Bochum)
Hintergrund: Das primäre intravitreale Lymphom (PVRL) stellt eine seltene, hochmaligne Neoplasie des Auges dar. Die Präzision der diagnostischen Unterscheidung zwischen dem PVRL und einer Uveitis ist trotz invasiver vitrealer Probengewinnung unzureichend. Die miRNAs miR-19b, miR-21 sowie miR-92 Konzentrationen im Liquor stellen einen diagnostische Marker des primären ZNS Lymphom dar und werden beim Therapie-Monitoring eingesetzt (Baraniskin et al. 2011). Im Rahmen unseres Projektes wurde untersucht, ob diese miRNAs in PVRL Proben im Vergleich zu Proben von Uveitis Patienten erhöht sind. Methode: Im Glaskörperaspirat von 4 Patienten mit einem diagnostisch gesicherten Lymphom wurden miR-19b, -21 sowie -92 mittels Real-Time PCR quantitativ bestimmt und mit lymphomfreien Kontrollen (Vitritis: n=17; Macular Pucker n=8; vitreale Karzinommetastase n=1) verglichen. Ergebnisse: Es konnte für alle drei miRNAs eine statistisch signifikante Überexpression in den PVRL-Proben im Vergleich zu den Vitritis-Proben gemessen werden (48-facher Unterschied für miRNA-19b, p=0,0029; 10-facher Unterschied bei miRNA-21, p=0,0040 und 31-facher Unterschied für miRNA-92, p=0,0029). Es konnte ebenfalls für alle drei miRNAs eine signifikant höhere Expression in den PVRL Proben im Vergleich zu den Makular Pucker Proben ermittelt werden. Auch ergab sich ein deutlicher Unterschied der miRNA-Level zwischen den PVRL Proben und der vitrealen Karzinommetastase. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll das diagnostische Potential der Bestimmung der miRNAs zur Differenzierung zwischen einem PVRL und einer klassischen Uveitis. Die Validierung der Ergebnisse an einem größeren Kollektiv ist weiterhin erforderlich.
Referent/in: Karoline Walscheid (Münster)
Fragestellung: Die intermediäre Uveitis ist eine häufige Krankheitsentität im Kindes- und Erwachsenenalter. Systematische Analysen zu Immunzellen des peripheren Blutes (PBMCs) bei intermediärer Uveitis ohne assoziierte Systemerkrankung (idiopathische intermediäre Uveitis, IIU) liegen bislang nicht vor. Die aktuelle Studie untersucht die phänotypischen und funktionellen Charakteristika von PBMCs bei Patienten mit IIU und die Einflüsse einer systemischen Steroidgabe. Methodik: Es wurden 10 Patienten mit aktiver idiopathischer intermediärer Uveitis (IIU) ohne immunsuppressive Basistherapie untersucht, bei denen eine systemische Kortikosteroidgabe (initial 1mg/kg Körpergewicht mit Reduktion auf 0,1mg/kg im Verlauf) erfolgte. Vor, sowie 6 und 12 Wochen nach Beginn der Steroidtherapie wurden Blutproben entnommen, in welchen mittels durchflusszytometrischer Analyse eine Phänotypisierung von Monozyten- und T-Zell-Subtypen vorgenommen wurde. Die Funktionalität der angeborenen Immunantwort wurde mittels Phagozytose- sowie Burst-Assay getestet. Die Daten wurden verglichen mit denen von 28 Kontrollprobanden ohne entzündliche oder Augenerkrankung und mit klinischen und epidemiologischen Patientendaten korreliert. Ergebnis: Es zeigten sich signifikante Unterschiede in der Expression von pro-inflammatorischen und regulatorischen Monozytenmarkern zwischen Patienten und Kontrollen, wohingegen Phagozytose und Burst-Reaktion vergleichbar waren. Demgegenüber bestanden keine signifikanten Unterschiede in den peripheren pro-inflammatorischen oder regulatorischen T-Zell-Subgruppen. Der Phänotyp der PBMCs wurde durch systemische Steroidgabe moduliert. Schlussfolgerung: Die vorliegenden Daten weisen auf eine Rolle von Monozyten bei der Immunpathogenese der IIU hin. Dabei ist das co-stimulatorische und regulatorische Potential der Zellen verändert. Peripher zirkulierende T-Zellen hingegen reflektieren die intraokular ablaufenden Entzündungsprozesse weniger deutlich.
Referent/in: Maren Kasper (Muenster)
PURPOSE: The therapeutic effect of systemic everolimus treatment on uveitis has been shown in mice and man. Previous studies have demonstrated therapeutic efficacy of locally administered mPEGhexPLA (methoxy-poly-ethylene-glycol hexyl substituted poly-lactic acid) based micellar nanocarriers for treatment of pathological conditions in the anterior segment of the eye (e.g. corneal transplantation). In the present study we investigate the feasibility to treat EAU, a condition involving also the posterior segment of the eye, using topically administered everolimus-loaded mPEGhexPLA nanocarriers. METHODS: EAU was induced in female B10.RIII mice (age 8 weeks) by immunization with human interphotoreceptor-retinoid-binding protein peptide 161-180 (hIRBPp161-180) in complete Freund´s adjuvant. Mice were treated five times daily with 10µl of 0.5% everolimus-loaded mPEGhex-PLA micelles only of the right eye.. The control group received PBS. The treatment started on day 12 post immunization (p.i.). Sera and cervical lymph nodes (LN), inguinal LN, and spleens were collected on day 21 p.i.. The EAU-score was determined by histology. The influence of the treatment on the peripheral immune system (hIRBPp161-180 specific serum antibodies, cytokine secretion, lymphocyte proliferation, FoxP3+ regulatory T-cells) was determined via ELISA or flow cytometry. RESULTS: The therapeutic treatment with everolimus-loaded micelles resulted in a significant reduction of the histological EAU-score in the treated and the untreated eye. Furthermore, the presence of hIRBPp161-180 specific serum antibodies was significantly reduced after treatment. Mitogen-induced proliferation, as well as the IL-17 and IFN-g-secretion was significantly reduced in the right cervical LN, inguinal LN and the spleens of the everolimus treated mice compared to the PBS treated mice. The suppressive capacity was enhanced after treatment with everolimus-loaded micelles compared to PBS treated mice. However, the frequency of CD4+CD25+FoxP3+ regulatory splenocytes was not significantly different. CONCLUSION: Thus the topical treatment with everolimus-loaded micelles led to a milder course of EAU than in sham-treated animals. Although the improvement of EAU with this approach can be attributed to local treatment, the systemic immunosuppressive effect may have contributed to the therapeutic effect in EAU.
Referent/in: Viviane Grewing (Heidelberg)
Fragestellung: Die Therapie einer okulären Toxoplasmose (OT), insbesondere der Einfluss unterschiedlicher medikamentöser Therapien einer aktiven Läsion auf die Rezidivwahrscheinlichkeit wird in der Literatur kontrovers diskutiert und wurde daher von uns erneut untersucht. Methodik: Das Patientenkollektiv dieser retrospektiven Fall-Serie mit augenärztlicher Nachuntersuchung bildeten 156 Patienten mit der Diagnose OT. Diese wurden im Zeitraum von Januar 2000 bis Juni 2012 in unserer Klinik vorstellig. 84 Patienten erfüllten alle Einschlusskriterien (schriftliches Einverständnis, valide rekonstruierbarer Krankheitsverlauf, mindestens eine dokumentierte aktive Läsion, keine Immunsuppression). Bei insgesamt 280 detektierten aktiven Läsionen des zuerst diagnostizierten aktiven Auges, konnte die medikamentöse Therapie von 255 aktiven Läsionen rekonstruiert werden. Es wurden folgende Gruppen zugeordnet: Toxoplasma gondii-spezifische Therapie, systemische Corticosteroid-Monotherapie, keine Therapie, (antibiotische) Therapie ohne erwiesene Wirksamkeit gegen Toxoplasma gondii. Die Berechnung der medianen rezidivfreien Überlebenszeit erfolgte mittels Kaplan-Meier-Schätzer. Ergebnisse: 20 unterschiedliche, medikamentöse Behandlungsansätze einer aktiven Läsion der OT wurden im Einzugsgebiet des Interdisziplinäre Uveitiszentrums der Universitätsaugenklinik Heidelberg verwendet. Die mediane rezidivfreie Überlebenszeit nach Corticosteroid-Monotherapie (0.9 Jahre; 95%-KI 0.5-1.3 Jahre) zeigte sich signifikant reduziert im Vergleich zur Toxoplasma gondii-spezifischen Therapie (3.0 Jahre; 95%-CI 2.2-3.9 Jahre; P< 0.001) oder keiner Therapie (3.0 Jahre; 95%-CI 2.1-3.9 Jahre; P=0.006). Im Vergleich der medianen rezidivfreien Überlebenszeiten nach Toxoplasma gondii-spezifischer Therapie und keiner Therapie zeigte sich kein Unterschied (P=0.679). Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse zeigen, daß eine Corticosteroidmonotherapie die Zeit bis zum nächsten Rezidiv drastisch verkürzt. Allerdings zeigte sich kein Unterschied zwischen einer spezifischen Therapie oder keiner Therapie. Dies deckt sich mit Studien anderer Autoren, allerdings muss bedacht werden, daß eher leichtere Schübe außerhalb des hinteren Pols nicht therapiert werden. Es besteht aktuell kein Konsens bzgl. der Therapie einer OT.
Referent/in: Manfred Zierhut (Tübingen)
Fragestellung: Eine Serpiginosa-artige Uveitis (SAU) wird in Indien fast ausschließlich im Rahmen einer Tuberkulose (TB) gesehen. Die zügig eingeleitete tuberkulostatische Therapie ist hoch wirksam und verhindert sehr häufig eine schlechte Sehschärfe. Die ähnlich aussehende und in der Westlichen Welt recht häufige Serpiginosa uveitis (SU), in Indian eine Rarität, läßt sich dagegen schlecht therapieren. Methodik: Im Rahmen diese Vortrages wird versucht darzustellen, in wieweit Ähnlichkeiten zwischen beiden Krankheitsbildern bestehen, die dann auch den Pathomechanismus erklären könnten. Ergebnisse: Die SAU verläuft multifokal und unter den Zeichen einer hoch aktiven Uveitis mit starker Glaskörperreaktion, wie es typisch ist für eine infektiöse Genese. Die SU dagegen läuft wesentlich weniger aggressiv mit nur geringem Glaskörperreiz ab, ist definitionsgemäß unifokal, und könnte damit am ehesten eine Autoimmunreaktion, evtl. gerichtet gegen retinale Antigene, darstellen. Da beide Erkrankungen oft einen positiven Quantiferontest zeigen, liegt der Verdacht nahe, dass zumindest einem Teil der SU eine Tuberkulose zugrunde liegt. Im Falle der SU könnte somit eine TB-induzierte antiretinale T-Zell Reaktion (gezeigt durch den positiven Quantiferontest) der Immunreaktion zugrunde liegen. Während eine SAU meist ausreichend mit anti-TB Therapie behandelt werden kann, würde nach dieser These eine SU eine zusätzliche Immunsuppression erfordern, wie es auch die klinische Erfahrung zeigt. Schlussfolgerung: Serpiginosa und serpiginosa-artige Uveitis scheinen beide oft durch eine Tuberkulose ausgelöst. Die Therapie, leider auch die Prognose, ist bei möglicherweise unterschiedlichem Pathomechanismus jedoch sehr verschieden.
Referent/in: Gerrit Alexander vom Brocke (Berlin)
Fragestellung: Das intravitreale „Insert“ mit Dexamethason (Ozurdex®) hat sich als wirksamer Therapieansatz bei intermediärer und posteriorer Uveitis erwiesen. Trotz Einzugs in die alltäglich klinische Praxis mangelt es bislang an Daten zur Effektivität und möglichen unerwünschten Wirkungen sowie zur Erweiterung des Indikationsspektrums. Methodik: 73 Augen von 47 Patienten erhielten insgesamt 227 Dexamethason-Inserts und wurden prospektiv nach 1, 3 und 6 Monaten kontrolliert. Es wurden die anatomischen und funktionellen Ergebnisse sowie okulären Komplikationen mittels der Parameter Visus, zentrale Netzhautdicke (OCT), Glaskörper-„Haze“ sowie Intraokulardruck beobachtet. Ergebnis: Es lag ein breites Spektrum nicht-infektiöser intraokularer Entzündungen des hinteren Segmentes vor. Über alle Injektionen hinweg zeigte sich ein Visusgewinn von 0,21 logMAR (Standardabweichung [SD] 0,35, p< 0,001), eine Reduktion der Glaskörpertrübungen um 0,55 (SD 0,89, p< 0,001) sowie der Netzhautdicke um 156µm (SD 148, p< 0,001). Die Untergruppenanalyse erfolgte in 4 Gruppen: (1) Erstinjektionen (73 Augen/ 47 Patienten), (2) Zweit- (62/40), (3) Dritt- (40/25) und (4) häufigere Injektionen (24 Augen/ 14 Patienten/ 52 Injektionen). Für alle Gruppen konnten Anstiege des Visus und Abnahme des Haze nach 1 und 3 Monaten sowie Reduktion der Netzhautdicke zu allen Zeitpunkten als signifikant nachgewiesen werden (95% Konfidenzintervall). Der Augeninnendruck stieg bei Erstinjektion durchschnittlich um 2,6mmHg (SD 5,5, p=0,001) an Monat 1 und um 1,4mmHg (SD 5,7, p=0,59) an Monat 3. Diese Steigerungen fielen aufgrund der angepassten antiglaukomatösen Therapie bei Reinjektion moderater aus, erreichten aber an Monat 1 in den Gruppen (2) und (4) Signifikanz. Die Wirkung bezüglich Visusgewinn und Reduktion des Makulaödems zeigte sich bei Uveitis posterior und intermedia auf gleichem Niveau wie bei Uveitis anterior mit Beteiligung des hinteren Augenabschnitts. Schlussfolgerung: Unsere Ergebnisse zeigen, dass auch die repetitive Injektion eines Dexamethason-Inserts die funktionellen und anatomischen Ergebnisse des Erst-Implantats wiederholen, auch bei Uveitis anterior mit Makulaödem. Der therapeutische Effekt ist zeitlich variabel und sollte u.E. an den morphologischen Kriterien orientiert werden. Komplikationen wiederholter Injektionen sind bezüglich intraokularer Drucksteigerung für Erst- und Re-Implantate vergleichbar.
Referent/in: Katharina Böttner (Münster)
Fragestellung: Patienten mit chronischer Uveitis müssen häufig augenärztlich kontrolliert, und bei Immunsuppression internistisch monitoriert werden. Weitere Fehlzeiten am Arbeitsplatz entstehen wegen schwerer Uveitisschübe oder Augenoperationen. Die chronische Uveitis zieht Minderungen der Lebensqualität und sozioökonomische Folgen nach sich. In dieser Studie soll die Arbeits- und Berufsunfähigkeit bei Uveitis im Kindes- und Jugend- sowie Erwachsenenalter ermittelt werden. Methodik: In die Untersuchung wurden alle Patienten einbezogen, die von März bis Juni 2011 im Uveitiszentrum wegen einer Uveitis mit ≥ 12 Monaten Krankheitsdauer betreut wurden (n=467; 109 Patienten ≤ 17 Jahre; 358 Patienten ≥ 18 Jahre). Folgende Daten wurden dokumentiert: Geschlecht, Alter, Berufstätigkeit, Arbeitsunfähigkeit wegen Uveitis in letzten zwölf Monaten, Schwerbehinderung. Bei Kindern wurde altersadaptiert Fehltage in Kindergarten, Schule oder Ausbildungsplatz, Beeinträchtigung in der schulischen Entwicklung, Wiederholung eines Schul- oder Ausbildungsjahres oder Wechsel der Schulform wegen Uveitis untersucht. Ergebnisse: Bei 33,8% der Erwachsenen bestand auf Grund der Uveitis eine Arbeitsunfähigkeit, 24,6% fehlten über 30 Tage, 21,7% konnten ihren Beruf nicht mehr ausüben, 1,6% mussten beruflich umschulen. Bei 23,5% wurde die berufliche Weiterentwicklung beeinträchtigt. Bei 58,7% der Kinder kam es auf Grund der Uveitis zu Fehltagen in der Schule: 23% fehlten mehr als 20 Tage. Bei 29,3% war wegen der Uveitis die schulische Entwicklung beeinträchtigt, 9 Patienten mussten eine Klasse wiederholen oder die Schulform wechseln. Bei 17,6% der Erwachsenen sowie 9% der Kinder bestand wegen Uveitis bereits eine Schwerbehinderung. Schlussfolgerung: Die chronische Uveitis bei Kinder und Erwachsenen hat soziale und ökonomisch relevante Auswirkungen. Interdisziplinäre Interventionen, Hilfestellungen und Beratungen müssen optimiert werden.
Referent/in: Uta Gehlsen (Köln)
Fragestellung: Die anti-entzündliche Therapie des Trockenen Auges erfolgt derzeit außer mit topischen Steroiden vor allem durch Ciclosporin A (CsA). CsA ist in wässrigen Systemen nur schwer formulierbar und verfügbare Formulierungen weisen häufig Unverträglichkeitsreaktionen auf. Semiflorierte Alkane (SFA) als Wasser- und Konservierungsmittelfreie Carrier mit hohem Lösungspotential für lipophile Substanzen hingegen stellen eine mögliche Alternative dar, die eine bessere Verträglichkeit und Wirksamkeit versprechen. Im Rahmen dieser Studie wurde daher die Verwendung von dem SFA F4H5 als Carrier für CsA in der topischen Therapie des experimentellen Trockenen Auges am Mausmodell untersucht. Methode: Bei C57BL/6 Mäusen wurde mittels reduzierter Luftfeuchte und systemischer Gabe von Skopolamin über 14 Tage ein experimentelles Trockenes Auge ausgelöst (sog. Desiccating Stress Modell). An Tag 15 wurden die Tiere in Standardtierhaltung transferiert. Ab Tag 3 oder Tag 11, bis Tag 35 erfolgte eine topische Therapie 3x/Tag mit F4H5/SFA (Novaliq), 0.05 % CsA in F4H5/SFA (Novaliq), 0.05 % CsA (Restasis®, Allergan) und Dexamethason (Monodex®, Thea Pharma). Die Untersuchung des Schweregrades erfolgte wöchentlich mittels klinischer Readouts (Tränenmenge, korneales Epithelstaining), sowie der finalen histologischen Untersuchung der Konjunktiva (Anzahl der Becherzellen). Ergebnisse: In beiden Therapieansätzen (Beginn Tag 3 und Beginn Tag 11) führte vor allem 0.05 % CsA in F4H5/SFA zu einer signifikanten und früheren Verbesserung der Tränenmenge, sowie des Epithelstainings als die anderen Therapiegruppen. Der frühe Therapiebeginn verhinderte dabei die Entstehung von Epithelschäden ausschließlich in der CsA/SFA Gruppe. Im Vergleich zur unbehandelten Kontrolle verhinderte CsA/SFA nach frühem Therapiebeginn außerdem als einzige Substanz einen Verlust der Becherzellzahl in der Konjunktiva. Schlussfolgerung: 0.05 % CsA in F4H5/SFA ermöglicht eine effektive Therapie des experimentellen Trockenen Auges. Im Vergleich zum kommerziell erhältlichen CsA und Dexamethason konnte eine vergleichbare Effektivität am Ende des Versuchs, jedoch eine deutlich schnellere therapeutische sowie auch eine prophylaktische Wirkung gezeigt werden. Die Verwendung von SFA als Carrier für CsA stellt somit zukünftig auch beim Menschen eine vielversprechende Therapieoption zur anti-entzündlichen Behandlung des Trockenen Auges dar.