Freie Vortragssitzungen, Freitag, 2.10.2015

 
Saal C 14:30 - 16:00 02.10.2015
Freie Vortragssitzung Fr19
Kataraktchirurgie Cataract Surgery
Vorsitzende/r: Gerhard K. Lang (Ulm), Duy-Thoai Pham (Berlin)

Referent/in: Hanna Zuche (Homburg/Saar)
Hintergrund und Ziele: Während einer Katarakt-Operation in Intubationsnarkose (ITN) kann das Auftreten einer Vis-à-tergo (VAT) unerwünschte Probleme hervorrufen. Begünstigt wird das Entstehen einer VAT durch eine präoperativ ungenügende Intraokulardruck-Senkung (IOD-Senkung). Der IOD wird durch nicht-depolarisierenden Muskelrelaxantien, die Bestandteil der ITN sind, unterschiedlich stark gesenkt. Patienten und Methoden: Der IOD wurde bei 71 Patienten am nicht zu operierenden Auge im Liegen unmittelbar vor und 5 min nach Einleitung der ITN mit dem Dynamischen Contour-Tonometer (DCT) gemessen. Mivacurium wurde 44 mal, Atracurium 18 mal und Rocuronium 9 mal als nicht-depolarisierendes Muskelrelaxans verwendet. Das Auftreten einer VAT wurde während der Operation vom Operateur beurteilt. Ergebnisse: Im Mittel fiel der IOD unter Mivacurium um 19%, unter Atracurium um 34% und unter Rocuronium um 44%. Eine VAT trat insgesamt 18mal auf: 17 mal bei Mivacurium (94%), 1mal bei Rocuronium (6%) und kein Mal bei Atracurium. Schlussfolgerungen: Bei einer Relaxation mit Mivacurium kam es in der Studie zur geringsten IOD-Senkung. Außerdem birgt Mivacurium die höchste Gefahr für das Auftreten eines VAT. Bei Operationen in ITN sollte dieses Muskelrelaxans daher mit Vorsicht verwendet werden, um weitere Komplikationen zu vermeiden.
Referent/in: Gangolf Sauder (Stuttgart)
Zielsetzung: Eine prospektive , randomisierte Studie mit positivem Votum der Ethikkommission soll die klinischen Ergebnisse der Cataractoperation mit Nanolaser mit der Stadard Phakoemulsifikation vergllichen Methode: 72 Patienten zur Routine Cataractoperation wurden in 2 Gruppen, Nanolaser (n=36) und Phakoemusifikation randomisiert. Die Dichte der Cataract wurde von 2 Untersuchern präoperativ nach dem LOCS Schema festgelegt, wobei LOCS NIII die Einschlussgrenze bedeutete, bei corticalen Trübungen bestanden keine Einschlussgrenzen. Die Operation erfolgte durch einen erfahrenen Operateur in topischer Anästhesie. Untersuchungsgrößen waren corneale Pachymetrie am ersten postoperativen Tag, Endothelzellvelrust über 9 Monate, Energieverbrauch bei der Operation, Dauer der OP und Verbrauch an Spüllösung: Ergebnis: Hinsichtlich der Pachymetrie und Endothelzellverlust ergab sich kein statistisch signifikanter Unterschied in beiden Gruppen. Visusentwicklung war ebenfalls gleich. Die aufgewendete Energie pro Cataractoperation war mit 0.82J in der Nanolasergruppe gegenüber 14.2 J in der Phakogruppe hochsignifikant geringer. Der Verbrauch der Spüllösung pro OP lag in der Nanolasergruppe um 18% höher, die Operatondauer lag bei dem Nanolaser im Mittel um 1,4 min. höher. Schlussfolgerung: Die Entwicklung des Nanolaser ( Cetus™, ARC, Nürnberg, Deutschland) zur Photofragmentation der kristallinen Linse bei Cataractoperation liegt ca 3 Jahre nach Einführung auf dem gleichen Sicherheits und Ergebnisniveau wie die Phakoemulsifikation. Die ins Auge abgegebene Energie liegt signifikant niedriger. Im Falle des Nanolasers erfolgt die gesamte Operation ausschließlich mit Einmalprodukten, was einen sehr hohen hygienischen Sicherheitsstandard bedeutet. Die Weiterentwicklung des Cetus Nanolasers gegenüber der in der Studie verwendeten Model lässt eine erneute Verringerung der energieparameter erwarten, was in weiteren Studien belegt werden muss.
Referent/in: Gurinder Singh (Kansas City)
Introduction: Three piece Intra Ocular Lens Implant (IOL) is the preferred lens over one piece IOL for Sulcus supported lens subsequent to unplanned accidental posterior capsule rupture during cataract surgery. Unavailability of Three Piece IOL as a back-up IOL in Ambulatory Surgery Center setting, dictated by the cost-effectiveness factor, compels surgeon to either place a one piece IOL in sulcus or an anterior chamber IOL. Both these options have their own potential risks and complications. In a prospective study over five years we evaluated the safety and efficacy of One Piece IOL as sulcus supported lens. Methods: Accidental tears in posterior capsule, with or without need for anterior vitrectomy, determined to be large enough to safely support an in-the-bag IOL compelled the surgeon to place the available One Piece IOL into the sulcus. In presence of an intact anterior capsular rim, viscoelastic material was inserted between the iris and anterior capsular rim to slide in a foldable one piece IOL into the posterior chamber as a sulcus supported IOL. Post-operative slit lamp examinations were performed on days 1, 7, 21 and 42, and thereafter every six months, specifically looking for any signs of uveitis, raised intra-ocular pressure, hyphema, decentration of IOL, and iris pigment defects. Results: In a prospective study over five years, we have implanted seventeen one piece sulcus supported IOLs out of total of 1087 (1.56%) cataract surgeries performed under topical anesthesia by one surgeon. One of 17 eyes developed 1+ (scale of 0-4) pigment cells lasting for two weeks, one eye had 2mm Hg increase in intraocular pressure when compared with preoperative numbers and lasted less than three months. None of the 17 eyes had any signs of hyphema, chronic uveitis, IOL subluxation, or iris transillumination on postoperative examinations ranging from 7 to 52 months. None of the 17 eyes had any significant ocular symptoms related with cataract surgery and IOL implantation. Conclusions: The results of eyes operated with one-piece sulcus supported IOLs support the hypothesis that such IOLs could be safely and effectively implanted in unplanned accidental rupture of posterior capsule, especially when three-piece IOLs are not available. Advances in better polishing of IOL surface and better quality of material used over the years have reduced the complication rates to be negligible and therefore the inventory of three piece IOLs as back up lenses is not necessary.
Referent/in: Jan Lübke (Freiburg)
Fragestellung: Bei Patienten mit Marfan-Syndrom treten häufig Luxationen der natürlichen Linse auf. Die Einnähung einer Intraokularlinse (IOL) als Alternative zur Korrektur mit Kontaktlinse ist ein etabliertes Verfahren. Jedoch ist bislang nichts über den Langzeitverlauf nach IOL-Einnähung bei diesen Patienten bekannt. Ziel dieser Untersuchung war es, den Langzeitverlauf von Visus, Refraktion und das Komplikationsspektrum nach IOL-Einnähung bei diesen Patienten zu erfassen. Methodik: Es erfolgte eine retrospektive Aktenauswertung von 27 Augen (17 Marfan-Patienten), bei denen eine IOL-Einnähung zwischen 1999 und 2012 an unserer Klinik durchgeführt wurde. Es wurden Komplikationen, Visus- und Refraktionswerte ausgewertet. Die IOL wurden temporal und nasal mit transskleralen Nähten fixiert, die Fäden intraskleral zum Muskelansatz gestochen und verknotet. Zum Vergleich wurde eine alters- und operateursgematchte Gruppe aus demselben Zeitraum herangezogen (31 Augen, 27 Patienten), bei denen einen IOL-Einnähung aufgrund eines insuffizienten Linsenhalteapparates nach perforierender Verletzung, Contusio bulbi, Uveitis oder Lentektomie bei frühkindlicher Katarakt durchgeführt wurde. Ergebnisse: Das mediane Alter betrug 35,4 Jahre (J) (1. Quartil (Q) 15,3 J, 3. Q 49,6 J; Vergleichsgruppe 35,6 J, 1. Q 21,1 J., 3. Q 42,2 J), die Follow-up-Zeit im Median 4 J (1. Q 8 Monate (Mo), 3. Q 5 J Vergleichsgruppe; 3 J, 1. Q 9 Mo, 3. Q 4,5 J). In der Marfangruppe traten signfikant mehr Luxationen der eingenähten IOL auf (ein- oder zweiseitige Fadenlösungen) als in der Vergleichsgruppe (30%/6,5%, p= 0,02). In beiden Gruppen trat bei 3 Augen eine Amotio retinae auf. Der Biometry prediction error betrug im Median 1,11 Dioptrie (dpt) (1. Q 0,56 dpt, 3. Q 1,54 dpt; Vergleichsgruppe 1,33 dpt., 1. Q 0,65 dpt, 3. Q 2,16 dpt; p= 0,38) bei einem medianen postoperativen Hornhautastigmatismus von -2,0 dpt (1. Q -3,25 dpt, 3. Q -1,0 dpt; Vergleichsgruppe -1,87 dpt, 1. Q -4,5 dpt, 3. Q -1,0 dpt). Die mit Brille best-korrigierte postoperative Sehschärfe betrug in der Marfan-Gruppe im Median 0,8 (Vergleichsgruppe 0,5). Schlussfolgerungen: Die sklerafixierte IOL-Einnähung erzielt bei Marfan-Patienten mit Luxation der natürlichen Linse bezüglich Refraktion und Visus ein gutes Ergebnis. Allerdings treten signifikant häufiger IOL-Luxationen im Vergleich zur Kontrollgruppe bei ähnlichen Amotioraten auf. Es empfiehlt sich daher, im Aufklärungsgespräch auf diesen Punkt gesondert hinzuweisen.
Referent/in: Omid Kermani (Köln)
Fragestellung: In den letzten Jahren werden in zunehmendem Maße multifokale Intraokularlinsen (MF-IOL) nach Katarakt-Operation und beim refraktiven Linsenaustausch implantiert. In dieser retrospektiven Studie werden die Ursachen, die Häufigkeit und der Verlauf nach Explantation einer diffraktiven, multifokalen Hinterkammerlinse untersucht. Methodik: In den Jahren 2009 bis 2014 wurden in unserem Hause neben zahlreichen anderen IOL Modellen insgesamt 1438 Augen mit einer hydrophoben, asphärischen, diffraktiven, multifokalen IOL vom Typ Acrysof ReSTOR und ReSTOR Toric mit den Additionen +2,5, +3,0 und +4,0 (Alcon, Fort Worth, USA) versorgt. Hiervon sind 78% (n =1116) wegen einer Katarakt und 22% (n = 322 Augen) als refraktiver Eingriff (RLA) indiziert worden. Die Eingriffe erfolgten immer als Ultraschall Phakoemulsifikation unter parabulbärer oder topischer Anästhesie mit begleitender Kurznarkose. Seit 2013 wurde für die Kapsulorhexis auch ein Femtosekundenlaser (LenSx, Alcon, Fort Worth, USA) eingesetzt. Die Auswertung der Daten erfolgte anhand der digitalen Patientenaufzeichnungen sowie eines Patientenbriefes der an alle behandelten Patienten versendet worden ist. Ergebnisse: In insgesamt 12 Fällen musste die MF-IOL wieder explantiert werden. Ursachen für den IOL-Austausch waren bei 4 Augen starke Abweichungen von der erwarteten Zielrefraktion. Bei 4 Augen wurde aufgrund optischer Beschwerden (verwaschenes Sehen = waxy vision) eine monofokale IOL implantiert. In 2 Fällen erfolgte ein IOL-Austausch aufgrund einer epiretinalen Gliose gefolgt von operativem Membranpeeling. Anschließend wurde eine monofokale Sulcus-gestützte IOL implantiert. In einem Fall ist es beim Versuch der IOL-Rotation (ReSTOR toric) zu einer ausgedehnten Zonulolyse gekommen. Dabei musste die Linse durch eine im Sulcus vernähte monofokale IOL ersetzt werden. Bei einer Patientin trat starkes Glistening der IOL mit nachlassender Sehschärfe auf. Die Häufigkeit von MF-IOL Explantationen lag damit bei insgesamt 0,83% aller behandelten Augen. Der Anteil der Explantationen aufgrund optischer Nebenwirkungen und Beschwerden bedingt durch die Multifokalität lag bei 0,35% aller Augen. Schlussfolgerung: Diffraktive MF-IOL vom Typ ReSTOR sind insgesamt sehr gut verträglich. In nur 0,35% aller Fälle musste die MF-IOL aufgrund spezieller optischer Beschwerden wieder explantiert werden. In den anderen Fällen waren allgemeine chirurgische Komplikationen die Ursache für die Explantation.
Referent/in: Tamer Tandogan (Heidelberg)
Fragestellung: Die Kalzifikation von hydrophilen IOL ist eine seltene Komplikation. Wir berichten über die licht- und rasterelektronenmikroskopisch erhobenen Befunde sowie die Röntgenspektroskopie bei eingetrübten IOL vom Typ Euromaxx ALI313Y (Argonoptics). Methodik: In unserem Labor wurden in einer noch laufenden Studie bisher sechs IOL vom Typ Euromaxx ALI313Y, die aufgrund einer Kalzifikation mit einhergehender Visusminderung entfernt wurden, licht- und rasterelektronenmikroskopisch untersucht. Mittels Röntgenspektroskopie wurde die Zusammensetzung der Einlagerungen bestimmt. Ergebnis: Makroskopisch zeigte sich bei allen betroffenen IOL eine Eintrübung der gesamten Optik. Licht- und rasterelektronenmikroskopisch konnten wir an der Vorder- und Rückseite der IOL zahlreiche feine, granuläre Ablagerungen nachweisen, die in einer zur Oberfläche parallelen Linie angeordnet waren. Die Untersuchung mittels Röntgenspektroskopie bestätigte, dass es sich bei dem eingelagerten Material um Calcium und Phosphat handelte. Schlussfolgerung: Die Kalzifikation von hydrophilen IOL ist eine seltene Komplikation. Bei symptomatischen Patienten stellt der IOL-Austausch die einzig verfügbare therapeutische Option dar. Durch die Elementaranalyse mittels energiedispersiver Röntgenspektroskopie kann eine eindeutige Aussage zur chemischen Zusammensetzung der Ablagerungen gemacht werden.
Referent/in: Ramin Khoramnia (Heidelberg)
Fragestellung: Vergleich der Ausbildung von Glistenings bei verschiedenen Intraokularlinsen (IOL) aus hydrophobem Acrylat im Labor. Methodik: Vier IOL-Modelle verschiedener Hersteller (AU6KA [Kowa, Japan], Envista [Bausch&Lomb, USA], Acrysof MA60AC [Alcon, USA], I-Sert PC-60AD [Hoya, Japan]) wurden analysiert. Mit Hilfe einer akzelerierten Labormethode wurden Glistenings in einem experimentellen Setup als mit Flüssigkeit gefüllte Mikrovakuolen bei fünf Linsen pro Modell erzeugt. Hierzu wurden die IOL zunächst in einer NaCl-Lösung eingelegt und für 24 Stunden bei 45°C gelagert. Zur Reduktion der Temperatur wurden die IOL anschließend für 2,5 Stunden in ein Wasserbad mit einer Temperatur von 37°C gelegt. Bilder der IOL wurden mit 90-facher Vergrößerung mittels einer mit einem Mikroskop verbundenen Kamera angefertigt. Die Bilder wurden mit Hilfe eines Bildanalyseprogramms (i-Solution, iMT Technology) hinsichtlich der Ausprägung von Glistenings ausgewertet. Ergebnis: Nach Anwendung der akzelerierten Labormethode waren in allen IOL Glistenings nachweisbar. Hinsichtlich der Dichte von Mikrovakuolen ergaben sich folgende Spannweiten (in Mikrovakuolen pro Quadratmillimeter [MVs/mm²]): 1-2 (Envista [Bausch&Lomb, USA]), 1-4 (AU6KA [Kowa, Japan]), 507-804 (Acrysof MA60AC [Alcon, USA]), 684-2699 (I-Sert PC-60AD [Hoya, Japan]). Schlussfolgerung: Die untersuchten IOL unterschieden sich hinsichtlich der Menge von Glistenings deutlich voneinander. Während zwei IOL-Modelle (AU6KA und Envista) nach Miyata et al. einen Glistening-Schweregrad von 0 aufwiesen, zeigte sich bei den anderen beiden Modellen (MA60AC und PC-60AD) ein Schweregrad von 3.
Referent/in: Stephan Reiß (Rostock)
Fragestellung: Die Verwendung von unterschiedlichen IOL-Materialien insbesondere die Nutzung von Blaufiltermaterialien impliziert unterschiedliche spektrale Transmissionseigenschaften, welche die Farbwahrnehmung des potentiellen Kataraktpatienten beeinflusst. Ziel der Studie war eine quantitative Analyse dieser Transmissionseigenschaften verschiedener IOL’s und eine Visualisierung der Auswirkung auf die Farbwahrnehmung. Methodik: Untersucht wurden IOLs (mit und ohne Blaufilter) aus (1) hydrophilem Acrylat mit hydrophober Oberfläche (Zeiss, Oculentis) und (2) hydrophobes Acrylat (Hoya, Alcon, AMO). Zur Bestimmung der wellenlägenabhängigen Transmissionseigenschaften wurde ein experimenteller Aufbau realisiert, der die spektrale Transmission im Wellenlängenbereich des natürlichen Lichtes (380–780 nm) quantifiziert. Verwendet wurde hierfür ein Spektrometer HR 4000 (Ocean Optics, USA). Die Normierung der Spektren erfolgte durch eine Leistungsmessung mittels des Powermeters 1918-R (Newport, USA) bei einer Wellenlänge von 633 nm. Zur Visualisierung des Einflusses der unterschiedlichen spektralen Absorptionscharakteristika auf die Farbwahrnehmung wurde eine dedizierte Software auf der Basis von Wolfram Mathematica 10 entwickelt. Diese berechnet pixelbasiert den Einfluss des IOL-spezifischen Transmissionsverlaufes auf ein standardisiertes Ausgangsbild. Ergebnis: Die Auswertung der Transmissionsspektren zeigt sowohl material- als auch herstellerspezifische Unterschiede, die sich hauptsächlich in einem IOL spezifischem Transmissionsmuster mit einem Minimum im Bereich von 380 nm bis 480 nm manifestieren. Innerhalb dieses Bereiches werden 20% bis 80% des Lichtes transmittiert, was zu deutlichen Veränderungen im blauen Farbbereich führt. Blaufilterlinsen zeigen hier erwartungsgemäß eine signifikant höhere Absorption und erhebliche Farbdarstellungsverschiebungen. Die Farbkomponenten grün, gelb und rot bleiben weitestgehend unbeeinflusst. Schlussfolgerung: Der entwickelte Messaufbau liefert eine einfache und genaue Methode zur Bestimmung des IOL spezifischen Transmissionsverhaltens. Die Probleme der Farbwahrnehmung, welche vereinzelt von Patienten nach Kataraktoperation geäußert werden, sind aufgrund der erstellten Visualisierungssoftware offenkundig und verständlich.
Referent/in: Jeanette Brünner (Berlin)
Hintergrund: Ziel unserer Studie war es den Einfluss von Blaufilterlinsen in Abhängigkeit ihrer Filterfunktion auf die Makuladiagnostik mittels MultiColor cSLO zu untersuchen. Methodik: Retrospektive konsekutive Fall-Kontroll-Studie an 105 Augen (90 Patienten), die eine Kataraktoperation erhielten. Davon wurde in 29 Augen eine Blaufilterlinse und in 76 Augen eine klare IOL mit UV-Filter implantiert. Es wurden IOLs der Hersteller AMO, Alcon, Zeiss und Hoya verwendet. Vor den Katarakt-Operationen erhielten alle Patienten eine Makuladiagnostik mittels cSLO im farbselektiven Wellenlängenbereich 486 nm (blau), 518 nm (grün, rotfrei) und 815 nm (infrarot), sowie ein SD-OCT. Die Linsendichte wurde analog zur LOCS Klassifikation mittels Scheimpflug-Analyseverfahren ermittelt. Untersuchungen mit gleicher Technik erfolgten zur postoperativen Nachkontrolle. Bildanalysen der cSLO-Aufnahmen wurden automatisiert durch Software durchgeführt. Anschließend erfolgte eine vergleichende Auswertung der Helligkeitsstufen der Farblaserkanäle in Abhängigkeit der IOL-Farbfilter. Ergebnisse: Präoperativ waren die Linsendichte-Verteilung und die Helligkeitsstufen der cSLO-Aufnahmen zwischen den Untersuchungsgruppen nicht unterschiedlich. Die postoperativen Kontrollen erfolgten 9,6 ± 10,9 Tage nach der Katarakt-Operation. Hierbei konnten signifikante Unterschiede der Helligkeitsstufen in den cSLO-Aufnahmen der Blaufilterlinsengruppe beobachtet werden. Änderungen zeigten sich insbesondere bei 518 nm (grün, rotfrei) und 486 nm (blau), nicht jedoch bei 815 nm (infrarot). Während die Helligkeitsveränderungen im grünen Kanal (518 nm) im parazentralen Bereich auffielen (p < 0.05), war im blauen Kanal (486 nm) vor allem der zentrale Bereich (Fovea) betroffen (p = 0.004). In Abhängigkeit von den Transmissionseigenschaften der Blaulichtfilter zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen den verschiedenen Herstellern der untersuchten IOLs. Im Gegensatz dazu zeigten sich bei den klaren UV-Filter IOLs keine Unterschiede zwischen den Herstellern. Schlussfolgerung: Die Implantation von Blaufilterlinsen hat im Gegensatz zu klaren IOLs in Abhängigkeit des Transmissionsspektrums einen Einfluss auf die Bildhelligkeit der MultiColor cSLO Aufnahmen. Dies ist zwischen den Herstellern signifikant unterschiedlich und betrifft insbesondere die grünen und blauen Farbkanäle, welche für die Beurteilung des vitreoretinalen Interfaces und der inneren Netzhautschichten notwendig sind.
Referent/in: Vasileios Petousis (Cheltenham)
Ziel: Das Ziel der Studie war die Darstellung der Risikofaktoren für Netzhautablösung nach Cataract-Chirurgie und insbesondere die Rolle der Hinterkapselruptur (HKR) mit oder ohne Glaskörperprolaps. Patienten und Methoden: Es handelt sich um eine retrospektive Kohortenstudie aus elektronisch dokumentierten Daten. Das Kollektiv bestand aus 18065 Augen (18065 Patienten), die zwischen 2005 und 2014 beim Gloucestershire Hospitals National Health System (NHS) Foundation Trust, Großbritannien, mit einer Cataract-Operation behandelt wurden. Beachtet wurden hierbei immer nur das primär operierte Auge des Patienten und nur unkombinierte Eingriffe. Es wurden keine vor-vitrectomierten Augen eingeschossen. Die mittlere Achslänge der Augen betrug 23.3 mm mit einer interquartilen Breite (IQB) von 1.4 mm. Das mittlere Patientenalter betrug 77.0 Jahre mit einer IQB von zwölf Jahren. Analysiert wurden die folgenden Einflussfaktoren: Geschlecht, Alter, Achslänge und intraoperative Komplikationen (insbesondere die HKR mit oder ohne Glaskörperprolaps). Es wurde eine Überlebensanalyse hinsichtlich der Netzhautablösungsrate durchgeführt und nach der möglichen Hazard Ratio (HR) gesucht. Ergebnisse: Die Netzhautablösungsrate lag bei 0.067 % (zwölf Augen) und auf 0.30 % (36 Augen) jeweils nach drei Monaten und sieben Jahren. Die mittlere Zeit zur Netzhauablösung betrug 12.5 Monate (Median: 17.5 Monate, Breite: 0 - 84 Monate). Männer zeigten ein höheres Netzhautablösungsrisiko [HR 2,00; 95 % Konfidenzintervall (KI) 1.03–3.88; p = 0,03] im univariablen Modell. Patienten ≤60 Jahre und ≥80 Jahre zeigten jeweils ein HR von 5.12 (95 % KI 2.60–10.07; p < 0.01) und 0.16 (95 % KI 0.38–0.69; p = 0.01), verglichen mit Patienten zwischen 60 und 80 Jahren. Die Augen mit einer Achslänge >25 mm hatten ein HR von 3.98 (95 % KI 1.93–8.20; p < 0.001), verglichen mit Augen zwischen 23 und 25 mm. 400 (2,2 %) Augen haben eine HKR bekommen. Die HR für eine Netzhautablösung betrug 12.83 (95 % KI 5.62–29.30; p = 0.001) für eine HKR mit Glaskörperprolaps. Es gab keine Netzhautablösungsereignisse in Augen mit HKR ohne Glaskörperprolaps. Schlussfolgerung: Cataract-Chirurgie bleibt ein Risikofaktor für Netzhautablösung und das Risiko ist signifikant höher für jüngere Patienten, längere Augen und HKR mit Glaskörperprolaps. Unsere Daten weisen auf, dass möglicherweise die Hinterkapselruptur ohne Glaskörperprolaps das Netzhautablösungsrisiko nicht erhöht.