Freie Vortragssitzungen, Donnerstag, 1.10.2015

 
Saal 3 14:30 - 16:00 01.10.2015
Freie Vortragssitzung Do19
Glaukom: Diagnostik und Chirurgie 1 Glaucoma: Diagnostics and Surgery 1
Vorsitzende/r: Michael Diestelhorst (Köln), Esther M. Hoffmann (Mainz)

Referent/in: Florian Rüfer (Kiel)
Hintergrund: Der intraokulare Druck (IOD) ist bisher der wesentliche Ansatzpunkt für die Therapie eines Glaukoms. Untersuchungen über die drucksenkende zeitliche Dynamik von topischen Antiglaukomatosa können bisher nur punktuell im Rahmen von Tagesdruckprofilen erhoben werden. Feine IOD-Schwankungen können durch mehrfach wiederholte Messungen durch die Applanationstonometrie bisher nur verfälscht wiedergegeben werden, was eine exakte Analyse pharmakologischer Wirkungen erschwert. Mithilfe des ARGOS-IO Drucksensors, ist eine kontaktlose, quasi-kontinuierliche Messung möglich. Methoden: Im Rahmen der ARGOS-02 Studie wurde bei 6 Patienten mit POWG ein intraokularer Drucksensor im Rahmen einer Kataraktoperation in den Sulcus implantiert. Anhand eines Fallbeispiels (m. 64 J.) werden durch mehrfache Selbstmessungen die Einflüsse topischer Antiglaukomatosa und postoperativ eingesetzter Steroide auf den IOD dargestellt. Die Messungen des Patienten wurden über ein GSM-Modul an eine gesicherte Datenbank übermittelt, die als Basis für die Auswertung diente. Ergebnisse: Der mit dem Drucksensor über 6 Monate gemessene IOD wurde ausgewertet. Es wurden 572 Messwerte erhoben. Der mittlere IOD betrug 21 mmHg. Innerhalb dieses Zeitraums trat ein IOD zwischen 12 mmHg (Minimum) und 43 mmHg (Maximum) auf. Die maximale Frequenz betrug 27 Selbstmessungen pro Tag. Beim Selbstmonitoring konnte an 5 von 7 verschiedenen Tagen innerhalb einer spezifischen Woche ein morgendlicher Druckanstieg von 8 bis 12 mmHg innerhalb von 2 Stunden trotz Tropfens eines Kombinationspräparates aus Dorzolamid und Timolol festgestellt werden. Bei V.a. Ziliarkörperschwellung wurde Dorzolamid gegen Clonidin ausgewechselt. Hierunter kam es zu einem deutlichen Rückgang der morgendlichen IOD-Anstiege und zu einer Rekompensation des IOD. Schlussfolgerungen: Mit dem Sensor lassen sich die Auswirkungen der topischen Therapie nach Kataraktoperation sowie die IOD-Entwicklung durch topische Antiglaukomatosa umfassend monitoren. Der Sensor ermöglicht künftig detaillierte Analysen der Auswirkungen von diversen Substanzen und äußeren Einflüssen auf den IOD. Hierdurch können therapeutische Entscheidungen beeinflusst werden und aufgrund einer breiteren Datenbasis individuell auf den Patienten abgestimmt getroffen werden.
Referent/in: Siegfried Mariacher (Sulzbach)
Fragestellung: Der Augeninnendruck stellt den wichtigsten beinflussbaren Faktor zur Verlangsamung oder Verhinderung der Progression von glaukomassoziierten Gesichtsfeldausfällen dar. Ziel dieses Versuchsvorhaben ist die Validierung der Messgenauigkeit von suprachoroidal minimal invasiv implantierten Druckmesssensoren, durch Überprüfung der Konkordanz zu den zeitgleich intrakameral erzeugten Referenzdrücken. Methodik: Suprachoroidale Druckmesssensoren wurden an jeweils einem Auge von 5 New Zealand White Kaninchen unter Narkotisierung minimal invasiv implantiert. Dazu wurde eine sklerale Inzision angelegt und eine suprachoroidalen Tasche präpariert, in welche der Mikrochip implantiert wurde. Jeweils 1 Woche, 4 Wochen, 8 Wochen, 12 Wochen und 30 Wochen nach der Implantation erfolgte die Validierung der Druckmessimplantate durch Simulation verschiedener intrakameraler Druckniveaus, an Hand einer höhenverstellbaren Wassersäule, im Bereich zwischen 10mmHg und 45mmHg. Ergebnis: Zur Evaluation der Übereinstimmung der telemetrischen und intrakameralen Druckmessung wurden Bland-Altman-Plots angefertigt. Die mittlere Differenz zwischen der telemetrischen Druckmessung und der direkten intrakameralen Manometrie betrug in der 1. Woche nach der Implantation 1,26 ±2,50mmHg, in der 4. Wochen 0,06 ±2,81mmHg, in der 8. Wochen 1,38 ±5,38mmHg, in der 12. Wochen 2,86 ±2,76mmHg und in der 30. Wochen 3,38 ±2,89mmHg. Die oberen Übereinstimmungsgrenzen betrugen nach 1 Woche 7,18mmHg, nach 4 Wochen 5,58mmHg, nach 8 Wochen 11,93mmHg, nach 12 Wochen 8,31mmHg und nach 30 Wochen 9,05mmHg. Die unteren Übereinstimmungsgrenzen betrugen nach 1 Woche -3,62mmHg, nach 4 Wochen -5,45mmHg, nach 8 Wochen -9,18mmHg, nach 12 Wochen -2,50mmHg und nach 30 Wochen -2,28mmHg. Schlussfolgerung: Telemetrische suprachoroidal minimal invasiv implantierte Mikrosensoren zeigten reproduzierbare Augeninnendruckwerte mit guter Konkordanz zur invasiven intrakameralen Vergleichsmessung im Bereich von 10mmHg bis 45mmHg. Kontinuierliche telemetrische Augeninnendruckmessungen bieten die Möglichkeit berührungslose und schmerzfreie Selbstmessungen zu jeder Tages- und Nachtzeit durchzuführen und können erhöhte Augeinnendruckwerte mitsamt möglicher Fluktuationen und Druckspitzen zeitnahe und engmaschig erfassen. Somit besitzt die telemetrische Augeninnendruckmessung das Potential, zukünftig eine wichtige Rolle in der Dezeleration der Progression glaukomassoziierter Schädigungen und Gesichtsfeldausfälle zu spielen.
Referent/in: Martina Ebner (Sulzbach)
Hintergrund: Bisherige Modelle, die den Druckverlauf von Endotamponaden nach Implantation messen, sind entweder physikalische Druck- oder Tiermodelle. Der Nachteil der künstlichen sphärischen Modelle liegt in den unphysiologischen Versuchsbedingungen, die z.B. den regulativen Einfluss des Trabekelmaschenwerkes (TMW) vernachlässigen. Der Nachteil der Tiermodelle liegt in einem hohen Kostenaufwand, der in keinem Verhältnis zu den anatomischen und physiologischen Unterschieden zwischen dem Tiermodell (Kaninchen) und der menschlichen Situation steht. Daher war es das Ziel dieser Untersuchung ein kostengünstiges und tierschonendes Druckmodell zu entwickeln, dass eine funktionierende Regulation über das TMWs aufweist und vom gewählten Model her nah an der in-vivo Situation im Menschen liegt. Methode: An Schweineaugen wurde eine pars plana Vitrekomie (ppV) durchgeführt und im Anschluss Silikonöl als Tamponade (1000 ct, 2000 ct und 5000 ct, n= 5) eingefüllt. BSS wurde als Kontrolle verwendet. Die Schweineaugen wurden mit DMEM, das mit 1,5 mg/ml Glucose, 1% fötalem Kälberserum (FCS) und 100 U/mL Penicillin, 0,1 mg/mL Streptomycin und 17 g/mL Gentamycin bei einer konstanten Flußrate von 4.5 µL/min für 24 h perfundiert und der Augeninnendruck bestimmt, im Anschluss wurde der „fluorescent in situ terminal deoxynucleotidyl transferase-mediated uridine 5´-triphosphate-biotin nick-end labelling –test“ (TUNEL, n = 5) durchgeführt. Ergebnisse: Im TUNEL zeigten sich 4,12 % abgestorbenen Zellen im Bereich des TMWs (SD 2,25) in der BSS Gruppe, im Vergleich zu 5,74 % (SD 2,27) nach 1000, 2000 oder 5000 ct Silikonölimplantation (Manuwhitney, p= 0,209). Vom Druckverlauf her wurde in der BSS Gruppe ein initialer Druck von 13,23 mmHg (SD 5,91) nach 1 h gemessen, der nach 24 h leicht auf 15,51 mmHg Anstieg. In der Gruppe mit 1000ct Silikonöl wurde ein Anstieg von 12,81 mmHg (SD 1,79) auf 17,30 mmHg (SD 7,48), in der Gruppe mit 2000 ct von 10,00 mmHg (SD 3,10) auf 19,48 mmHg (SD 11,11). In der Gruppe mit 5000 ct Öl stieg der Augeninnendruck vpm 11,83 mmHg auf 22,33 mmHg (SD 5,99) an. Schlußfolgerungen: Im Bereich des TMW zeigte sich eine gut Viabilität des Gewebes als Indikator einer guten Funktion und pseudo-physiologischen Druckregulation. Der Augeninnendruck konnte erfolgreich für 24 h abgeleitet werden und entspricht den humanen Ergebnissen. Damit ist das vorgestellte Modell eine ideale Möglichkeit, um zukünftige Glaskörpertamponaden zu testen.
Referent/in: Johanna Orphal (Dresden)
Fragestellung: Ziel der Studie ist es eine Aussage über die Effektivität der Selektiven Lasertrabekuloplastik (SLT) bei behandelten Patienten zu treffen und Einflussfaktoren auf den drucksenkenden Effekt der Behandlung zu identifizieren. Methodik: In die prospektive Studie wurden 56 Augen von 56 behandelten Glaukompatienten eingeschlossen, davon 43 Patienten mit einem Hochdruckglaukom (HDG) und 13 Patienten mit einem Normaldruckglaukom (NDG). Die SLT (SoloTM, Ellex, Australien) wurde mit einer Gesamtenergie von durchschnittlich 78,8 ± 4,5 mJ durchgeführt. Der intraokulare Druck (IOD) wurde vor der SLT und 13,4 ± 7,1 Wochen nach der Behandlung mittels Ocular Response Analyser (ORA, Reichert, USA) gemessen und durch die korneale Hysterese und den kornealen Resistenzfaktor korrigiert (IODcc). Übeprüft wurde die Korrelation der IOD-Senkung zu Alter, Geschlecht, Dauer der Glaukomerkrankung, Anzahl der drucksenkenden Augentropfen, Ausgangsdruck, zentrale Hornhautdicke (CCT), korneale Hysterese (CH in mmHg), korneale Resistenzfaktor (CRF in mmHg) sowie zum Perimetrie-Parameter mean deviation (MD). Die statistische Datenauswertung erfolgte mit SPSS, wobei ein p< 0,05 als signifikant galt. Ergebnisse: Nach der SLT kam es zu einer signifikanten Senkung des IODcc von durchschnittlich 19,7 ± 5,3 mmHg auf 16,7 ± 3,4 mmHg (p< 0,001). Es wurde bei 44 Patienten (78,6%) eine Senkung des IODcc festgestellt. Die mittlere Drucksenkung des IODcc lag für diese Patienten bei 4,5 mmHg (20%). Bei 22 Patienten (39,9%) war eine IODcc-Senkung von mehr als 20% zu verzeichnen. Es besteht eine signifikante Korrelation zwischen der IOD-Senkung und dem Ausgangsdruck (r=0,779, p< 0,001). Bei einem Ausgangsdruck von ≤ 15 mmHg hat eine SLT keinen guten drucksenkenden Effekt. Andere Faktoren, wie Patientenalter, Geschlecht, Dauer der Glaukomerkrankung, CCT oder CH wiesen keine signifikante Korrelation mit der IOD-Senkung auf. Schlussfolgerung: Die SLT ist eine erfolgreiche Methode zur Senkung des Augeninnendrucks bei behandelten Glaukompatienten. Der drucksenkende Effekt ist dabei besonders abhängig vom Ausgangsdruck. Bei IOD-Werten unter 15 mmHg ist keine bzw. eine nur geringfügige IOD-Senkung zu erwarten.
Referent/in: Johannes Gonnermann (Berlin)
PURPOSE: To compare the safety and efficacy profile after micro-invasive glaucoma surgery (MIGS) with ab interno trabeculectomy (Trabectome®) in one eye versus two iStent® inject decives in the contralateral eye in patients with open-angle glaucoma (OAG). METHODS: This study included 21 patients who were treated with ab interno trabeculectomy (group I, Trabectome®) in one eye and with two iStent® inject decives (group II, GTS 400) in the fellow eye. Primary outcome measures included intraocular pressure (IOP) and glaucoma medication after 6 weeks, 3 months and 6 months follow-up. Secondary outcome measures were number of postoperative interventions, complications and best-spectacle corrected visual acuity. RESULTS: Mean preoperative IOP was 22.8 ± 3.9 mmHg in group I and 22.1 ± 5.4 mmHg in group II (P>0.05), which decreased to 15.0 ± 3.3 mmHg for Trabectome (P< 0.05) and 14.6± 2.3 mmHg for iStent inject (P< 0.05) at six months after surgery without a significant difference between the two groups (P>0.05). Glaucoma medication decreased from 2.2 ± 1.2 in group I and 2.3 ± 1.0 in group II (P>0.05) before surgery to 1.4 ± 1.0 in group I (P< 0.05) and 1.5 ± 0.8 six months postoperatively (P< 0.05). Intraoperative blood reflux occurred in 100% of cases. No vision-threatening complications such as choroidal effusion, choroidal hemorrhage, or infection occurred. In each group trabeculectomy had to be performed in 2 eyes due to insufficient IOP lowering effect of MIGS. CONCLUSION: Ab interno trabeculectomy (Trabectome®) and iStent® inject were both effective in lowering IOP with a favourable and comparable safety profile in an intraindividual comparative study over a 6-month follow up in OAG. However, longer follow-up of these patients will be necessary to determine long-term outcomes and to evaluate significant differences.
Referent/in: Fabian Höhn (Pforzheim)
Fragestellung: Evaluierung von Sicherheit, Augeninnendruckentwicklung und antiglaukomatöser Lokaltherapie nach Implantation eines subkonjunktivalen ab interno Implantates (XEN). Methodik: Die ab interno Implantation eines subkonjuntivalen Implantates (XEN) ist ein Verfahren der micro-invasiven Glaukomchirurgie (MIGS), das zur Glaukomtherapie auch im Rahmen einer Cataractoperation eingesetzt werden kann. 37 Augen mit einem nicht regulierten Offenwinkelglaukom trotz maximaler medikamentöser Therapie wurde das XEN-Implantat eingesetzt. Die Prozedur wurde bei 11 Augen mit einer Cataractoperation kombiniert. Unmittelbar post-operativ wurden die lokalen Antiglaukomatosa abgesetzt und bei Bedarfwieder eingeführt. Ausgewertet wurden die Art und Anzahl unerwünschter Ereignisse, die Änderung des Augeninnendrucks (IOD) und die Anzahl der zur Erreichung des Zieldrucks erforderlichen lokalen Antiglaukomatosa. Ergebnis: Präoperativ lag der mittlere Augendruck bei 23,5 ± 6,7 mm Hg. Einen Monat nach der Operation lagen die Werte bei 14,4 ± 4,4 mm Hg, nach 2 Monaten bei 14,6±3,7mmHg und nach 3 Monaten bei 15,2±4,0mmHg. Die Anzahl der applizierten Medikamente konnte von 2,9 vor der Operation auf 0,7 nach 3 Monaten gesenkt werden.Als unerwünschte Ereignisse zeigte sich bei 6 Augen ein transienter post-operativer IOD-Abfall. 5 Patienten entwickelten eine Filterkissenfibrosierung, die ein Needling erforderlich machte. Weitere ernsthafte Komplikationen (Blutung, Infektion) wurden nicht beobachtet. Schlussfolgerung: Die ab interno Implantation eines subkonjunktivalen Implantates (XEN) ist ein Verfahren mit gutem Sicherheitsprofil bei signifikanter Senkung des IOD sowie signifikanter Senkung der antiglaukomatösen Lokalmedikation
Referent/in: Marc Töteberg-Harms (Zürich)
Fragestellung: Ziel dieser Studie war es, die Augeninnendruck (IOD)-senkende Wirkung der drei Verfahren in einem Beobachtungszeitraum von 1 Jahr zu vergleichen. Methodik: Einschlusskriterien dieser prospektive Studie waren ein mildes bis moderates Offenwinkelglaukom (OWG) oder eine Okulärehypertension (OHT) plus eine koexistierende Katarakt. Nur ein Auge je Patienten wurde eingeschlossen. Die Behandlung war entweder Phako allein oder kombiniert Phako-ELT oder Phako-AIT. Primäre Endpunkte waren IOD, Anzahl der hypotensiven Medikamente (AGD) und Kaplan-Meier-Survival (Misserfolgs: IOD>21mmHg oder < 20% Reduktion des IOD unter Ausgangswert, Hypotonie oder ein Verlust von Lichtwahrnehmung). Ergebnis: 38 Augen (16 OD = 42.1%; 17 Männer = 44.7%; Alter 76.0±7.4 Jahre, pre-operativer IOD = 16.7±3.8mmHg; pre-operative AGD = 1.1±0.6) in der Phako allein Gruppe, 105 Augen (58 OD = 55.2%; 38 Männer = 36.2%; Alter 74.8±6.0 Jahre; pre-operativer IOD = 17.8±4.3 mmHg; pre-operative AGD = 1.4±0.7) in der Phako-ELT Gruppe, und 102 Augen (54 OD = 52.9%; 25 Männer = 24.5%; Alter 74.3±4.9 Jahre; pre-operativer IOD = 19.3±4.6 mmHg; pre-operative AGD = 1.3±0.8) in der Phako-AIT Gruppe wurden eingeschlossen (P=0.375; P=0.045; P=0.271; P=0.004; P=0.207). Nach einem Jahr war der IOD um 1.5±4.0mmHg in der Phako allein, 4.3±5.6mmHg in der Phako-ELT und 5.3±4.5mmHg in der Phako-AIT Gruppe gesenkt. Die AGD verringerten sich um 0.1±0.8 in der Phako allein, 0.9±0.8 in der Phako-ELT und 0.8±0.7 in der Phako-AIT Gruppe. Der Unterschied hinsichtlich IOD und AGD vom Ausgangswert zu 1 Jahr war hoch signifikant (P< 0,001) bei Vergleich von Phako-ELT bzw. Phako-AIT Gruppe mit der Phako allein Gruppe, aber nicht signifikanten unterschiedlich im Vergleich von Phako-ELT mit der Phako-AIT Gruppe (P>0,05). Die mittlere Zeit bis zum Misserfolg betrug 13,2±0,4 Monate in der Phako allein, 20,6±1,0 Monate in der Phako-ELT und 12,9±0,6 Monate in der Phako-AIT Gruppe (P< 0,001). Schlussfolgerung: Die Phako-ELT und Phako-AIT Gruppen hatten signifikant niedrigere IOD und AGD gegenüber der Phako allein Gruppe. Phako-ELT und Phako-AIT-Gruppe unterschieden sich nicht signifikant . Allerdings war die mittlere Zeit bis zum Misserfolg signifikant grösser in der Phako-ELT-Gruppe. Phako-ELT und Phako-AIT sind sinnvolle Optionen zur Behandlung des OWG oder einer OHT mit einer koexistierenden Katarakt. Phako-ELT scheint ein besseres Langzeitergebnis zu erzielen.
Referent/in: Jan Lübke (Freiburg)
Fragestellung: Die postoperative Sickerkissenentzündung ist eine gefürchtete Komplikation nach der Trabekulektomie. Sie kann auf das Sickerkissen lokal begrenzt bleiben oder auch die Ursache einer Panendophthalmitis werden. Wir berichten über Sickerkisseninfektionen, die an der Klinik für Augenheilkunde in Freiburg behandelt wurden. Methodik: Retrospektiv wurden alle Trabekulektomien, die seit 1999 bis Ende 2014 an der Freiburger Augenklinik durchgeführt wurden (n= 1816, 353 ohne, 1463 mit intraoperativer Mitomycin C-Applikation), ausgewertet und mit den bei uns diagnostizierten Fällen einer Sickerkisseninfektion abgeglichen (n= 19). 16 dieser Patienten wurden in unserem Hause trabekulektomiert. Diese Gruppe wurde nach potentiellen Risikofaktoren und Gemeinsamkeiten ausgewertet. Ergebnisse: Bei neun Patienten war die Infektion auf das Sickerkissen begrenzt, bei 7 Patienten lag bereits eine Endophthalmitis vor. Vier der Infektionen traten innerhalb des ersten postoperativen Monats auf. Die mediane Zeit bis zur Infektion betrug 53 Monate bei einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 23 Monaten für die gesamte Gruppe an Trabekulektomien. Im Median betrug das Alter bei Infektion und bei Durchführung der Trabekulektomie 69 Jahre. Als statistisch signifikanter Risikofaktor für die Entwicklung einer Infektion zeigte sich das intraoperative Anwenden von Mitomycin C (p=0,0026). Das kumulative Risiko, eine Infektion zu erleiden lag nach Kaplan-Meier-Schätzung nach 2 Jahren bei knapp 0,1%. In der Gesamtgruppe zeigte sich ein Verlust an Sehschärfe durch die Infektion von einer Zeile (vor/nach der Infektion 0,75/0,63). Die Augen, die eine Endophthalmitis erlitten, zeigten einen deutlich stärkeren Abfall (0,5/0,11), die lokalen Infektionen dagegen einen nur geringen Verlust (0,9/0,85). Ein Zusammenhang zwischen postoperativer Sickerkissenleckage und Infektion konnte in unseren Daten entgegen der Literaturlage nicht dargestellt werden. Schlussfolgerungen: Die Sickerkisseninfektion ist eine nach unseren Daten seltene Komplikation, die meist lokal begrenzt ist, aber auch auf den hinteren Augenabschnitt übergreifen und die Sehschärfe bedrohen kann. Die frühe Diagnosestellung im Status der lokalen Infektion ist hierbei essentiell für das postinfektiöse, funktionelle Ergebnis. Das Risiko-Nutzen-Profil der intraoperativen Mitomycin C-Anwendung sollte weiterhin untersucht und diskutiert werden.